Jetzt auch mit einem Alltime-Classic! Die R&B- und HipHop-Kolumne mit Hanna

Die Musikkolumne für alles, was zwischen Eastcoast und Aggro Berlin herumflowt. Heute mit Braille, Franky Kubrick, Maeckes und Celina
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Braille – The IV Edition

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Illustration: Julia Schubert

Er hat nicht nur einen außergewöhnlichen Reim-Flow, sondern ist auch persönlich ein sehr sympathischer, wenn auch etwas verrückter Kerl. Es ist noch nicht lange her, da führte ich mit Braille und seinem Reimkumpel Theory Hazit ein Interview. Theory, der etwas Ruhigere, sagte nicht viel, doch Braille redete ununterbrochen, machte Witze und freute sich riesig auf seinen Auftritt. Der war dann auch eine halbe Stunde später in der Aula einer Gesamtschule. Ganz gechillt liefen die beiden durch das Schulgebäude, scheuten keinen Kontakt mit den Schülern und hatten trotz der gerade mal einer Handvoll Zuschauer riesigen Spaß. Der Auftritt von Braille war rockig mit düsteren Beats, tollen Reimen und viel Humor. Braille selbst sprang von links nach rechts und durch das Publikum und zeigte keinerlei Ermüdungszeichen. Ganz genauso klingt auch „IV“. Rockig und stimmungsgeladen mit viel Power und vor allem einem Braille, der ganz nah bei seinen Fans zu sein scheint. Ein Must-Have für Hip-Hop-Köpfe, denn was man am Ende in den Händen hält, fühlt sich nicht wie ein Produkt, sondern wie Kunst an.

Übrigens: auf der Platte sind außerdem Beats von deutschen Produzenten wie z.B. von Mr. Mar (Stieber Twins) und Shuko zu hören. Amüsant sind auch die Entstehungsgeschichte zu den Songs, die man im Booklet nachlesen kann. ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Maeckes & Celina – Kunst über Vernunft

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Illustration: Julia Schubert

Wir bleiben bei der Kunst und kommen nun zu einem Projekt, wo die Kunst über der Vernunft zu stehen scheint. Denn wenn sich ein frisch getrenntes Paar entscheidet, die Beziehung und Trennung auf eine Scheibe zu bannen und diese noch öffentlich zu machen, kann wohl keineswegs von Vernunft die Rede sein. Doch Maeckes, die eine Hälfte von „Maeckes und Plan B“, und Celina, die letztes Jahr ihr Debütalbum „Das Original“ herausgebracht hat, haben genau das gemacht. Herausgekommen ist dabei ein gefühlvolles und ehrliches Album, dass sich deutlich von den regulären Hip-Hop-Platten abhebt. Damit ist nicht nur die Thematik, sondern auch die Instrumentierung gemeint. Denn die Beats, die fast alle von Maeckes selbst produziert wurden, gehen mit pianolastigen Melodien über den gewohnten Hip-Hop-Sound hinaus. Es ist eine Momentaufnahme der beiden Künstler und trotzdem zeigt es über deren Situation hinaus. Auch auf den „harten Kerl“, der sonst so gerne im Hip Hop repräsentiert wird, verzichtet man völlig und lernt Maeckes von seiner verletzlichen Seite kennen. Gesungen und gerappt wird ebenfalls makellos. Bleibt nur die Frage: wozu das alles? Nach dem Hören weiß man es: einfach mal weniger denken und auf die Musik einlassen. Hier gibt es die erste Strophe von „Schade, Arschloch“ zu hören. Außerdem: Maeckes und Plan B werden im Mai zusammen mit Tua und Kaas auf Tour gehen. ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Estelle – Shine

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Illustration: Julia Schubert

Estelle, wer? Genau das habe ich gedacht, als ich zum ersten Mal den Promotext vorliegen hatte. Bis dato habe ich nämlich noch nichts von der jungen Londonerin gehört. Doch der Promotext verspricht „eine außergewöhnliche Stimme mit viel Soul“. Na gut, denke ich, reinhören schadet ja nicht. Und was soll ich sagen: Estelle gefällt und „Shine“ ebenso. Es wird gerappt, gesungen, geschrieben und produziert und das alles sogar von Estelle selbst. Hilfe bekommt sie trotzdem, was auch kein Wunder ist, wo „Shine“ doch die erste Veröffentlichung auf John Legends Label Homeschool-Records ist. Die Liste ist lang, ich versuche mich kurz zu fassen: Features mit z.B. Kanye West, John Legend, Cee-Lo, Craig Killman sowie Beats von u.a. Will.I.Am, Swizz Beatz und Mark Ronson. Überzeugen kann Estelle aber auch alleine, denn ob man es glaubt oder nicht, sie kann wirklich beides: singen und rappen! Hier die erste Single „American Boy“:

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Auf der nächsten Seite: Mariah Carey, Franky Kubrick und ein alter Favorit


Mariah – E=MC²

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Illustration: Julia Schubert

Es geht weiter mit einer Frau, die früher alles konnte, und heute nur noch ein Produkt der Medienindustrie zu sein scheint. Damals konnte sie sogar mit ihrer Fünf-Oktaven-Stimme das Glas zum zersplittern bringen. Heute reicht es nur noch für ein erotisch-angehauchtes „Touch My Body“:

Auch ich muss zugeben, dass ich das Video ziemlich lustig finde. Das neue Album „E=MC²“ ist ebenfalls sehr unterhaltsam. Aber alles ist gut durchdacht, jeder Ton ist geplant, alles sitzt perfekt und das Schlimmste: es gibt keine Emotionen. Es ist ein Plastiksound vom Fließband, lieblos zusammengesetzt, ohne Seele in der Musik. Verdammt, wieso macht sie das bloß? Denn ihre Stimme ist super. Ich schreibe jetzt gleich mal einen Brief an das Label mit der Überschrift „Lasst Mariah doch endlich wieder Musik machen“. Wer macht mit? ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Franky Kubrick - Dramaking

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Illustration: Julia Schubert

Franky Kubrick ist kein No-Name in der deutschen Rapszene. Mit seinem Debütalbum „Rücken zur Wand“ kreierte Franky bereits einen leisen Klassiker. Mit „Dramaking“ holt er nun zum zweiten großen Schlag aus. Nachdem er sich thematisch auf seinem Optik-Mixtape „Mein Moneyfest“ im Bling-Bling-Rap ausgetobt hat, kehrt er auf „Dramaking“ zu ernsten Themen zurück. Das Schicksal eines türkischen Mädchens, das sich aufgrund von verschiedenen Wertorientierungen von der Familie ablösen muss („Keiner weiß“) oder die Anti-Gewalt-Nummer „Was sie hörn wollen“ sind nur einige Themen, die Franky Kubrick anspricht. Inhaltlich herausragend ist aber sicherlich „Press rewind“, wo Franky die Geschichte eines Banküberfalls rückwärts erzählt. Einfach grandios:

Inhaltlich und Flow-technisch haut Kubrick ordentlich auf den Putz. Nicht ganz so toll sind „Nie wieder weg“ mit Olli Banjo, der hier deutlich unter seinem Niveau bleibt, und „Was Mann braucht“. Doch darüber kann man hinweg sehen. Denn enttäuschender sind die Beats, die irgendwie relativ unspektakulär daher kommen und sich nicht wie die Texte ins Gedächtnis fressen. Doch dafür lebt der Ohrwurm durch Franky Kubricks lyrische Stärke. ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ An dieser Stelle greife ich nun den Wunsch eines jetzt.de-Users auf und starte die „Alltime-Classic“-Serie. Heute mit “The Message” von Grandmaster Flash & The Furious Five. Enjoy!

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