Triff deine Klasse!

Der Abi-Sekt sprudelt schon lang nicht mehr, wenn dich die Mail mit dem Betreff „Klassentreffen“ erreicht. Und mal ehrlich, das ausgeleierte Abschluss-Shirt hast du das letzte Mal beim Renovieren getragen. Aber es ist Weihnachten. Du bist nostalgisch und außerdem eh zu Hause. Egal, ob bei Buffet oder ohne - du wirst hingehen zum Klassentreffen. In den Gasthof im Dorf oder die Bar der Kleinstadt. Mit dir sind nicht nur etliche halbfremde Menschen da, sondern vor allem die quälende Frage: „Was mache ich hier eigentlich?“ 13 Tipps, wie du den Abend anständig überstehst.
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Illustration: Julia Schubert

Illustration: dirk-schmidt 1. Komm zu spät. Erzähle niemanden, dass das daran liegt, dass du nicht wusstest, was du anziehen solltest. In T-Shirt und Jeans kannst du letztlich gut verstecken, dass du extra beim Frisör warst. Außerdem hast du so auch noch Zeit, eine Seifenoper zu schauen, um dich in die richtige Smalltalkstimmung zu bringen. Glücklicherweise hast du jetzt auch die Phase verpasst, in der alle lahm umeinander herumschleichend „Und du so?“, fragen. Wahlweise kannst du natürlich auch früher kommen und die Stop-Funktion deines Handys testen. In geschätzten 5,3 Minuten werden sich genau die alten Grüppchen von früher gefunden haben. 2. Sei sentimental. Denk an die schöne Zeit. An Freistunden und Gartenpartys. Drücke überschwänglich alte Freunde und male die Pubertät in Pastellfarben. Hüte dich jedoch vor Zusagen für Klassenfahrt-Revival Touren auf holländischen Campingplätzen . 3. Lüge gut. Fantasiere nicht von New York, London und Tokio. Vermeide alle Ortsangaben, wenn du von deinem Wahnsinns-Job erzählst. Füge jedoch immer hinzu: Das viele Geld spielt für dich keine Rolle. Es macht einfach Spaß und so ein Firmenwagen wäre eigentlich auch etwas übertrieben. 4. Gratuliere dem Jahrgangsstufenpaar! „Toll, dass ihr immer noch zusammen seid. Wer hätte das gedacht, bei all den Seitensprüngen.“ Gegebenfalls kannst du fast genauso die Trennung beglückwünschen. 5. Gestehe deine Liebe. Am besten die aus der fünften Klasse. Provoziere auch Gegenliebeserklärungen, beispielsweise in dem du nachbohrst, ob beim Flaschendrehen auf der Klassenfahrt 1997 nicht doch echte Gefühle mit im Spiel waren. Aber Vorsicht: Vielleicht war es doch nicht Leidenschaft, die Klassenkameraden dazu brachte, dich kopfüber in die Mülltonne zu steckten. Eingelullt von soviel „Schön, heute können wir über alles reden“ solltest du deine Geständniswut immer unter Kontrolle halten. Du wirst schnell merken, dass die Welt nicht bereit ist, zu erfahren, dass du der Spickzettel-auf-dem-Klo-Mogler warst – dessen Strafe am Ende alle traf: Wiederholung der letzten Prüfung, und 30 Prozent fielen durch. 6. Gib auf. Dir wird niemals einfallen, wie das Mädchen mit der beigen Cordhose heißt. Und vergiss das schlechte Gewissen. An diesem Abend wirst du noch 100 Mal sagen „Warte, ich bin gleich wieder da“ ohne dir zu merken, wem du alles versprochen hast anzurufen. 7. Streue Gerüchte. Beispielsweise, dass alle Geschichten der Jahrgangstufen-Jetsetter über New York, London und Tokio gelogen seien. Schüttel den Kopf über ihr absolut übertriebenes Outfit und erzähle, sie wären vorher beim Frisör gewesen. Wie peinlich. 8. Kichere nicht, aber rufe laut „Guter Witz! Du! Kinder!“, wenn Frauke sagt, sie müsse jetzt gehen, da der Kleine krank ist - Vielleicht hättest du doch eine Stunde früher kommen sollen. 9. Übe zu Hause ein glaubwürdiges „Gut siehst du aus!“. Du wirst es brauchen, wenn du feststellst, dass Kevin, die abgenommenen 20 Kilo nun wieder exponential vergrößert um die Hüften trägt. Vermeide dabei allerdings das letzte Haarbüschel auf seinem Kopf anzustarren. Außerdem solltest du für Notfälle immer ein professionell gütiges Miss-World-Lächeln parat haben. Zum Beispiel als Antwort auf die Frage, warum du eigentlich immer noch studierst. 10. Vermeide Lehrer. Dass sie überhaupt anwesend sind, kann nur an den Gratisgetränken liegen. Oder sie sind hier, um dich penetrant zu fragen, warum du nicht Lehrer geworden bist. Da werden sie nicht lockerlassen bis du zwei Stunden später gestehst, dass Erdkunde dein Leben verändert hat. 11. Erinnere dich. Brause-Korn ist kein schönes Abi-Party-Beiwerk, sondern ein erschreckendes Geschmacksverbrechen. Duck dich, wenn die Leute mit Spitznamen wie „Michi“ und „Wolli“ mit Waldmeister- und Himbeergeschmacktütchen winken und „Ex oder Arschloch!“ rufen. 12. Trink trotzdem. Nur so erreichst du den Olymp der seligen „Schön-wars-Phase“. Zu viel allerdings und du wirst mit deiner alten Liebe lallend die Frage ergründen, warum es mit euch damals nicht geklappt hat. Die Antwort fällt dir erst am nächsten Morgen ein. Wenn du neben selbiger aufwachst und feststellst, dass sie den Schweinemastbetrieb der Eltern übernommen hat. 13. Denk immer daran: Die Schulzeit ist vorbei. Erkläre das auch Michi und Wolli. Wenn du dich schnell genug anziehst, reichts für die Jugendliebe auch per SMS.

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