Tattoos, die den Schmerz verjagen

Vier Geschichten über den Schluss-Stich.
Von Tim Bruening (Fotos) und Mercedes Lauenstein

Nach der Massenpanik auf der Loveparade in Duisburg im Juli 2010 haben sich einige der Überlebenden das Datum des Unglücks auf ihren Körper tätowieren lassen. Nach dem Amoklauf Breiviks auf der norwegischen Ferieninsel Utoya war es ähnlich. Immer wieder hört man, dass Überlebende von tragischen Unglücken sagen: Ein Tattoo hat mir geholfen, mein Trauma zu bewältigen. Und auch bei weniger schlimmen, aber doch tragischen Ereignissen scheinen viele Menschen Tattoos als eine Art Pflaster emotionaler Wunden zu betrachten.

Aber wie funktioniert das? Kann das überhaupt funktionieren? So ein bisschen Tinte unter der Haut und schon bleiben die Alpträume aus? Wer kein Tattoo trägt, kann das schlecht nachfühlen.

Vielleicht ist es so: Tattoos erzählen Geschichten, sie manifestieren Erinnerungen an Durchlebtes. Und darin besteht ihre Heilkraft. Das Erlebte nicht zu verdrängen, sondern sich immer wieder schonungslos als Teil des eigenen Lebens vor Augen zu führen und zu akzeptieren. Am besten aber lässt man sich das Phänomen Schicksalstattoo von Menschen erklären, die sich damit auskennen. Weil sie eines auf dem Körper tragen.​ 

Illustration: Julia Schubert

Illustration: Julia Schubert

Illustration: Julia Schubert

Illustration: Julia Schubert
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