Die R&B- und HipHop-Kolumne mit Hanna. Heute: Cajus, Black Market, The Game, Stress und Blaze

Die Musikkolumne für alles, was zwischen Eastcoast und Aggro Berlin herumflowt. Hanna hält einmal im Monat für uns das Ohr an die Straße.
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Free-Downloads: Das voraussichtlich letzte Album von Manuellsen, „Geschichten die das Leben schreibt“ ist da und kann ab sofort hier legal und kostenlos heruntergeladen werden. Auch von The Cool Kids gibt es was Neues. „Stupid“ nennt sich das gratis Mixtape der coolen Jungs, das ihr downloaden könnt. ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

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Illustration: Julia Schubert

Cajus – Planet Cajun Aller guten Dinge sind vier. Allem Anschein nach denken das zumindest die Mitglieder von Blumentopf. Denn in diesem Jahr gibt es gleich vier Soloprojekte der Münchner Band. Nach Sepalots Produzentenmeisterwerk „Red Handed“ und Rogers smoothen „Alles Roger“ ist nun der Dritte im Bunde an der Reihe. Cajus, die futuristische Blume der Töpfe, nimmt uns mit auf seinen Planet Cajun. Schön ist es da! Blinkende, fröhliche Farben, lachende Menschen und aus den vorbeidüsenden Shuttles dringt ein Sound in den Astronautenanzug, wie man ihn auf der Erde noch nicht gehört hat. Technoider Elektrofunk, Synthieflächen so groß wie der Atlantik und vorantreibende Raps, die mal ernst, nachdenklich und ironisch sind, zerschmelzen bei hohen Temperatur in einen innovativen Sound. Kein Wunder also, dass Cajus mit seinem Soloshuttle in Lichtgeschwindigkeit Richtung Erde düst, um hier endlich mal die Luft zum Brennen zu bringen. Klimawandel hin oder her, Cajus hat ja immerhin schon mal für das Hoch Axel gesorgt. Planet Cajun:

Für den Großteil der Cajunschen Uptempo-Produktionen sind übrigens Cajus und Bubu Stylez verantwortlich. Auf www.planetcajun.com gibt es ein schönes Produktionstagebuch zum ansehen. Das Ding:

Münchner aufgepasst: Am 12.09.2008 feiert Cajus im Club „Die Registratur" die „Planet Cajun – Plattentaufe“. +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

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Illustration: Julia Schubert

Black Market – Evolution Ein neuer Maßstab für deepen Rap? Und das auch noch aus dem Ruhrpott? Wir wissen schon länger, dass guter Rap nicht unbedingt aus Berlin kommen muss. Genau das beweisen die Duisburger Supreme und Dextra, auch bekannt als Black Market. Denn sie spielen das Gangster-Rap-Spiel einfach nicht mit. Es ist ein altes Prinzip, das mit „Evolution“ wiederbelebt wird. Ein MC und ein DJ, das klassische Rap-Duo, gehen auf Erkundungstour durch die Stadt und bieten tiefgehendes Storytelling, soulige Vocalpitches, eingängigen Chorus und zu meiner Freude auch vermehrt Scratches. MC Supreme fesselt den Hörer ab der ersten Minute mit authentischen Reimen und DJ Dextra baut drum rum schöne warme Beats, mit denen man in die Zeit zurückschwebt, in der man sich in den Hip Hop verliebt hat. Natürlich ist das alles nicht zeitgenössisch, sondern hat viel mit Nostalgie zu tun. Doch gerade deshalb ist „Evolution“ so gut. Ladies and Gentlemen:

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Illustration: Julia Schubert

The Game – L.A.X. Viel Trubel gab es über diesen Mann. Oder soll ich lieber Gangster schreiben? Zwei Monate Knast, 150 Sozialstunden und drei Jahre Bewährung. Grund: er soll einen Menschen mit einer Waffe bedroht haben. Davor trudelte die Schlagzeile ein, dass er angeblich einen Nervenzusammenbruch erlitten habe und keine Lust mehr aufs Leben verspüre. Nur bloße Medienübertreibung oder tatsächlich eine akute Lebenskrise? The Game ist wahrscheinlich der Einzige, der das wirklich weiß. Sein Album hört sich zumindest nicht unbedingt nach einem fröhlichen Menschen an. Doch, wann haben wir The Game schon mal fröhlich erlebt? Mit viel Wut und Traurigkeit rappt das Blood-Mitglied über den täglichen Struggle auf der Straße und seinen Weg zum Ruhm. Für alle, die es bisher nicht wussten: Kalifornien ist kein Staat sondern eine Armee. Und dieses ganze „gang banger shit“ zwischen Bloods und Crips ist kein Spiel, sondern Realität. Im fast gleichen Atemzug rappt The Game über sein Geld, seine Autos und was er sich sonst noch alles leisten kann. Inhaltlich gibt es also wirklich nichts Neues. Mit Hilfe von Nas gibt es eine erfreuliche Ausnahme: „Letter to the king“ – ein Song über Martin Luther King, mit ruhigem Beat von Hi-Tek, einem wunderbar eingesetzten Sample von „Memoirs of the Traveler“ (The Jaggers) und nachdenklichen Raps von beiden MCs. Letter to the king:

Echtes Westcoast-Feeling kommt hingegen beim Hören von „State of emergency“ auf. The Game hat sich (leider) nur für den Chorus Ice Cube mit ins Boot geholt. Es geht einfach nicht anders: hier schwelgt man in N.W.A. –Erinnerungen. Einen netten Player, um in das Album rein zuhören gibt es hier. Für Fans von Westcoast-Musik und bisherigen Platten von The Game ist L.A.X. natürlich weiterzuempfehlen. Die buntgemischten Features bieten viel Abwechslung, doch eine Neuerfindung von The Games Gangster-Konzept ist es nicht. +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Stress – Stress Nur selten schafft es französischsprachiger Rap zu uns nach Deutschland. In diesem Fall kommt die Musik aus unserem Nachbarland, der Schweiz und sorgt für reichlich poppige Songs, die wahrscheinlich nicht jeden Geschmack treffen. Was Stress uns hier auftischt, ist keine harte Kost. Eingängige Hooklines mit dickem Beat findet man genauso häufig wie soullastige Songs. Zwar geht es auch mal mit „Mais Où?“ in eine politisch motivierte Richtung, doch zum größten Teil gibt es leichte Melodien mit ich-bezogenen Texten. Eine entspannte Abwechslung zum Deutschrap. Tu Me Manques ft. Xavier Naidoo:

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Illustration: Julia Schubert

Blaze – Schocktherapie Mit sehr lockerem Flow und coolen Beats behandelt Blaze seine Patienten mit der Schocktherapie. Es macht einfach Spaß dem Frankfurter Rapper zuzuhören, wenn er sekundenschnell zwischen deutschen und amerikanischen Reimen wechselt und mit Leichtigkeit verschiedene Stilrichtungen aus dem Basecap zaubert. Als Sohn eines US-Soldaten erlebte er seine Kindheit teils auf einer Army-Base in Deutschland und teils in Miami. Die amerikanischen HipHop-Einflüsse sind hier also nicht wegzudenken. Seine Musik lebt von klassischen Ami-Beats und der Versiertheit des US-Rapstils. Gleichzeitig greift Blaze deutschlandrelevante Themen auf und rappt natürlich auch hauptsächlich auf Deutsch. Charmant und inhaltlich auf hohem Niveau schafft Blaze die Mischung aus lockeren Clubbanger („Christina“, „Against The Wall“), Reim-Manifesten („Hand auf Herz“, „Moderne Frau“), Radiohits („Mach Money“) und ernsten sozialbewussten Tracks („Kein Einzelfall“, „Horizont“). Das Gefühl, wenn Blaze mit seiner Schocktherapie fertig ist? Als ob man eine Fahrt in einem tiefer gelegten Lowrider hinter sich hätte. Die Sonne lacht auf einen herab, die Beats pumpen aus den Lautsprechern und man fährt gemütlich durch die Stadt. Nur eben in Frankfurt und nicht im Ami-Land. Christina:

Ein Snippet vom Album gibt es auf Blaze MySpace-Seite zu hören unter: http://www.myspace.com/blaze069 +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Alltime Classic: Dr. Dre Feat. Snoop Dogg: Nothing But A G Thang

Dieses Video ist Andre Romelle Young Jr. gewidmet, dem 20-jährigen Sohn von Rapper und Produzent Dr.Dre, der am vergangenen Samstag tot zuhause in Kalifornien aufgefunden wurde.

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