Die Fernbeziehungskolumne. Heute: Befürchtungen, gemischt.

Wie Moritz das Reden einstellt, schweigend ein paar fremden Frauen hinterherschaut, sehr viele Horrorszenarien hat und am Ende gegen das dicke Raumschiff antreten muss.
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Zur allgemeinen Lage Natürlich habe ich auch Angst um meine Liebe, sie muss jetzt 660 km überstehen. Wenn man allein ist, hat man viel Zeit nachzudenken. Über die Liebe, klar. Aber auch über die ganzen nebensächlichen Sachen, die sich jetzt verändern. Seit Freitag ist Kathrin in Kufstein. Der Abschied war recht unspektakulär. Wir hatten beide etwas Kater vom Vorabend, und es kam mir so vor, als hätten wir uns den ganzen Vormittag bemüht, ein wenig motzig zu sein. Damit die letzten Momente nicht so dramatisch werden. Hat gut geklappt.

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Illustration: Julia Schubert

Der Abschied in seinen vier schmerzhaftesten Phasen Jetzt ist es Montag, 16 Uhr. Ich habe heute noch kein Wort gesprochen. Sogar im Supermarkt – wo ich mir erst einmal all die Sachen gekauft habe, die Kathrin nie im Kühlschrank haben wollte – habe ich zur Kassiererin weder „Hallo“ noch „Bitte“ oder „Danke“ gesagt. Einfach nur stumm meine Sachen auf das Rollband geladen, stumm alles eingepackt und am Ende einen Zwanziger hingehalten. Geduscht habe ich heute auch noch nicht. Ein paar aktuelle Horrorszenarien Ich werde dick, fett und eklig. Meine mangelnde Körperpflege habe ich oben schon angesprochen. Meine schlechte Ernährung noch nicht: Ich, der ich früher gut und gerne gekocht habe, esse zur Zeit: Gammeldöner. Für alleine macht mir Gemüseputzen keinen Spaß. Ich werde dünn wie eine Bohnenstange. Denn auf Gammeldöner werde ich spätestens nach dem nächsten „Report aus Mainz“ keinen Appetit mehr haben. Ergo: Ich esse gar nichts mehr. Kathrin wird dick und fett. Sie ist nicht gerade als größte Köchin unter dieser Sonne bekannt. Aber der durchaus schmackhafte Germknödel, den es im „Inncafé Hell“ in Kathrins Nachbarhaus gibt, kostet mit Butter und Mohn gerade mal drei Euro, wenn ich mich recht erinnere. Das Touristen-Menu aus der Friteuse gegenüber fünf Euro. Na, dann guten Appetit. Ich werde pervers. Heute auf dem Weg zum Supermarkt drei Frauen nachgeguckt. Bitte nicht weitersagen.

Wieder erlaubt: Im Stehen pinkeln Mein neuer Mitbewohner wird einen zuweilen seltsamen Klamottengeschmack haben und zu seltsamer Musik wie bescheuert durch die Wohnung hüpfen. Obwohl, das war die letzten drei Jahre eigentlich sehr schön so. Mein neuer Mitbewohner wird sexuell überdurchschnittlich aktiv und dabei sehr ausdauernd sein. Sehr, sehr hellhörig sind die Wände meiner neuen Wohnung schon heute. Ich werde kein Geld mehr haben. Zug fahren ist teuer, SMSe nach Österreich sind teuer, der Fleurop-Blumenservice ist teuer, Telefonieren ist teuer. Dummerweise ist mein persönliches Institut für Kleinkredite leider gerade nach Kufstein gezogen. Kathrin wird besser Skifahren als ich. Das wird zwar einige Übung erfordern, aber Zeit, Möglichkeit und Saisonkarte wird sie in Kufstein jetzt ja haben. Und ich, der einstmals tollste Tiefschneehecht, werde ihr hinterher schauen. Ich werde mich als „Stau-Agent“ bei einem der unerträglichen Regional-Radios anmelden. Und nach weiteren fünf Monaten auf der Autobahn zwischen München und Kufstein Spitzenkandidat der „Autofahrer- und Steuerzahlerpartei“ werden. Die sind aber auch in einem schlechten Zustand, die deutschen Autobahnen!

Reicht jetzt wieder: Eine Bettdecke, ein Türschild Wie es stattdessen wird In einem Jahr, beim Frühstück: Ich: „Haben wir denn noch Serrano-Schinken?“ Kathrin (tirolerisch): „Naa, der Schpeckch isch leider scho gaar.“ Ich: „Schade. Gehen wir heute Abend wieder in die „Gelangweilte-Schnösel-trinken-am-Tresen-Rotwein“-Bar?“ Kathrin: „Naa, heut` Abnt isch Diskoparty im Manhattan-Beach-Club. Da Toni schenchkt uns a Goaßa-Maß.“ Und ich werde mit der Zeit ein immer schlechterer Zuhörer sein. Das Problem ist, dass ich so verdammt Multi-Tasking-fähig bin. Oder das zumindest meine. Denn wenn während eines Telefonats ein Gameboy mit Tetris oder ein Computer mit Solitär zur Hand ist, dreht das typische Telefonat schnell in folgende Richtung: Kathrin: „Und, was meinst du jetzt dazu?“ Ich: „Öh, ja. Schon irgendwie.“ Kathrin: „Ja? Wieso denn bitte ja?“ Ich: „Äh, zu was noch mal?“ Kathrin: „Sag mal, was klickert die ganze Zeit da eigentlich so?“ Ich: „Klickern? Ich hör nichts. Muss an der Leitung liegen…“ Kathrin: „Spielst du wieder Tetris?“ Ich: „Nein, nein. – Pause – Ich: Boah, geil! Highscore! Jetzt kommt das große Raumschiff!“ Fotos und Text:

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