Honorarkonsuln erzählen (XIII): Russland – deutsche Praktikanten gesucht!

In Folge XIII schildert Norbert Pfannstiel, der seit April 2007 Honorarkonsul im russischen Saratow ist, weshalb ein Russlanddeutscher seit Monaten nicht mit seinem schulpflichtigen Kind ausreisen kann – und warum an der Wolga deutsche Praktikanten gesucht werden.
bernd-klopfer

Pässe von zwei verschiedenen Staaten zu besitzen wird allgemein als Vorteil gesehen. Ich kenne jedoch einen Fall, da ist einem Russlanddeutschen genau das zum Verhängnis geworden. Denn dieser Herr ist mit seinem russischen Pass nach Russland gekommen. Prinzipiell kein Problem. Doch als er wieder zurück will, kann er nicht. Denn sein Pass ist abgelaufen. Ungültig. Genauso wie sein deutscher Ausweis.

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Illustration: Julia Schubert

Honorarkonsul Norbert Pfannstiel vor seinem Konsulat Bild: privat Der Mann sitzt jetzt seit mehreren Monaten hier in Saratow fest. Das Tragische dabei ist, dass er seinen schulpflichtigen Sohn mitgenommen hat. Komischerweise ist er erst nach zwei Monaten auf mich zugekommen. Doch ich kann auch nichts für ihn tun, denn ein Visum darf ich nicht ausstellen. Das ist Sache der Botschaft. Doch ein deutsches Visum bringt diesem Herrn in dem Fall gar nichts. Denn er ist mit seinem russischen Pass eingereist – also darf er auch nur mit seinem russischen Pass wieder ausreisen. Also ist für ihn die russische Botschaft in Deutschland zuständig. Das dauert natürlich länger. Wenn er jetzt mit seinem deutschen Pass die Grenze passiert hätte, wäre er wohl jetzt schon draußen. Und all das nur, weil er nicht auf das Datum geschaut hat. Er ist nämlich 1997 nach Deutschland gekommen und hat aufgrund seiner deutschen Abstammung die deutsche Staatsangehörigkeit bekommen. So ein Pass ist meines Wissens zehn Jahre gültig. Tja, und heuer ist er eben abgelaufen. Er ist wohl nicht auf die Idee gekommen, dass man einen Pass verlängern muss. Dieser Fall hat mittlerweile für Wirbel gesorgt, die deutsche Migrationsbehörde hat sich schon eingeschaltet. Der Mann und sein Sohn sind übrigens immer noch bei uns – allerdings hat das Warten jetzt bald ein Ende. In ein paar Tagen sollen die Papiere für die Ausreise da sein. Mich ärgert diese Sache aber, denn solche Probleme kann man vermeiden. Die Arbeit als Honorarkonsul macht mir aber trotzdem Spaß. In Saratow leben viele Wolgadeutsche. Viele wissen das nicht, aber wir gehören geografisch noch zu Europa. Unter Stalin war es verboten, Deutsch zu sprechen, aber heute blühen die Beziehungen mit Deutschland neu auf. Es sprechen mindestens so viele Leute fließend Deutsch wie Englisch. Da haben wir eine Pattsituation. Ich engagiere mich sehr für die wirtschaftlichen Beziehungen, bin viel auf Inforeisen. Da geht schon was ab. Deutsche Praktikanten werden hier zum Beispiel dringend gesucht. Bei allen Unternehmen hier vor Ort. Wer ein Praktikum sucht, kann sich hierbei gerne an mich persönlich wenden.

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Illustration: Julia Schubert

Die Brücke über die Wolga in Saratow Bild: privat Manche deutsche Studenten gehen bei der Jobsuche ziemlich ungewöhnliche Wege. Ich saß einmal mit Geschäftsfreunden in einem Restaurant in Saratow und am Nachbartisch waren deutsche Studenten. Die bekamen mit, dass wir Deutsch reden und boten an, uns zu helfen, die Stadt zu zeigen und als Praktikanten zu arbeiten. Wir fanden das ziemlich lustig. Und haben uns zunächst nicht zu erkennen gegeben. Ich habe dann gesagt: „Wir finden das sehr nett, aber ich kenne mich in Saratow schon aus – ich bin hier unter anderem der Honorarkonsul“. Da waren die natürlich überrascht. Ich fand es aber sehr gut, dass sie uns unterstützen wollten. Genau solche jungen Menschen brauchen wir.

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