Oh, mega! Die R&B- und HipHop-Kolumne mit Hanna

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Tja, nach dem Kräftemessen zwischen Kanye und Fiddy im vergangenen Monat hatten wir uns schon auf ein neues Battle in Sachen Verkaufsschlager gefreut. Doch Eve hat ihr eigentlich für Oktober angekündigtes Album "Here I Am" erneut verschoben. Nun steht Chamillitary Man mit seinem zweiten Album "Ultimate Victory" alleine da, - so scheint es. Doch ein kritischer Blick beweist, dass es da noch jemanden gibt. Sein Name ist Watts, Ohmega Watts:

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Milton Campbell, aka Ohmega Watts Es ist wie eine Zeitreise zurück zu den Tagen, als Jam Master Jay mehr als eine Erinnerung war und an den Straßenecken noch fleißig gebeatboxt wurde. Nicht, dass ich das selbst miterlebt hätte, aber den Film "Boyz N The Hood" hat ja jeder schon einmal gesehen. Eine Sammlung aus Funk (bei "Work For Wealth"), Jazz (bei "Gone With The Wind") und Soul vermischt mit harten Afrobeats (bei "The Platypus Strut") treffen auf puren Old School Rap aus Brooklyn. Ergebnis: Ohmega Watts versüßt uns mit seinem neuesten Werk "Watts Happening" den Tag. Wen es eher in den Süden zieht, der kann von Chamillionaires "Ultimate Victory" Gebrauch machen. Hier treffen klassische South-Beats auf intelligente Texte, der rote Faden ist Ridin’ Clean. Denn im Gegensatz zu anderen Rapkollegen verzichtet er auf Lyrics der Marke: „Ey, motherfuckin bitch don’t fuck with my nigga“. Auch sonst zeigt sich Cham von einer ganz anderen Seite, wie etwa mit einem Sample des 80er-Pop-Hits „The Final Countdown“. Beruhigend: dieser Ausritt in die 80er ist der einzige Fehltritt von ihm. Inhaltlich geht es hier um Probleme und Geschichten aus der HipHop-Industry. Sei es die Rolle eines Nachrichtensprechers ("Evening News") oder ein geniales Rollenspiel während eines Polizeiverhörs ("HipHop Police"), Chamillionaire bietet unterhaltsamen HipHop mit ernsten Statements. Kostprobe:

Als ernst kann man auch die neue Platte von Postman, dem Shootingstar aus den Niederlanden, bezeichnen. Auf „Green“ (nein, das ist keine Anspielung auf Cannabis) kombiniert er HipHop mit klassischem Songwriting und einer ordentlichen Menge Soul, Reggae und Jazz. Heraus kommt richtig guter Old School, der ohne weiteres auch aus Amerika stammen könnte.

Wer die Jazz - Old School – Schiene nicht verlassen will, aber lieber R&B bevorzugt, findet in Chrisette Micheles „I Am“ sein neues 24-Stunden-Album. Old-fashioned und ohne das übliche R&B-Drama beweist die junge Lady aus den USA, dass sie mehr kann, als Hooks für Nas ("Can’t Forget About You") und Jay-Z ("Lost One"") zu singen. Jazz und Soul verschmelzen auf "I Am" ebenso gut wie die Old School Beats mit Chrisettes Stimme. Anzusiedeln ist diese irgendwo zwischen Jill Scott, India.Arie und Erykah Badu. Neben HipHop-lastigen Tracks ("Be Ok") überzeugt Chrisette mit Balladen ("Always Forever") und, ja, es ist ein Frauenalbum! Hier das Video der Single „If I Have My Way“:

Weniger gefühlvoll, dafür aber umso mehr im Mainstream präsentiert sich Trey Songz auf seinem Zweitwerk "Trey Day". Sang er auf seinem Erstling noch träumerisch „all I got is a dollar and a dream“,- zwei Jahre später reicht es nur noch für „the seats is seashell the whip is sea blue“ (in "Wonder Woman").

Eher schlapp: der Trey Songz Ganz ehrlich, da zeigen Dieter Bohlens „Superstars“ ja schon mehr musikalische Weiterentwicklung. Einzige Lichtblicke sind das von Johnta Austin komponierte „Can’t Help But Wait“ und das von R.Kelly produziert und geschriebene „Grub On“. Nun zur R&B-Band Jagged Edge oder wie man auch sagen könnte: zur unendlichen Geschichte. Keine Ahnung, wie viele Alben diese Jungs schon auf den Markt gebracht haben, sie halten immer an ihren Wurzeln fest. Auch mit dem neuen Album „Baby Makin’ Project“ werden sie wieder ihrem Ruf gerecht, kurz gesagt: es geht um Ladies, Sex und Liebe mit groovende Beats, herzzerreißende Refrains und R&B at it’s best. Ein weiteres auf Frauen spezialisiertes Album ist Will.I.Ams „Songs About Girls“. Okay, dass der Gute auch endlich mal Solo-Luft schnuppern will, kann ich verstehen. Aber muss man deshalb gleich solche Lyrics aus dem Ärmel ziehen: „I like the way she's dancing / You're looking wonderful, I'm so lucky to be here dancing with you / I don't want nobody but you, babe”. Hallo? Uninspirierter und hirnloser geht es doch wohl kaum. Leider gibt es da noch 15 weitere Songs, die man mühelos als 08/15-Nummern abstempeln kann. Blackeyedpeas-Kollegin Fergie wird bei dem ganzen Gesang (ja, mehr Gesang, als Rap) und den überholten Klischees zwar mit Sicherheit “Fergalicious!“ rufen, doch bei mir: Daumen unten. Wer sich ein Bild machen will, hier das video zu "I got it from my Moma"

Facts: Ohmega Watts – Watts Happening – Label: Ubiquity Records - VÖ: 19.10. Chamillionaire – Ultimate Victory – Label: Universal – VÖ: 12.10. Postman – Green – Label: Social Lif / Groove Attak - VÖ: 12.10. Chrisette Michele – I Am – Label: Universal – VÖ: In Deutschland seit 01.10.erhältlich. Trey Songz – Trey Day – Label: Atlantic Records / Import - VÖ: 10.10. Jagged Edge – Baby Makin Project – Label: Universal – VÖ: 25.09. Will.I.Am – Songs About Girls – Label: Universal – VÖ: 28.09.

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