Drücken zum Sprechen

Illustration: elvira-stein Ende Januar wurde "Push to talk" auf der CeBIT-PreView als neuester Mobilfunk-Trend angepriesen, aber was genau das ist, und wie es funktioniert, das wissen noch nicht allzu viele.
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Illustration: Julia Schubert

Illustration: elvira-stein Ende Januar wurde "Push to talk" auf der CeBIT-PreView als neuester Mobilfunk-Trend angepriesen, aber was genau das ist, und wie es funktioniert, das wissen noch nicht allzu viele. Deswegen folgt hier in sechs Schritten die Erklärung: "Wie ich wo drücken muss, um aus meinem Handy ein Funkgerät zu machen." 1. Das Handy Zuerst brauchst du ein Handy, das "Push to talk"-fähig ist. Beispielsweise das Nokia 5140. Das sieht zwar ein bisschen so aus, als stamme es noch aus der Zeit Mitte der Neunziger, als Handys in erster Linie funktionell sein sollten, also ruhig scheiße aussehen durften, ist aber das erste "Push to talk"-Handy auf dem deutschen Markt. 2. Die Freunde Hast du nun ein solches Gerät, dann ist es äußerst ratsam, deine Freunde und Bekannten zu überreden, auch eins zu kaufen. Sonst kannst du zwar deinen Push-to-talk-Knopf drücken, bleibst aber weiter alleine, weil niemand von einem "normalen" Handy aus mithören kann. 3. Die Gruppe Hast du erst einmal ein paar gute Freunde zum Kauf eines Nokia 5140 überredet, kannst du dir auf dem Handy eine "Gruppe" einrichten, indem du ihre Nummern in einem Menü zusammenfasst. 4. Die Nachrichten Jetzt kannst du allen Mitgliedern deiner Gruppe ungefragt Nachrichten rüberkommen lassen. Das geht so: Drücken, den Knopf gedrückt halten, ins Handy sprechen, auf Antwort warten und darauf, dass die anderen einen akustisch verstanden haben. 5. Die Vorteile Das Schöne daran ist, du kannst so viel pushen und talken, wie du willst - es kostet pro Tag nur einen Euro, ist also billiger als mehrere Telefonate mit Freunden und Freundinnen. Außerdem kannst du dich problemlos am Telefon mit fünf Leuten gleichzeitig streiten. 6. Die Nachteile Unpraktisch und eher doof ist nur die mit der neuen Funktion des Handys noch gestiegene dauerhafte Erreichbarkeit. Willst du wirklich um drei Uhr nachts von einem deiner Freunde mit dem schlimmen Lied "FC Bayern, deutscher Meister, ja so heißt er, mein Verein" geweckt werden? Die Anfangsbegeisterung über Push-to-talk versetzt dich zurück in die Kindheit, als du hinter eine Hecke gekauert kaum verständlichen Botschaften mit einem riesigen Funkgerät am Ohr lauschtest. Als du Überfälle auf Nachbarskinder über Funk plantest, und deine Eltern mit dir zur Logopädin wollten, weil du allen Aussagen in der Schule und Zuhause ein "Oferändaut!" folgen ließest. Doch diese Euphorie währt nicht lange. Spätestens nach zwei Stunden Gebrauch der Push-to-talk-Funktion bist du nur noch genervt und drückst einen anderen Knopf am Handy, den Ausknopf. Sollen die anderen doch pushen und talken, so viel sie wollen. Du selbst bist draußen, out, over and out!

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