„Ooo-kej!“

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Natürlich gibt es das „Okay“ oder „OK“ schon ziemlich lange in diesen Breiten. Sein Einsatzgebiet beschränkte sich aber in der Vergangenheit meist auf die „Geht klar!“-Bedeutung. Also zum Beispiel: „Reinhold, bitte bringen sie alle Katzenkäfige um viertel vor acht auf die Bühne!“ – „Okay, Chef!“

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Seit wenigen Jahren aber, erschleicht sich das „O-kej.“ eine Marktführerschaft über sämtliche Zustimmungsvokabeln und darüber hinaus sogar bis in die Zauder- und Zögerbranche. Es hat sich zu einem ärgerlichen Allroundwörtchen gemausert, als dessen Grundbedeutung nur festgestellt werden kann, dass sein Benutzer noch auf Stand-by und noch nicht ganz abgeschaltet ist. Es dient zum einen in neuartiger „Weiter“-Funktion in Gesprächen und damit an einer Stelle, wo früher einfach nichts gesagt wurde. Heute aber scheinen Dialoge so verlaufen zu müssen: „Ich habe dem Reinhold dann gesagt, dass die Käfige um acht auf die Bühne zu stehen haben.“ „O-kej“ „Aber dann standen sie eben um viertel nach acht immer noch im Loungebereich.“ „O-kej“ „Deswegen bin ich dann granatenmäßig ausgeflippt und habe zum Reinhold Depp gesagt.“ „O-kej.“ Und so weiter. Das „O-kej“ wird dabei auch neu betont, ganz anders als das knappe, alte „Okay!“ aus dem Beispiel oben. Wenn es derart als modischer Gesprächseinschub dient, wird es künstlich weich und irgendwie gönnerhaft ausgesprochen, ganz so, als ob man damit eigentlich sagen möchte: „Soweit kann ich dir noch folgen, aber bitte strapaziere meine Geduld nicht über.“ Ich finde, das schafft eine seltsame Atmosphäre, es ist, als würde einem der Gesprächspartner zwar gerade noch mit dem Auto hinterherfahren, aber es könnte jederzeit sein, dass man alleine im Dunkel seiner eigenen Erzählung steht. Ja mehr noch, das „O-kej.“ tut so, als würde man fortlaufend über sehr komplexe und schwerverständliche Sachverhalte reden, deren Empfang der Zuhörer erst quittieren muss, damit es weitergeht. Zum anderen wird das „O-kej“ auch als Ausdruck des Unwillens neubenutzt, vermutlich weil es so distanziert und neutral klingt. „Weil der Reinhold gefeuert ist, dachte ich, vielleicht könntest du erstmal den Knochenjob mit den Katzenkäfigen übernehmen, ohne Bezahlung versteht sich.“- „Ach so, Oooo-kejiiii.“ Anders als es geschrieben vermuten lässt, ist bei dieser Antwort keinerlei Zustimmung enthalten. Stattdessen ist sie so akzentuiert, dass das ehemalige „Geht klar!“-Wort wie ein langgezogenes „Ah, ich verstehe was du von mir willst, aber ich kann jetzt noch nicht gleich Nein sagen, sondern empfange nur mal formell deine unverschämte Anfrage.“ wirkt. Je länger das O dabei gezogen wird, desto größer die Vorbehalte, je länger das i am Schluß, desto verzweifelter die Suche nach Lösungen, wie sich die Sache noch umbiegen ließe. Zwischen diesen beiden neuen Hauptfunktionen erfährt das „O-kej.“ täglich neue Bedeutungen. Man hört es über Speisekarten gebeugt oder als Begrüßung unerwarteter Gäste, es ist zweifelhaftes Lob nach Kleinkunstdarbietungen und manche sagen es heute auch einfach nur zu sich, wenn der Bus an der Haltestelle einfährt.

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