1. Steve Jobs kündigte den neuen Dienst am Mittwochabend deutscher Zeit mit den Worten an: „Facebook und Twitter treffen iTunes.“ 2. In der Tat: Aus der Musiksoftware wird dank Ping jetzt ein sozialer Dienst. Nutzer können Profilseiten anlegen und anderen Nutzern und deren Musik "folgen". Ein Prinzip, das von Twitter entlehnt wurde - und in weiten Teilen dem von Facebook bekannten iLike ähnelt.

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3. Der große Unterschied zu den bestehenden sozialen Netzen ist jedoch der: Ping funktioniert nur innerhalb von iTunes, das als eigene Software auf dem Rechner installiert werden muss und nicht von überall aus abgerufen werden kann. Allerdings soll Ping auch auf iPhone und iPodTouch laufen. 4. In einem weiteren Punkt unterscheidet sich Ping von anderen Netzwerken: Es geht ausschließlich um den Verkauf von Musik. Denn wer Bands und Künstlern folgt, soll anschließend auch deren Songs kaufen. 5. Weil Ping so eigenständig funktioniert, ist es dort bisher auch noch recht ruhig. Denn eine Integration bestehender Twitter- oder Facebook-Accounts ist nicht möglich. So verläuft die Suche nach einigen Künstlern bisher noch ergebnislos. Überhaupt wirkt das Angebot noch recht unfertig. Es gibt Probleme in der Darstellung und wer sich abmelden will, bekommt noch eine Meldung mit Blindtext.

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6. Deshalb sei die entscheidende Frage - so urteilen Kritiker - vor allem, ob sich irgendwer für das neue Angebot interessieren wird. Das bezieht sich einerseits auf die 160 Millionen Menschen weltweit, die derzeit iTunes nutzen. Es bezieht sich aber vor allem auf Musiker und Bands und deren Interesse, tatsächlich Inhalte in Ping zu posten. 7. Diese - und das ist das grundlegende Problem von Ping - beziehen sich ausschließlich auf Aktivitäten in iTunes. Das ist äußerst begrenzt und in Wahrheit nicht neu. Denn iTunes-Inhalte kann man schon jetzt via Twitter und Facebook verbreiten. 8. Kritik gibt es allerdings nicht nur an der Funktionalität. Auch das Design - und vor allem das neue Icon - von iTunes (und damit Ping) stößt auf Widerspruch im Netz. 9. Dabei gibt es durchaus interessante Ansätze in der Idee von Ping. Apple will damit die Ansprüche des Empfehlungsdienstes Genius auf eine soziale Ebene heben. Der Nutzen für die Käufer: Sie finden so vielleicht tatsächlich neue Musik. Der Nutzen für Apple: Sie sammeln so noch mehr Daten von ihren Kunden. 10. Und diese Daten sind am Ende das, worum Apple, Facebook, Amazon, Google und all die anderen kämpfen. Darum sollte sich jeder sehr genau überlegen, ob er sich bei Ping (oder anderswo) hinterlassen möchte.