Die Hand reichen

Illustration: elvira-stein Jemandem zu kondolieren, der gerade einen geliebten Menschen verloren hat, gehört zu den unschöneren Aufgaben, die im Leben auf uns zukommen.
christoph-koch
Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Illustration: elvira-stein Jemandem zu kondolieren, der gerade einen geliebten Menschen verloren hat, gehört zu den unschöneren Aufgaben, die im Leben auf uns zukommen. Darüber lässt sich kaum streiten. Zanken kann man sich alllenfalls, ob es leichter oder schwieriger wird, wenn man die trauernde Person gut kennt. Ich behaupte: Leichter. Dann kann man sie in den Arm nehmen, festhalten, mit ihr zusammen heulen, sich gehen lassen. Aber was tut man, wenn man jemandem sein Beileid bekunden muss, den man nur ein bisschen kennt? Ich verbrachte mal eine sehr skurrile Silvesternacht in West Palm Beach mit einem Bestattungsunternehmer aus Alabama. In den USA kann man das ja, wie viele andere nützliche Berufe auch, am College studieren. Als ich Jeff fragte, wie man denn bitteschön angemessen Nichtnahestehenden kondoliere, erklärte der frisch ausgebildete Bestatter, er habe zwei Handschläge für Trauernde – je nachdem, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelt. Handschlag 1 (bei Frauen): 1. Sich der trauernden Person langsam nähern 2. Den Kopf schief legen (ein Winkel von 35 bis 40 Grad ist durchaus angemessen) 3. Die Augenbrauen leicht hochziehen, das Gesicht Trauer zeigen lassen (dabei Zwinkern oder obszöne Mundbewegungen vermeiden) 4. Ihre Hand schütteln; sanft und eigentlich ohne eine tatsächliche Schüttelbewegung (eher ein Halten) 5. Relativ schnell die zweite (also die linke) Hand oben auf die verschränkten Hände legen 6. Die Augen langsam niederschlagen 7. Nach einer Weile wieder die Augen öffnen, weitergehen Handschlag 2 (bei Männern): 1. Sich der trauernden Person langsam nähern 2. Den Kopf nur leicht schief legen (10 bis höchstens 15 Grad genügen hier) 3. Die Hand des Trauernden schütteln (fester als bei Handschlag 1, jedoch auch hier nicht wirklich auf und ab wedeln sondern nur einmal beherzt zugreifen) 4. Die zweite Hand auf die rechte Schulter des Trauernden legen 5. Ihm fest und ermutigend in die Augen blicken, aber nicht zu lange (vor allem, wenn es sich um jemanden handelt, der von Homosexuellen nur als „Scheiß-Schwucken“ spricht und grundsätzlich jeden verdächtigt, „einer von denen“ zu sein) 6. Die Augen nur kurz niederschlagen 7. Kurz und bestimmt nicken, weitergehen

  • teilen
  • schließen