Ab in den Boxring ! Die R&B- und HipHop-Kolumne mit Hanna

Die Musikkolumne für alles, was zwischen Eastcoast und Aggro Berlin herumflowt. Hanna hält einmal im Monat für uns das Ohr an die Straße. Heute mit u.a. Kidz In The Hall, Olli Banjo, 9th Wonder & Buckshot und Alpa Gun.
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Illustration: Julia Schubert

Kidz In The Hall – The In Crowd Starten wir heute mit zwei jungen Männern, die nicht nur musikalisch auf der gleichen Schiene wie The Cool Kids fahren, sondern auch gleich Namensvetter zu sein scheinen: Kidz In The Hall nennt sich das Backpacker-Duo bestehend aus Double-O (Produzent) und Naledge (Emcee), zwei Elitestudenten aus New Jersey. Kennengelernt haben sich die beiden auf dem Uni-Campus, daraus entwickelt hat sich das Debüt „School Was My Hustle“ auf dem legendären Kultlabel Rawkus - ein Underground-Tipp. Doch können die Hipster-Rapper nach dem Labelwechsel zu dem ebenfalls legendären Duck Down Records auch in diesem Jahr überzeugen? Ich bin nicht ganz sicher, auf der einen Seite haben wir hervorragend scheppernde Beats und lauter kleiner Ohrwürmer, die im Kopf herumschwirren. Es ist eine Mischung aus Studentenrap und Newschool mit einem Hauch der Neunziger. Doch nicht nur die Beats hören sich bald alle gleich an, auch Naledge Raps erinnern viel zu oft an sein Idol Lupe Fiasco. Auf der anderen, deutlich erfreulicheren Seite gibt es Features von z.B. Masta Ace, Phonte (Little Brother), Black Milk, Guilty Simpson und sogar Buckshot, die, um es geradeheraus zu sagen, den Jungs einfach die Show stehlen. Seht hier das Video zu „Driving Down The Block“, eine Kopie des „The Cool Kids“-Sounds?

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Illustration: Julia Schubert

9th Wonder & Buckshot – The Formula Wir bleiben bei Duck Down Records und kommenzu einer Platte, die euch die Klamotten vom Leib reißen wird. Denn Produzentenwunder 9th Wonder und MC-Legende Buckshot haben sich erneut zusammen getan und mit „The Formula“ da weitergemacht, wo sie 2005 mit „Chemistry“ aufgehört haben. 9th Wonder hat die verstaubten Platten aus der hintersten Ecke seiner Plattensammlung hervorgeholt und mal wieder herrlich frische Boom Bap-Beats mit alten Soulsamples auf die Scheibe gezaubert. Das Resultat ist dabei aber kein verstaubter und aus der Mode gekommener Sound, sondern eine saftig-frische und entspannte Klangkonstellation. Auf diese perfektgeformte Scheibe kommt dann noch 9th Wonders kongenialer Partner Buckshot, der hier seine vielleicht bisher beste MC-Leistung präsentiert. Denn mit 9th Wonders herrlichen Beats im Rücken, läuft der kleine 1,60m-Mann zu Höchstleistungen auf.

Natürlich hat das alles auch ein wenig mit Nostalgie zu tun. Denn, dass sich „The Formula“ mühelos in die Reihe der 90er Jahre einreiht, ist nicht zu überhören. Buckshots laid-back Flow und die wunderbaren smoothen Beats von 9th Wonder sind aber mehr als „nur“ Old-School. Denn die Platte erzeugt diese Magie des 90er-Jahre Hip-Hop. Damn, am liebsten würde ich jetzt gleich eine Block Party schmeißen. Nicht zu vergessen, sind auch die grandiosen Features auf „The Formula“. Ein ganz besonderes Häppchen gibt es hier in „Hold It Down“ zusammen mit dem legendären Talib Kweli und Tyler Woods:

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Illustration: Julia Schubert

Olli Banjo – Sparring 3 Das Konzept dürfte jedem klar sein: Banjo gegen den Rest der Welt. Na gut, ganz so weit kann man es nicht umschreiben. Bleiben wir bei Germanys Finest. In diesem Jahr, man mag es kaum glauben, geht es schon in die dritte Runde für Ollis „Sparring“-Reihe. Und das Beste: es wird von Mal zu Mal besser. Der Junge flowt über die Beats als ob es keinen Morgen gäbe und ist, um bei der Wahrheit zu bleiben, solo einfach am Besten. Songs wie „Kids“, „Graffiti & Rap“ oder auch „Luke Skywalker“ sind Hörgenüsse auf höchstem Niveau, wie man es nur selten im Deutschrap empfindet. Man kann also ohne Umschweife und Übertreibung sagen, dass Olli derzeit definitiv zu den wohl besten Rappern in Deutschland zählt. Word up! Seht hier Olli Banjo und Planet Asia im Studio:

In den Boxring steigt Banjo aber natürlich auch und es erwarten den Hörer Battle-Raps mit u.a. Planet Asia, Kool Savas, K.I.Z., Maeckes & Plan B, Curse, Mädness und Retrogott (Huss & Hodn). Mit Lisi präsentiert Olli in „Nur Für Euch“ endlich mal einen repräsentativen weiblichen MC und auch Jonesmann kann in „Viel zu Klärn“ seinen Ausrutscher auf Franky Kubricks Album wieder wett machen. Kurz: es bleibt heiß auf Olli Banjos „Sparring“-Reihe. Doch genug - lehnt euch einfach zurück und genießt für einen kurzen Moment einen Rückblick auf die Sparring-Trilogie: Sparring 1 – „Nashorn“:

Sparring 2 – „Königsklasse“ :

Sparring 3 – “Denkmal”:

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Illustration: Julia Schubert
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Illustration: Julia Schubert

Alpa Gun – Aufstand auf den billigen Plätzen Fard – Omerta Naja, naja, ich weiß ja nicht so recht. Irgendwie geht mir die Platte nicht richtig in den Kopf. „Alpa Gun ist der Tollste, Alpa Gun ist der Beste, Alpa Gun ist der Coolste“...blablabla, Junge, es reicht, wir wissen es jetzt! Viel Poserei und Kritik an der Politik gibt es, aber irgendwie kommt der Alpa nie so richtig auf den Punkt. Auch die Unterschicht spricht er an und versucht damit sein sozialkritisches Bewusstsein an den Hörer zu bringen, aber irgendwie soll es mit uns beiden nicht sein. Das ist mir dann doch zu viel Ghetto-Gangster-Poser-Gehabe mit „Altaaa“-Sprüchen. Ein paar Songs kicken dann aber doch ganz gut, hier das Snippet zu „Aufstand auf den billigen Plätzen“:

Wir bleiben bei einem richtig harten Gangster und kommen zu Fard. Hier lassen schon Titel wie „Multikriminell“, „Zeig etwas Respekt“ oder „In dein G Sicht“ erahnen, was einem auf dem Album erwartet. Und, yap, man wird nicht enttäuscht. Gangster-Gepose und Straßen-Getue produziert in einem wahrscheinlich klimatisierten Studio mit Gucci-Sesseln, falls es die gibt. Manchmal aber ist Fard dann doch ziemlich unterhaltsam, auch wenn seine Rapskills nicht unbedingt zu den besten zählen. Amüsante Lines wie „Du zahlst 10 Euro in dem Club für Technoscheiß? Ich zahl 2 Euro für Döner plus Cola – das ist Ghettopreis“ bringen den benötigten Schwung auf „Omerta“. Not bad, aber auch nicht wirklich ein Muss. „60 Terrorbars 3“:

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Illustration: Julia Schubert

Cee-Rock “The Fury” – Bringin’ Da Yowzah! Für diejenigen, die Cee-Rock „The Fury“ noch nicht kennen: Er ist Rapper aus Queens / New York und einer der wenigen, der auf seinen Alben ohne Fluchereien auskommt. Im Underground hat er bereits einiges erreicht, nun steht er mit seinem offiziellem Debütalbum „Bringin’ da Yowzah!“ vor unserer Tür. Kommen wir zur Musik. Es ist der 80er-Classic Sound auf den man hier trifft, mit jazzigen, starken Basssamples, schnellen Hi-Hats, Loops und Breaks. Cee-Rocks Flow erinnert, ohne jetzt die Messlatte zu hoch zu setzen, manchmal an RUN DMC und präsentiert sich in einem straighten New Yorker Rapstil. Manchmal ist alles ein bisschen zu laut und zu unruhig, aber durchaus nicht schlecht. Für Leute, die mal nicht das Gangstergetue hören wollen und auf Old-School stehen, macht die Platte auf jeden Fall Sinn. Hier gibt es eine Kostprobe von „Kill Da Killin“:

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Alltime-Classic Wo wir gerade bei RUN DMC sind, gibt es heute zum Abschluss noch eine kleine Hommage an die legendären RUN DMC. Rest in Peace Jam Master Jay! It’s Like That:

It’s Tricky:

Walk This Way:

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