Der weniger ambitionierte Präsident

Das Jahr startet mit wunderbarem Twitter-Humor: Buchtitel werden geschrumpft und Christian Wulff wird mit Hollywood in Verbindung gebracht. Wie das geht? Eine Erklärung von Dirk von Gehlen.
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Illustration: Julia Schubert



Das muss alles schneller gehen! Was gestern noch lustig war, ist heute schon langweilig. Twitter und Facebook haben nicht nur das Lustigsein demokratisiert. Die so genannten sozialen Kanäle haben auch die Schlagzahl dessen, was wir als neu empfinden, unfassbar erhöht.


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Gestern zum Beispiel dachten wir, der Hashtag #lessambitiousbooks sei lustig und ein guter Kandidat für diese Rubrik hier. Wir dachten das, weil die Buchtitel, die etwas weniger ambitioniert als die Originale daherkommen, auch heute noch humorvoll und kreativ sind. Wenn sie wirklich gut gewählt sind, braucht man eine Sekunde um den dahinter liegende Witz zu verstehen. Diese Sekunde tut nicht nur wegen des Tempos gut. Sie ist die Sekunde, die einen Witz ausmacht.

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Daran fanden sehr viele Twitter-Nutzer in den vergangenen Tagen Gefallen und produzierten kreative Neuschöpfungen wie die dreieinhalb Zwerge,  den relativ langen Spaß, das ausgeborgte Kaninchen und die realistische Variante der vermessenen Welt.

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Aber als Hashtag der Woche taugen all die Beiträge dennoch nur bedingt. Das liegt zum einen daran (die englische Schreibweise legt es nahe), dass diese Idee schon vor einem Jahr in Amerika durchgespielt wurde - und in dem Sinne also auch nicht mehr wirklich neu ist. Es liegt zum anderen aber daran, dass es auf Twitter mittlerweile schon ein neues popkulturelles Referenzspiel gibt, das weitaus aktueller ist: die #Wulfffilme.

Nicht nur, weil der Hashtag drei aufeinander folgende Fs vorweisen kann, erscheint er uns der bessere Kandidat zu sein. Twitter-Nutzer verbinden dabei Filmtitel mit der aktuellen Situation des Bundespräsidenten. Dabei kommen Filme wie Fluch der Karibik oder Aus der Mitte entspringt ein Fluß zum Einsatz - und werden auf Christian Wulff gedreht.

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Wie bei den Buchtiteln entsteht der Spaß (etwas länger als relativ lang) hier durch den Bezug zur Kredit-Affäre des Bundespräsidenten. So spielt Onkel Wulffs Hütte weniger auf den Film als auf das Haus in Großburgwedel an. Und bei Liebling ich habe die Zinsen geschrumpft geht es auch nicht wirklich um verkleinerte Kinder, sondern um ungewöhnliche Darlehenskonditionen.

Bleibt eigentlich nur die Frage, wie lang dieser Hashtag Bestand haben will. Wer es genau wissen wird, kann hier ja das jetzt.de-Interview mit dem Macher der Seite istchristianwulffnochimamt.de nachlesen.

Update 20 Uhr: Richard Gutjahr spielt das Filmspiel weiter und zeigt in seinem Blog bereits ein Wulfffilm-Poster zum Ausdrucken.

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