Strategien zum junggesellenreichsten Wochenende des Jahres

Am 8.8. 2008 steht eine Massenhochzeit bevor - und somit auch massenhaft Junggesellenabschiede. jetzt.de verrät, wie man darauf angemessen reagiert.
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Ein „Stag“ bezeichnet im Englischen einen Hirschen. Ein stolzes Tier aus der Familie der Paarhufer, das sich vor allem durch sein beeindruckendes Geweih auszeichnet. Wer ein paarungswilliges Exemplar auf freier Wildbahn trifft, sollte vorbereitet sein. Ein „Stag“ bezeichnet im Englischen nämlich auch einen jungen Mann, der kurz vor seiner Hochzeit organisiert über die Stränge schlägt – im Rahmen der so genannten Stag-Night. Doch nicht nur Briten und nicht nur Männer pflegen diesen alkoholreichen Abschied aus der Ehelosigkeit: für die so genannte Hen-Night brüten die Freundinnen der Braut ein weibliches Saufgelage aus. Stag- wie Hen-Night tragen nicht zufällig Tiernamen im Titel: Es geht animalisch zu bei diesen Veranstaltungen. Und wie beim Zusammentreffen mit wilden Tieren sollte man vorbereitet sein. Deshalb gibt es zum vermutlich junggesellenreichsten Wochenende des Jahres die jetzt.de-Handreichung für Junggesellenabschiede. Denn bevor am 8.8.2008 in der kommenden Woche zahlreiche junge Menschen vor den Altar treten, werden sie sich an diesem Wochenende ordentlich daneben benehmen. jetzt.de verrät, wie man darauf angemessen reagiert: als Unbeteiligter, als indirekter Teilnehmer sowie als zukünftiger Ehepartner.


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Illustration: Julia Schubert

Das unbeteiligte Zusammentreffen Die wichtigste Regel gilt der Verhinderung: Meide in den nächsten 72 Stunden die Düsseldorfer Altstadt, die Reeperbahn in Hamburg oder den Stadtteil Sachsenhausen in Frankfurt. So reduzierst Du das Risiko, dem Tier zu begegnen. Orte, die sich mit Titeln wie „Fressgasse“ oder „längste Theke der Welt“ schmücken, sind sozusagen der natürliche Lebensraum des Junggesellenabschieds. Selbst ländliche Exemplare wagen sich aus ihrer provinziellen Heimat hier her. Sie findet hier alles, was ein Junggesellenabschied braucht: Reichlich Alkohol, trinkfreudige Menschen sowie Publikum, das ihn und seine nicht selten dämlich Bekleidung bewundert. Häufig verirrt sich das mit T-Shirts samt eindimensionaler Sprüche bekleidete Tier („Sklaverei – ganz legal“) aber auch in die Fußgängerzone. Hier besteht die größte Gefahr eines unfreiwilligen Zusammentreffens. Hat ein Junggesellenabschied Witterung aufgenommen und dich zum Ziel eines Angriffs ausgewählt, hast Du nur eine Chance: Ruhig bleiben! Du darfst Dich nicht wehren. Fixiere den Kopf des Tieres. Dabei handelt es sich um die Person, die am dämlichsten gekleidet ist. Meist trägt sie Demütigungskleidung und will Dir etwas verkaufen. Gehe auf ihre Wünsche - soweit es Dein Anstand erlaubt - ein, mache ihr Komplimente und versuche den Körper des Tieres (meist grölende oder giggelnde Bekannte des Kopfes) für dich einzunehmen. So sollte es dir gelingen, das Tier innerhalb von höchstens fünf Minuten wieder loszuwerden. Für den seltenen Fall, dass Du bereits nach wenige Momenten ein hohes Maß an Hartnäckigkeit verspürst, bleibt Dir nur ein Weg: Versuche es mit Geld. Meist trägt der Kopf des Tieres eine Art Bauchladen vor sich, aus dem er Schnapsfläschchen und anderen Tand feilbietet. Zeige Dich erfreut über seinen Kinderkaufladen und kaufe ihm etwas ab. Sollte auch das nicht zu einem zügigen Erfolg führen, bleibt Dir nur der Frontalangriff. Dabei ist es wichtig, das Geschlecht des Tieres zu ermitteln. Dies sollte dir am Nachmittag oder frühen Abend leicht fallen. Zu späteren Zeitpunkten kann dies komplizierter werden – und das liegt meist nicht an der Dunkelheit. Begebe Dich bei einem weiblichen Tier in eine väterliche Rolle und lobe den Kopf der Bande als außerordentlich hübsch. Verfahre analog bei männlichen Tieren: Hier empfiehlt es sich alternativ den Körperbau oder zumindest seine körperliche Stärke herauszustellen. In jedem Fall solltest Du sichergehen, dass die anderen Anwesenden mitbekommen, was Du sagst. Achte dabei darauf, dass die- oder derjenige mit dem höchsten Alkoholpegel, Deine Komplimente mitbekommt und laut wiederholt. Sollte Dir das gelingen, hast Du die Situation so gut wie überstanden. Sie oder er sind ab dem Zeitpunkt Deine Verbündeten und werden den trägen Körper des Tieres weiterziehen. Auf der nächsten Seite: die wichtigsten Verhaltensregeln für die indirekte Teilnahme. Was tun, wenn ein Freund oder eine Freundin zum Junggesellenabschied lädt?


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Illustration: Julia Schubert

Die indirekte Teilnahme Auch hier gilt: Vermeide den Kontakt oder werde – wenn es sich gar nicht verhindern lässt - Teil des Tieres. Aber anders als beim unbeteiligten Zusammentreffen sollte man sich beim Junggesellenabschied einer Bekannten oder eines Freundes darüber im Klaren sein: Unter fünf Stunden ist selbst eine indirekte Teilnahme nicht zu bekommen. Also prüfe sehr genau, ob Dich nicht vielleicht ganz plötzlich eine schwere Sommergrippe plagt oder Du nicht ausgerechnet an diesem Wochenende in einem anderen Teil des Kontinents einer alten Frau über die Straße helfen musst. Wenn diese Prüfung negativ ausfällt, bleibt Dir nichts anderes übrig als die Tierwerdung zu akzeptieren. Denn es gilt: Wer mitgeht, geht mit. Ständig kopfschüttelnd ob seiner Primitivität neben dem Tier zu stehen, reizt nur das Animalische in ihm und wird dazu führen, dass Du Schaden nimmst. Deshalb noch mal: Bist Du ganz sicher nicht erkältet? Die beste Position für die unbeteiligte Teilnahme ist die hinter einer Kamera. Biete an, die lustigsten Szenen per Video oder Foto festzuhalten. Sei Dir allerdings darüber bewusst, dass lustig in diesem Zusammenhang eine ganz neue, ganz eigene Wortbedeutung erhalten wird. Die Kamera bietet Dir meist ausreichend Schutz, sie ist ein gutes Argument, jederzeit bekleidet und auf dem Trockenen zu bleiben und sie muss auch dann festgehalten werden, wenn andere Teile des Tieres nach fremden Geschlechtsteilen greifen. Sollte die Kamera-Position besetzt sein, gibt es nur eine Lösung: Abwarten und aushalten! Du musst einen guten Moment abpassen, an dem Du Dich heimlich verdrücken kannst. Denn obwohl er den Abschied im Namen trägt, gibt es eins beim Junggesellenabschied ganz sicher nicht: ein anständiges Ende. Irgendwann wird der Kopf des Tieres zu einem Taxi geführt und nach Hause fahren. Du solltest alles daran setzen, diesen Moment nicht miterleben zu müssen. Denn er ist gekennzeichnet von einem existenziellen Maß an Niedergeschlagenheit. Du merkst dann: Das Tier ist tot. Und wie in dem Moment als du das erste Mal einen toten Hasen neben der Autobahn-Leitplanke gesehen hast, wirst Du wissen: Das ist alles in Wahrheit gar nicht schön! Was tun, wenn man selber heiratet? Der dritte Teil der Handreichung erläutert das Vorgehen bei der direkten Teilnahme.


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Illustration: Julia Schubert

Die direkte Teilnahme Du hörst es vermutlich nicht gerne, aber es muss gesagt werden: Du bist Schuld. Du machst aus der Gruppe mehr oder weniger befreundeter Bekannter erst das animalische Wesen. Szenen wie , oder gibt es nur, weil Braut oder Bräutigam sie zumindest stillschweigend akzeptieren. Darüber solltest Du Dir bewusst sein, wenn Dein Umfeld Dir einzureden versucht, ein solches Wesen gehöre zu einer echten Hochzeit. Du weißt dass diese Argumentation in Wahrheit so stichhaltig ist, wie die Behauptung, man könne nur dann ein echter Fußballer sein, wenn man die Haare trägt wie Bastian Schweinsteiger. Wenn Du aber tatsächlich gewillt bist, einen Strähnchen-Iro zu tragen, das Tier also von der Kette zu lassen, dann: bitte. Du wirst der Kopf der Bestie sein auch wenn die anderen ständig das Gefühl geben, Du seist der Arsch. Wie bei einem Nashorn wird der schwere träge Körper Dich anschieben, aber Du bist der vorderste Teil, das heißt vor allem: Du triffst als erstes auf die Wand, wenn der Körper Dich dagegen steuert. Aber anders als beim Nashorn, wird Dir jegliche Dämpfung fehlen. Für Dein Umfeld wirkt es allerdings ganz anders. Sei Dir darüber bewusst, dass Du für fremde Menschen der Anführer eines Pöbel-Pulks bist. Wenn Du also Passanten ansprichst, bedenke die Folgen: Sie mögen dich nicht! Auch wenn sie Deine Schönheit (bei Mädchen) oder Stärke (bei Jungs) loben, haben sie nur ein Ziel: Dich wieder loszuwerden. Hilf ihnen, dieses Ziel schnell zu erreichen! Darüber hinaus gibt es für die direkte Teilnahme nur eine grundlegende Regel: Genieße den Abend! Das klingt einfach, ist in Wahrheit aber die schwerste Prüfung. Denn Du merkst erst, wenn Du in Kontakt mit dem wilden Tier bist, wie viel an diesem Abend störenden Anstands sich in den vergangenen Jahren in Dir gesammelt hat. Bemühe dich, ihn nicht ganz zu verlieren: Prost!

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