"Ich werd' beim Kiffen immer nur müde."

100 Sätze reichen für ein ganzes Leben. Jede Woche stellt unser Autor einen vor.
max-scharnigg
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Illustration: Julia Schubert

Über weniges habe ich in meinem Jugendzimmer so oft nachgedacht wie über die eventuelle Wirkung von Drogen. Vermutlich geht das heutigen Jugendzimmernbesitzern auch noch so. Das kommt daher, dass das Leben dort meist nicht einer Zirkusparty ähnelt, sondern man eher ein schlapper Zellhaufen mit Wachstumsschmerzen ist. Denken an Drogen stellt dann den Zubringer auf eine Autobahn dar, die weg vom Naturtrüben und hin ins Grelle führt. Man hat Visionen von den Visionen, die man haben könnte, wenn Mama nicht Tee und Dörrfruchtschnitten bringen würde, sondern TEE und LSD. Macht Mama aber nicht, deswegen überlebt man die naturtrübe Phase. Später bleibt einem bei dem Wort "Drogen" nicht anders übrig, als an das bisschen Fummeln mit Haschisch zurückzudenken und damit an den Hauptsatz. Eine Runde von Amateurkiffern war damals oft ein leicht verkrampftes Meeting von Allzubereiten. In Ermangelung anderer Drogen setzte man alle Visionshoffnungen auf die Züge an der Sportzigarette. Dass diese es aber weder vermochte, ihre Konsumenten in opalisierende Traumwelten zu befördern, noch sie in eine Dose Sprühsahne zu verwandeln, hatte man vor lauter Vorfreude ausgeblendet. Derlei Abenteuer stellten sich nie ein, obwohl man sogar die Augen zumachte. Wenn man sie öffnete, waren all die Stefans und Floriane noch da und das Naturtrübe war kaum lustiger geworden. Ein gewisser Druck entstand, weil man das Gefühl hatte, alle anderen würden doll in Richtung mentaler Discofox abdriften, während man selber noch in Tennissocken auf der Stelle trat. Also begann man zu summen und guckte möglichst dämlich aufs Regal - die anderen sollten denken, dass sich erste Debilitätserfolge einstellten. Die ganze Runde war angestrengt dabei, high zu wirken. Das ging meist so lange, bis einer den Stress nicht mehr aushielt und den mitgebrachten Schlafsack seiner Bestimmung zuführte. Die anderen nahmen das als Beweis für das Vorhandensein halluzinogener Kräfte, man sprach noch kurz darüber, ob es Drogenhöhle oder Drogenhölle heißt, und sank ebenfalls in banalen Schlaf. Am nächsten Tag fühlte man sich wie eine Dörrfruchtschnitte - und freute sich deswegen sehr über Mamas Tee.

Text: max-scharnigg - Illustration: Katharina Bitzl

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