Kleine Tweets und große Geschichten

Twitter ruft auf einer neuen Seite dazu auf, Erfolgsgeschichten zu erzählen, an deren Anfang ein einzelner Tweet stand. Unser Hashtag der Woche ist deshalb #twitterstories
nadja-schlueter

Der Begriff der Twitter-Revolution ist spätestens seit dem arabischen Frühling in aller Munde und wird heftig diskutiert. Welche Rolle haben Twitter und Facebook wirklich gespielt, wird ihr Wirken im Zusammenhang mit dem Umwälzungen überschätzt oder kann man es gar nicht genug betonen?

Man könnte meinen, dass Twitter ein bisschen von dieser seit Monaten immer wieder analysierten Erfolgsgeschichte ablenken möchte, indem es eine neue Initiative startet: Die in der vorigen Woche gelaunchte und sehr hübsch gestaltete Seite storys.twitter.com.  Dort sollen Geschichten rund um Tweets, die etwas verändert haben, erzählt werden. Das können auch ganz private Geschichten sein, die sich abseits der großen politischen Themen abspielen und die zeigen: Twitter bewirkt wirklich sehr viel, überall auf der Welt und ständig. Zurzeit kann man 14 kleine Texte lesen, manche werden durch ein eigens produziertes Video ergänzt und alle sind mit einer Karte versehen, die zeigt, wo auf der Welt der Tweet gewirkt hat. Es geht um Menschen, die via Twitter berühmt geworden sind - so wie Maureen Evans, die Back- und Kochrezepte in 140 Zeichen packt und mit ihren Followern teilt:

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Illustration: Julia Schubert



Oder es werden Einzelschicksale festgehalten, wie das des US-Amerikaners Chris Strouth: Er twitterte verzweifelt „Sh*it, I need a kidney" und fand so jemanden, der ihm eine Niere spendete.

Natürlich soll das Geschichtenarchiv weiter wachsen: Per Erwähnung von @twitterstories oder mit dem Hashtag #twitterstories, kann jeder seine eigene Twittergeschichte erzählen. @twitterstories gibt es schon seit dem vorigen Jahr, dort wurde bisher meist auf das Blog Clever Twitter Accounts hingewiesen. Doch durch die neue, eigene Seite bietet sich @twitterstories den Nutzern nun ganz offiziell als Erzählplattform an. Der jeweils letzte Tweet, der Twitterstories erwähnt, wird zwischen den 14 Stamm-Geschichten auf twitter.stories.com gepostet.

Allerdings: So richtig viel hat sich bisher noch nicht getan. Meist markiert #twitterstories begeisterte Tweets, die die neue Aktion verbreiten:

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Illustration: Julia Schubert


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Illustration: Julia Schubert


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Illustration: Julia Schubert



Viele nutzen das Angebot auch, um schon ältere Ereignisse noch einmal nach vorne zu bringen, so wie dieser Nutzer:

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Illustration: Julia Schubert



Er schrieb im März einen Blogeintrag darüber, wie er über Twitter in Chicago Fuß faßte, Tweetups organisierte und Freunde fand und wie er in diesem Jahr eine Spendenaktion für Japan organisierte.

Eine der neuesten Geschichten, die nach dem Aufruf von @twitterstories erzählt wurde, ist die von der jungen Spanierin Maria, die in der vergangenen Woche nach langer Krankheit starb. Zuvor bat sie ihre Mutter noch, alle Hinterbliebenen per Twitter über ihren Tod zu informieren:

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Illustration: Julia Schubert



Als @Taube08/Maria (In Memoriam) kam Marias Mutter dem Wunsch ihrer Tochter nach und beantwortet seitdem zahlreiche Beileidsbekundungen.

Unter den Anekdoten ist auch, wie könnte es anders sein, eine Liebesgeschichte:

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Illustration: Julia Schubert


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Illustration: Julia Schubert



@olivejoose und @TheDevilOfLove haben dazu sogar aus Fotos einen kleinen Film zusammengeschnitten, der erzählt, wie sie sich gefunden haben:

http://www.youtube.com/watch?v=xZyjb_mYrOc

Das Video ist zwar nicht besonders professionell, aber repräsentiert damit wahrscheinlich genau das, was Twitterstories erreichen will: ganz private Twitter-Erfolgsgeschichten publik zu machen. Von denen gibt es sicher viele. Manchmal muss man die, die sie erlebt haben, einfach nur motivieren, sie zu erzählen:

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Illustration: Julia Schubert


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Illustration: Julia Schubert



Es muss ja nicht immer gleich eine Revolution sein.

Text: nadja-schlueter - Fotos: Screenshots

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