Reasons to beat your girlfriend

War das alles nur ein schlechter Witz oder wollte da tatsächlich jemand zu häuslicher Gewalt aufrufen? An diesem Wochenende haben sich die Twitter-Meldungen zu einem eigenartigen Thema überschlagen.
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Illustration: Julia Schubert


Während wir in der analogen Welt letzten Sonntag entweder noch im Bett lagen oder schon am Frühstückstisch saßen, hat in der digitalen Welt eine Twitter-Meldung hohe Wellen geschlagen. Mit dem Hashtag #reasonstobeatyourgirlfriend kursierten auf einmal tausende Tweets im Netz.  

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Die Bandbreite reichte dabei von makabren Sprüchen wie „because she won’t make you a sandwich“ über ernsthafte Einwürfe wie „NEVER any reason” bis hin zu diskriminierenden Tweets wie „she disrespected your mom and homies“.  

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Illustration: Julia Schubert


Auch wenn alles nur ein schlechter Scherz sein sollte – am darauffolgenden Montag kamen immer mehr Stimmen auf, die sich gegen Tweets mit dem Hashtag @reasonstobeatyourgirlfriend aussprachen. Die einen twitterten mit dem Hashtag „#140reasonsdvisnotajoke“ (dv steht für domestic violence, angehängt wurde der Link zu einer Liste mit 140 Frauen, die von ihrem Freund oder der Familie getötet wurden). Die anderen wendeten sich mit einer Petition direkt an Twitter.  

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Illustration: Julia Schubert


Bereits Montag Nachmittag hatte die Petition gegen @reasonstobeatyourgirlfriend etwa 2500 Anhänger – von Twitter selbst kam aber noch immer keine Reaktion. Im Laufe der Woche ist der Trend stark zurückgegangen. Tweets mit dem Hashtag @reasonstobeatyourgirlfriend flattern jetzt nur noch vereinzelt durch die Twittershpären. Einige Fragen hat diese Geschichte aber doch offen gelassen: Auch wenn es nur ein Spaß sein soll – gehören solche Themen wie häusliche Gewalt in ein so unkontrollierbares Netzwerk wie Twitter? Und trägt Twitter die Verantwortung für einen bewussten Umgang mit solch heiklen Themen?

Text: julia-siedelhofer - Foto: ddp, screenshots

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