Oh, mega! Die R&B- und HipHop-Kolumne mit Hanna

Die Musikkolumne für alles, was zwischen Eastcoast und Aggro Berlin herumflowt. Hanna hält einmal im Monat für uns das Ohr an die Straße.
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Illustration: Julia Schubert

Yessir, the Wu-Tang Clan is back! Oder wie Method Man es in "Take It Back" formuliert: “Before you even had a name, you was screaming Wu-Tang!”. Mensch, Mensch, Mensch, da hauen die Herren mit "8 Diagrams" ja so richtig auf den Putz. RZAs Beats sind mal wieder off the hook: egal ob düsterer Bass, dumpfer Old-School-Sound, abgedrehte Samples oder einfach nur funkige Klänge,- das Ohr kann nicht mehr weghören. Besonders stark ist der Song "The Heart Gently Weeps" zusammen mit Erykah Badu, - hier hat RZA einen musikalischen Mantel aus Gitarrenklängen zusammengestrickt, einfach top! Unheimlich groovend wird es auch, wenn sich Method Man und Inspectah Deck mit Gesangstalent Gerald Austin vereinen (Stick Me For My Riches). Da bleibt einem förmlich die Spucke weg. Für "Take It Back" reicht ein Zitat von Ghostface Killah, um zu verdeutlichen, wie d dieser Song ist: “We like rebel niggaz powdered up wilding in the streets of Liberia / No matter the crime, I'm beating the case / If I'm a wrong, a chair hit a judge right in his face”. Muss man noch mehr sagen? Einziger Kritikpunkt: in den Lyrics steckt nicht mehr so viel Feuer wie früher. Doch die derzeitige Rapgeneration reimt der Wu-Tang noch immer in Grund und Boden. Hier eine exklusive Hörprobe vom neuen Album. +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Und es geht gleich weiter mit dem Wu-Tang, allerdings mit nur einem Clan-Mitglied. Denn mit "The Big Doe Rehab" veröffentlicht Ghostface Killah sein bereits viertes Soloalbum seit 2004. Was hier so schnell wie bei einer Fast Food Kette produziert wird, ist dennoch diese Art von Hip Hop, nach der der größte Teil der Rapgemeinde lechzt. Knallharte Reime, düstere Beats und ein Ghostface, der einfach alle Lyrics killt. Zwar übersamplet der Gute einige Songs etwas zu stark, doch reimen kann der Mann wie kein anderer. Klar, es wird über die Hood, Gewalt, Frauen, Sex und Geld geredet, aber Ghostface darf das. Denn im Gegensatz zu den heutigen Mainstream-MCs weist Killah noch eine ordentliche Portion street credibility auf. Mit dabei sind Raekwon, Method Man, Kid Capri, Sun God, Trife Da God, Cappadonna und Chrisette Michele. Greetz to the hood! Hier das Video zu Toney Sigel a.k.a. The Barrel Brothers featuring Beanie Sigel:

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Illustration: Julia Schubert

Nicht nur der neue Look, auch der neue Sound steht ihm gut. So hat er vor einigen Jahren noch schnulzige Herz-Schmerz-Lieder gesungen, um dann nach langer Pause mit einem Sample von David Bowies Let’s Dance zurückzukehren. Nein, Craig David ist nicht zur dunklen (Pop-)Seite übergetreten, sondern hat sich in Trust Me einfach mehr musikalischer Freiheiten bedient. Trotz der verschiedenen Soul, Funk, Jazz und Hip Hop – Einflüsse mit Gitarrenakustik, Scratches und Streichern und einer stimmlich sehr guten Leistung, gelingt Craig zwar ein überdurchschnittlich gutes R&B-Album, aber kein neuer Meilenstein in Sachen Klassiker. Dafür fehlen tiefere Tracks. +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Pssst … alle (Münchner) Rapfans aufgepasst: seit November steht das neue Mixtape Support Your Local Rap Act in den Läden. Das Projekt wurde ins Leben gerufen, um die Münchener Hip Hop Szene zu supporten und stärker miteinander zu vereinen. 22 junge Münchener-MCs sind darauf vertreten, unter anderem auch bekanntere Acts wie Main Concept, Creme Fresh oder Vier zu Eins. Der Sampler beweist, dass nicht Aggro Berlin oder Ersguterjunge draufstehen muss, um dope zu sein. Mehr Infos gibt es unter: www.hiphopmatters.de Hier gibt es einen Snippet zum Download. +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Da es auf der nächsten Seite eher um deutschen „Ich bin Gangster und ich disse dich-“-Rap geht, möchte ich die Herren von Texta gerne hier vorstellen. Denn die österreichische Rapformation bestehend aus Flip (Produzent/MC), Huckey (MC), Laima (MC), Skero (MC) und DJ Dandaman (DJ) bietet Kontrast zum Gangsterrap. Mit politischem Material (Weltpolizist), manchmal auch sozial- und selbstkritischem Humor (Jugend Ohne Kopf, Greatest Story) und persönlichen Einblicken ins Älterwerden (Ups & Downs) stehen Texta für inhaltsreichen, erwachsenen Hip Hop, der ganz anders ist, als der sonst so harte Deutschrap. Wie etwa in "Pause Für Rebellen", einer Hommage an Old-School-Veteran Public Enemy, in dem das gleiche Sample des Enemy Hits Rebel without a Pause verwendet wird. Hier drehen Texta die Message auf den Kopf und fragen sich, wo die Rebellen im Hip Hop geblieben sind. Es ist einfach unmöglich hier auf alle 18 Tracks einzugehen, aber eines ist sicher: Texta bieten dem Deutschrap eine ganz neue Richtung. So schaut's aus:

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Auf der nächsten Seite: Battle über Deutschland – Azad, Eko Fresh, Reno und Bushido


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Illustration: Julia Schubert

Eingefleischte Raphörer werden wohl vor Schreck vom Stuhl fallen. Don’t worry, ich spreche nicht vom ganzen Album, sondern nur von "Kämpfer". Denn, HILFE, hier wird ein Sample der Rockband ASIA als Refrain genutzt, natürlich aufgepimpt mit Stimme und Beat, aber Hip-Hop-like ist das trotzdem nicht, lieber Azad. Zum Glück werden auf "Blockschrift" aber auch andere Kaliber ausgefahren, wie zum Beispiel in "Zeit zu verstehen", zusammen mit Reggaestar Gentleman. Auch ist es immer wieder ein Genuss unserer Soulqueen Joy Denalane zu zuhören oder die Hook „Ich hol dich da raus, ich glaub an dich, so wie du an mich glaubst“ (Prison Beak Anthem) mitzugrölen. Doch irgendwas stimmt trotzdem nicht so ganz. Azad ist gut, die Beats sind gut, die Lyrics sind gut, aber das alles war schon einmal da. Nur diesmal ist alles noch einen Tick langsamer, ruhiger und langweiliger. Ein bisschen mehr von dem alten Gangster Azad (wie in TNT) und seinem Flow hätte ich mir dann doch gewünscht. Hier gibt es das Video zu "Zeit zu Verstehen":

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Da hat sich Eko Fresh die Messlatte ganz schön hochgelegt: erst betitelt er seine neue Platte "Ekaveli" mit dem fast identischen Namen des 2Pac-Klassikers "Makaveli" und dann nennt er sich in "Et kütt wie et kütt" auch noch der deutsche 2 Pac. Größenwahnsinnig geworden? Irgendwie ja und irgendwie nein. Mit Songs wie "Ring frei" (mit Bushido), "Et kütt wie et kütt", "Gefallene Soldaten" und "Ich bleib so wie ich bin", zeigt Eko nämlich durchaus, dass er rappen kann und auch Talent für gute Lyrics hat. Doch auf Texte im Stil von „Irgendwann hau ich dir in die Fresse“ oder „ihr Herz ist so ghetto“ kann man dann doch getrost verzichten. Beat-technisch trifft "Ekaveli", besser als ich gedacht hätte, den Westcoast-Style. Wer Eko hasst, wird eh wieder etwas an den Beats, seiner Stimme oder seinen Lyrics zu meckern haben. Reinhören, lohnt sich trotzdem! +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Schon lange nicht mehr hat mich ein neuer Longplayer so enttäuscht. Reno (früher bekannt als Ital Reno in der Rapkombo mit Germany) hat nämlich eigentlich alle Voraussetzungen für eine hervorragende Platte: er hat Talent, flowt mit seinem Rap über jeden Beat und verfügt über beeindruckende Storyteller-Skills. Doch auf "Zu schön um wahr zu sein" beschäftigt er sich lieber mit seinem Aussehen („Ich bin so schön, ich bleib auf keiner Party lang allein“), mit seinem Aussehen („Hier kommt der einzige gut aussehende Typ im Game“), ach ja, und mit seinem Aussehen („Der Schönste in diesem oft so hässlichen Hip Hop Ding“). Und diese drei Textauszüge sind wirklich von verschiedenen Songs. Einzige Überflieger sind "Geiseldrama", in dem sich Reno in einen mehr oder weniger unfreiwilligen Entführer versetzt und "Brief aus der Leere" und Renos Taten, wenn er nur noch "Einen Tag" zu leben hätte. Zu schön um wahr zu sein? Wohl eher nicht. +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

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Illustration: Julia Schubert

Vor allem Dank Chakuza, Summer Cem, D-Bo und Bushido kann man sagen: Danke, Ersguterjunge für diesen Sampler. Denn vor allem die drei Erstgenannten bringen auf Alles Gute kommt von unten den deutschen Hip Hop auf hohem Niveau zurück. An den ein oder anderen Stellen hakt es den Kerlen von Ersguterjunge an Kreativität (u.a. stimmlich schwache Leistung von Saad, monotone Beats, hirnlose Disstracks), doch die vier Retter bügeln alles wieder glatt. Sei es mit den grandiosen Solotracks von Chakuza (Eins zu Eins) und Summer Cem (Hör mir zu) oder mit der Kollabo von D-Bo und Kay One (Zeitmaschine), in diesen Fällen kommt alles Gute eben auch mal von unten. Gangster-Beat, teure Wagen, dunkles Ambiente und ein bisschen Ego hoch pushen? Viel Spaß:

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Facts: Wu-Tang Clan: 8 Diagrams VÖ: 07.12.2007 (Bodogmusic) Ghostface Killah: The Big Doe Rehab VÖ: 07.12.2007 (Universal) Craig David: Trust Me VÖ: 23.11.2007 (Warner) Support Your Local Rap Act: -- VÖ: 24.11.2007 Texta: Paroli (inkl. DVD) VÖ: 07.12.2007 (Groove Attack) Azad: Blockschrift VÖ: 07.12.2007 (Universa) Eko Fresh: Ekaveli VÖ: 23.11.2007 (Ersguterjunge) Reno: Zu schön um wahr zu sein VÖ: 30.11.2007 (Groove Attack) Ersguterjunge: Alles Gute kommt von unten VÖ: 07.12.2007 (Ersguterjunge)

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