"Kannst du mal schauen, ob ich da eine Zecke habe?"

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Das gegenseitige Absuchen nach Schädlingen gehört zu den eher selten thematisierten Aspekten einer Partnerschaft. Zumindest einer menschlichen, denn im Pavianrudel ist, wie man weiß, das Entlausen ein Top-Event. Während dem Affen aber eine Belohnung winkt, weil er die im Partneraffen gefundene Laus fressen darf, haben wir bei der Suche nach Zecken in den Kniekehlen des Partnermenschen wenig Aussicht auf geldwerten Vorteil. Im Gegenteil, der Hauptsatz zieht im Erfolgsfall chirurgische Turbulenzen nach sich, bei denen man die Fingerfertigkeit eines Mikado-Weltmeisters und die beruhigenden Qualitäten eines Dorfpfarrers bräuchte.

Angesichts einer real existierende Zecke im Fleisch der Geliebten hat man nämlich sofort drei Dinge vergessen: Welche Entfern-Methode die verbotene war. Wo die Pinzette ist. Und wie das alles mit Hirnhautentzündung zusammenhing. Es eilt aber, schließlich saugt das Untier jede Sekunde Lebenssaft aus der Lebensabschnittspartnerin. Für die Entfernung von Zecken gibt es genau so viele untaugliche Ratschläge wie für die Eindämmung eines Schluckaufs. Das in der Apotheken-Umschau empfohlene Herausdrehen klingt immerhin so, als würde man nur eine Birne aus der Fassung drehen müssen.

Leider aber beherbergen die Kniekehlen der meisten Damen kein Schraubgewinde. So zwickt, dreht und reißt man um den schwarzen Punkt herum, am Ende hat man irgendwas heraus gerupft und erreicht, dass die betreffende Stelle nicht mehr aussieht wie ein Zeckenbiss sondern wie ein glatter Durchschuss. Es folgt der Horror-Hauptsatz: „Hoffentlich ist der Kopf nicht noch drin!“ Ein toter Tierkopf im Bein der Freundin, das ist keine gemütliche Vorstellung. Also muss man diesen Verdacht gründlich ausräumen und pflichtgemäß noch nach Kopf und Kulleraugen der Zecke suchen. Abwandlungen erfährt der Hauptsatz zum Beispiel, wenn man gerade aus einem exotischen Meer gestiegen ist und ein Saugnapfgefühl am Schulterblatt hat: „Kannst du mal schauen, ob ich da was habe?“ Für diese Variante gilt wie auch für den Zeckensatz: So wahr wie nötig, aber so charmant wie möglich antworten. Schließlich will keiner  als Antwort Würggeräusche oder Entsetzensschreie hören. Nein, die seriöse Substanz einer Beziehung zeigt sich in genau diesen Momenten.

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