Eltern fragen, Studenten antworten: "Ich schau` nach, wofür ich eingeschrieben bin"

Das Semester hat begonnen, die Lebenswelt namens Studium hat ihren Einwohnern wieder die Tore geöffnet. Die Eltern müssen draußen bleiben - und fragen sich dieweil, was die feinen Damen und Herren Töchter und Söhne den lieben langen Studientag anstellen. Machen Sie, was Ihnen aufgetragen wurde? Ergeht es Ihnen, wie die Eltern es sich wünschen? Wir haben die häufigsten Fragen mit den jeweils geeignetsten Antworten zusammen getragen. Eine Handreichung und, viel mehr noch: Ein Muss zum Studienbeginn.
tobias-peter

Zur Beachtung sei vorweg mitgeteilt: Antwort a) bezeichnet die "vordergründig-höfliche" Variante einer Antwort. Hinter b) verbirgt sich die "Professoren"-Variante der Entgegnung und mit einer Antwort im Stil von c) läuft man geradewegs in die Gefahr, von den Eltern jede Achtung und jede Studien-Co-Finanzierung entzogen zu bekommen. Wohlan nun, hier die erste Elternfrage: Was genau macht ihr in deinem Studiengang eigentlich? a) Bis du das verstanden hast, wären dein herrlicher Filterkaffee und die Mikrowellen-gewärmten Muffins längst erkaltet. b) Darüber bin ich mir mit den anderen in meinem Studiengang noch nicht so richtig einig. Wir führen noch eine anregende fachliche Grundlagen-Diskussion. c) Schon gut, schon gut – ich kapier’s ja. Diesmal suche ich wirklich, sobald ich zu Hause bin, die Unterlagen raus und schau nach, wofür ich eingeschrieben bin. Okay? Wann darf ich dich mal im Wohnheim besuchen? a) Ach, leider bin ich selten zu Hause. Aber mein schwuler Mitbewohner und sein 20 Jahre älterer Freund kochen dir gern einen Tee. Sie plaudern so gern mit Fremden über Männer. b) Es ist diskurstheoretisch betrachtet wenig sinnvoll, das Wann vor dem Ob zu erörtern. c) Nach meiner Party wäre es günstig. Dann könntest du mir gleich zeigen, wie man Whisky-Cola und verdaute Spaghetti Bolognese mit grün-gelben Paprika-Stückchen rückstandsfrei vom Teppich entfernt. Kommst du mit 300 Euro im Monat aus oder soll ich dir für die Semesterferien einen Job auf der Baustelle besorgen? a) Wir kommen mit dem Geld schon aus - wenn wir uns alle etwas einschränken. Du hast doch immer gesagt: Die Ausbildung geht vor. Wohin wolltet ihr noch mal in Urlaub fahren? b) Ein interessantes soziologisches Projekt, das Leben der Bauarbeiter, ihre Arbeits- und Sprechweisen kennen zu lernen. Der Beginn einer praktischen Umsetzung mit der von dir angeregten Feldforschung wäre in drei Jahren denkbar – bis dahin erarbeite ich den Forschungsstand aus der Literatur. c) Nicht nötig. Wenn das Strippen nicht mehr genug Kohle abwirft, fang ich halt wieder an, mit Kokain zu dealen. Was wird bloß aus Papas Säbeln, falls keiner von euch in die Burschenschaft eintritt? a) Papa wird uns mit seinen Säbeln noch alle überleben. b) Ich muss jetzt weg. Aber da sprechen wir noch ausführlich drüber. Am besten, wir machen gleich nächste Woche einen Termin aus. Oder vielleicht übernächste. Tschüss dann… c) Ja, ja. Und was wird aus seinen Pornos, falls keiner von uns auf Tiere steht? Kannst du mir mal eben deine Scheine zeigen? a) Is` doch nicht nötig. Die Studenten sind heute viel zielstrebiger und ehrgeiziger als zu deiner Zeit. b) Auf so eine platte Frage kann man das Problem nicht reduzieren. Ich weigere mich, die Diskussion auf eine so banale Ebene herunterzuziehen. Hinterfragt bitte euer Niveau! c) Ziehst du mal eben deine Hose für mich runter und rennst mit deinem unzulänglichen Körper nackt durchs Haus und über die Straße? Wann machst du eigentlich dein Vordiplom? a) Vor dem Diplom wäre es günstig. b) In meiner gegenwärtigen Lebensphase genieße ich stärker die affektiven als die kognitiven Seiten des Studiums. Wer nur von Veranstaltung zu Veranstaltung hetzt, verpasst wichtige Gelegenheiten, seine Persönlichkeit zu entwickeln. c) Eine Wahrsagerin hat vorausgesagt, dass ich noch zweimal das Studienfach, einmal die Uni und zwölf Mal die Freundin/den Freund wechseln werde. Außerdem möchte ich mindestens eineinhalb Jahre bei der Studentenvertretung abhängen, um dort Friedenspläne für den Nahen Osten zu entwickeln. So gesehen: Vordiplom in fünf bis sechs Jahren scheint mir realistisch. Bekommst du in der Mensa auch genug zu essen? a) Ja, natürlich. Aber anders als zu Hause bei Muttern wird sehr an Ballaststoffen, Fett und Cholesterin gespart. b) Mensa? Mittags hab ich doch immer das Kolloquium zu den organisatorischen Problemen der Massentierhaltung in der Industriegesellschaft. c) Ich habe Hausverbot, weil meine Haare und meine Klamotten eine Gefahr für die Hygiene sind. Hast du eigentlich schon einen hübschen Kommilitonen/eine süße Kommilitonin kennen gelernt? a) Ich bin froh, dass wir offen über solche Fragen sprechen können. Haben Papa und du eigentlich noch Sex? b) Der Name fällt mir bestimmt gleich wieder ein. c) Klar, doch leider musste ich die Dreiecks-Beziehung beenden. Dummerweise haben sich die beiden geweigert, sich von mir nackt aneinander ketten und auspeitschen zu lassen. Auch wegen der Live-Übertragung ins Internet haben sie sich fürchterlich angestellt.

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Illustration: Julia Schubert

Illustration: daniela-pass Was willst du mit dem Studium eigentlich werden? a) Eine wirklich gute Frage. Das erkennt man schon daran, dass die Dame bei der Berufsberatung sie auch immer wieder gestellt hat. b) Ich hab da einen exakten Plan: Nach der doppelten Regelstudienzeit reiße ich mich kurz zusammen und schließe das Studium doch noch schnell ab. Danach denke ich mir irgendein langweiliges, sinnloses Forschungsthema für eine Doktorarbeit aus, die ich aus öffentlichen Geldern finanzieren lasse. Dann habe ich erst mal ein paar Jahre Zeit, mich überall an der Uni einzuschleimen. Kurz: Die werden mich nicht mehr los. c) Einfach nur Stütze zu kassieren, finde ich nicht gut. Stütze zu kassieren und gleichzeitig französische Philosophen zu lesen – das hat Stil. Gehörst du auch zu denen, die nackt gegen Studiengebühren und Bildungsabbau protestieren? a) Ja. Aber keine Sorge: Ich rasiere mich vorher ordentlich und gebe Acht, dass die Journalisten nicht nur mein Geschlechtsteil fotografieren. b) Das Ursprüngliche und Unverfälschte des Protests ist in seiner Urform nur durch die Ursprünglichkeit und Unverfälschtheit des Körpers herzustellen. c) Ich springe lieber nackt Fallschirm, surfe und gehe nackt einkaufen. Bildungsabbau ist mir doch egal, ich bin ja eh nie in der Vorlesung. Gut, wenn sie jetzt Stellen in der Cafeteria abbauen würden …

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