Wenn ich Rupert Murdoch wäre ...

Ein gefälschter Twitter-Account bringt die Kritik an den skandalösen Abhör-Praktiken des Murdoch-Konzerns auf den Punkt
christian-berg


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Illustration: Julia Schubert



Bei der Öl-Katastrophe am Golf von Mexiko legten umweltbewusste Witzbolde den falschen Account BPGlobalPR an und verspotteten die missglückte Öffentlichkeitsarbeit des Konzerns. Vergangene Woche eröffneten Mitarbeiter des Satiremagazins Titanic einen Google-Plus-Account für Regierungssprecher Steffen Seibert und in dieser Woche meldet sich der PR-Account von Rupert Murdoch zu Wort. Aber natürlich ist auch RupertMurdochPR kein offizielles Sprachrohr des stets als Medienmogul beschriebenen Unternehmers, der gerade wegen der britischen Abhör-Affäre in der Kritik steht.


Am Sonntag war Rebekah Brooks, die ehemalige enge Vertraute des Australiers, festgenommen worden. Sie steht im Verdacht, in ihrer Zeit als Chefredakteurin des mittlerweile wegen des Skandals eingestellten Boulevard-Blatts News of the World, am systematischen Abhören von Telefongesprächen beteiligte gewesen zu sein. Die Festnahme stellte den vorläufigen Höhepunkt einer Reihe von Enthüllungen dar, die eine enge Verbindungen zwischen dem Boulevard-Blatt und den britischen Ermittlungsbehörden zu Tage förderten. Am Dienstag nun soll Rupert Murdoch in einer öffentlichen Befragung Stellung nehmen zu den Vorwürfen gegen seine Zeitung und sein Unternehmen.

Bis er das tut, übernimmt der falsche Account die Öffentlichkeitsarbeit für Murdoch. Hier wird ein alter, schwacher Mann inszeniert, der sich nicht mehr gut erinnern und deshalb nicht zur Verantwortung gezogen werden kann.

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Montag vormittag versprach er, seinem 5000sten Follower eine Zeitung zu schenken - und ergänzte: "Ich meine keine einzelne Ausgabe, sondern eine ganze Zeitung." Wie schnell er diese 5000 Follower erreichen wird, hängt nicht unwesentlich davon ab, wie der Account sich während der öffentlichen Befragung Murdochs verhält. Dann wird sich zeigen, ob diese Form der falschen Identität mehr ist als ein kleiner Scherz, um die Machenschaften eines Medienmoguls zu kritisieren.

Update: in der Nacht zu Dienstag nahm der Skandal eine weitere unglaubliche Wendung. Zunächst wurde am Montag abend die Meldung verbreitet, dass einer der Reporter, der den Skandal ins Rollen gebracht hatte, tot in seiner Wohnung aufgefunden wurde. Im Laufe der Nacht griffen dann die Hacker von LulzSec die Website des Boulevard-Blatts The Sun an, das ebenfalls zum Murdoch-Imperium gehört. Sie leiteten die Adresse thesun.co.uk auf ihren eigenen Twitter-Feed um.

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