Wie man mit Vorsätzen gut umgeht

Illustraiton: elvira-stein.
roland-schulz

Illustraiton: elvira-stein.jetzt.de Es gibt Menschen, die ein neues Jahr begrüßen, indem sie minderwertigen Schaumwein trinken, Brocken von Metalllegierungen im Löffel schmelzen und am Ende ihnen eigentlich unbekannten Personen um den Hals fallen, während sie teuer erworbene Pyrotechnika in einen rauchverhangenen Himmel jagen. Das sind böse Menschen. Das sind Listen-Menschen. Diese Menschen pflegen aus Anlass eines neuen Jahres Listen mit Vorsätzen anzufertigen, die sie „to-do-Listen“ nennen, was allein schon Grund genug wäre, alten Bräuchen wie dem Pfählen nachzutrauern. Schlimmer ist, dass diese Vorsatz-Listen in etwa so funktionieren wie Kokain: Am Anfang sind die Listen-Menschen von einem derartigen Tatendrang beseelt, dass selbst Hyperaktivposten wie Detlef D! Soost ins Staunen kämen, zwischendrin passiert rein gar nichts außer einem aufdringlichen Dauer-Hinweisen auf ihre supi Vorsatz-Liste, und am Ende quengeln und heulen sie dann alle, die Vorsatz-Menschen, weil sie nichts, aber auch gar nichts geschafft haben von ihren Vorhaben – männo, wie konnte das nur passieren? Ich habe mir übrigens vorgenommen, im neuen Jahr nicht mehr so gehässig zu sein. Als Dank hat der Chef gesagt, das fände er großartig, ich solle doch gleich mal was über Vorsätze schreiben, und zwar: Wie man das macht mit den Vorsätzen. Das ist ganz einfach. Ich will nicht mehr so gehässig sein, das ist mein Ziel. Um dieses Ziel zu erreichen, habe ich aber keine Liste erstellt. Das mit den Vorsätzen klappt nur, wenn man es wirklich will, wenn man wirklich daran glaubt, wenn man wirklich überzeugt ist davon – sonst nicht. Ein Raucher, der das Rauchen aufgeben will, muss tief im Herzen davon überzeugt sein, dass Rauchen schlecht ist und er es nicht mehr möchte, sogar im Angesicht eines vor einem Sonnenuntergang auf einem Pferd genüsslich rauchenden Cowboys aus dem Flavour-Land muss er davon überzeugt sein. Ein absurd fettleibiger Liebhaber zuckerhaltiger Speisen, der nicht mehr aussehen will wie Jabba the Hutt aus „Krieg der Sterne“, muss tief im Herzen davon überzeugt sein, dass ein leichter Spinat-Salat besser schmeckt und besser ist als drei Vanille-Milchshakes mit einem Doppel-Hamburger nebst extra Käse dazu. Ein Zyniker, der weniger gehässig sein will, muss wirklich davon überzeugt sein, dass Feingefühl und Verständnis auch und gerade bösen Menschen entgegengebracht werden müssen, Listen-Menschen also. So gesehen bin ich auf dem besten Weg, ihr miesen kleinen Ratten.

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