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„Typisch Mann!“

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Mit diesem Satz betreten wir eine schiefe Ebene. Oben stehen Frauen, die ihn aussprechen. Unten stehe ich, dem der Satz an den Kopf klatscht. Übrigens rufen Frauen, wenn sie mehrfach vorhanden sind, noch lieber nur „Männer!“ und ergehen sich danach in einem solidarischen Schnauben, wie man es eigentlich von Pferden kennt. Dieses schwesterliche Schnauben ist dann die kürzeste Form rhetorischer Verständigung – über die Unmöglichkeit von Männern im Allgemeinen und von diesem hier im Besonderen.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

„Typisch Mann!“ ist immer eine Zurechtweisung, es wird nie in bewundernder Form benutzt. Wenn ich einen Baum gefällt oder einen verheerenden Altstadtbrand mit eigenen Händen gelöscht habe, höre ich es nie. Stattdessen erreicht es mich stets als mahnender Hinweis dafür, dass ich etwas nicht ausreichend würdige, mir etwas nicht auffällt oder ich es durch jungsspezifisches Verhalten gerade zerstört habe. Als Klassiker darf dabei das Zusammentreffen mit jungen Tieren gleich welcher Gattung gelten. Sie versetzen anwesende Damen stets in einen Zustand quiekender und streichelnder Verzückung, während ich routiniert dazu anmerke, dass mir das Tierchen in Begleitung von Knödeln und Blaukraut noch lieber wäre. Die Wahrscheinlichkeit, dass darauf in den nächsten fünf Sekunden der Hauptsatz im Duett mit verdrehten Augen zu erleben ist, liegt bei nahezu hundert Prozent und ich genieße diese Erfolge sehr. Erstaunlich ist, dass auch Frauen den Satz benutzen, die sonst jegliche Geschlechtsverwandtschaft mit Gaby Köster und Anke Engelke, den Vestalinnen des „Männer!“-Schnaubens, abstreiten würden. Selbst Leuchttürme aus Geist und Intellekt äußern die Vermutung, dass ich die herzförmige Sternformation am Nachthimmel oder das zarte Rauschen des Waldes nur wegen meines profanen Mannseins nicht wahrnehme. Sie werfen mir ernsthaft enttäuscht mein Geschlecht vor und meinen mangelhaften Versuch, es wenigstens einmal zu vertuschen. So ähnlich muss es Linkshändern in Militärakademien vor zweihundert Jahren ergangen sein. Dabei höre ich Waldrauschen einfach schlecht. Das ist so ein Hörschaden, der bei uns in der Familie seit Generationen weitervererbt wird. Natürlich nur in der männlichen Linie.

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