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Die Fernbeziehungskolumne. Heute: Die Sache zwischen Männern und Frauen

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Tja Na, wie soll ich das jetzt sagen? Ja, es gibt noch andere Frauen als Kathrin auf dieser Welt. Man trifft sie zwangsläufig, wenn man aus der Wohnung geht. Beim Einkaufen, in der Uni, in der Bahn und in der Bar. Und manchmal, da muss man auch mit ihnen reden, das lässt sich gar nicht vermeiden. Jetzt ist es ja nicht so, dass aus jedem dieser Gespräche gleich ein Abklopfen gemeinsamer Zukunftschancen wird. Aber manchmal wäre es nicht schlecht nach „Ja, bin auch gerade umgezogen… …Wohin? Südstadt… …Ach, mit so nem Wiener. Nettnett… …die neue Jeans Team? Ich glaube, die kommt am 1. Dezember raus… …Ja, in der Bibliothek stinkt es echt. Muss ne tote Katze sein.“ geschickt einzuflechten, dass man da noch jemanden 700 Kilometer weiter sitzen hat. Nur, um ganz sicher keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Und, um mit dem reinem Gewissen, seine Freundin nicht verleugnet zu haben, abends allein ins Bettchen gehen zu können. Freundin und Literaturstudentin Marie meint zwar: „Jetzt müsste am Besten mal so was richtig Dramatisches in der Kolumne passieren. Wie wäre es denn mit Seitensprüngen?“ Ich aber finde, dass die Dramatik besser nicht mit einem anderen Mädchen zu tun haben sollte.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Schlechte Zeiten für Fernbeziehungsjungs Den richtigen Zeitpunkt für die „Ich hab übrigens ne Freundin“-Info zu finden, ist auch gar nicht so einfach: Schlechte Variante No. 1: „Hi, ich bin der Moritz. Ich möchte mir zwar nur einen Kugelschreiber von dir leihen, aber auf die Gefahr hin, dass sich daraus ein längeres Gespräch und eventuelle Wiederholungen des selben zu späteren Gelegenheiten entwickeln, fühle ich mich verpflichtet, dir vorab mitteilen, dass ich eine Freundin habe. Sie heißt Kathrin und wohnt in Österreich. Hättest du vielleicht einen blauen Kugelschreiber? Mit schwarzen schmiere ich immer so.“ Schlechte Variante No. 2: „Zu mir? Nee. Erstens habe ich dir gerade wirklich nur von meiner Briefmarkensammlung erzählt und zweitens habe ich schon eine Kathrin.“ Gar nicht so schlechte Variante (sehr ausgefuchst): Nach fünf Minuten: „Hey, schöner Pulli! Den hat meine Freundin auch.“ (Natürlich gelogen.) Nun gibt es nicht nur andere Frauen, auch andere Männer. Sogar in Kufstein. Dort gibt es: a) Skilehrer (Gefährlich!) b) Studenten (Halbgefährlich) c) Barmänner (Halbgefährlich) d) Den romantischen Britpop-DJ (Ungefährlich, da Besitzer einer der beiden Fernbeziehungen in seinem Jahrgang, die ein Semester überlebt haben.) e) Snowboardlehrer (Gefährlich!) f) Durchtrainierte Kletterer (Gefährlich!) g) Bauern mit 500 Kühen im Stall (Gute Partien?) h) Touristen, abenteuerlustig (Ungefährlich, da meist über 60.)

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Kathrins Zukünftiger. Bitte nicht! Außerdem gibt es gerade "Sturm" in Österreich. Ganz junger Wein, noch wenig vergoren und deshalb sehr eingängig, ein natürlicher Alkopop sozusagen, enthemmend. Und somit ergibt sich unter Hinzufügung der gefährlichen Männer Kufsteins (a, e und f, vielleicht g) eine heikle Situation. Noch gefährlicher finde ich aber jene Männer in Kathrins Jahrgang, die ich selbst schon wegen ihres Namens heiraten würde: Rocco Ruf (Frauenschwarm). Ronny Regensburg (Cocktailmixer im Manhattan-Club). Womit sich von diesen komischen Namen super überleiten lässt zum nächsten komischen Namen: „Tscharlies Bier Bar“. Der zentrale Baggerplatz in Kufstein-City. Laut Stuckrad-Barre gibt es hier den besten Long Island Iced Tea der Welt. Ich vermute hingegen: Stuckrad-Barres Aufenthalt beim „Tscharlie“ ging eine grauenhafte Lesung voraus, und Stucki wäre jeder Agrar-Alkohol recht gewesen, um sich den Frust von der Seele zu saufen. Wenn Kathrin sich im „Tscharlie“ ihr Getränk selbst bestellt, brauche ich keine Angst zu haben, dass sie hier nur die Unschuld vom Lande mimt. Mimen braucht sie da nämlich nichts, sie ist es wirklich. Und am Ende dann stets ernsthaft überrascht, wenn der eine oder andere Herr seine Bemühungen um sie intensiviert. Aber das ist nicht schlimm so. Wäre es nicht so, hätte ich auch nie meine Zähne auseinander gekriegt, als wir uns kennen lernten. Außerdem: Muss Kathrin zurzeit viel lernen, Italienisch. „Sono Kathrin, habito a Kufstein in Tirolo“ kann sie schon fehlerfrei sagen. Und am Wochenende, da kommt sie zu mir. Damit ich in der Zwischenzeit nicht zu viele Frauen kennen lerne, halte ich mich gerade bevorzugt hier auf: - Antjes Fritjes. Lieblings-Pommesbude von Mitbewohner Thomas. - Internet. Ein/e anonyme/r Nachbar/in stellt seit kurzem das Netz „default“ ohne Passwort zur Verfügung.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Grüße - Friedenspark. Dort habe ich mir die perfekte Route für einen Sonntags-Spaziergang mit Kathrin überlegt: 1. Station: Der große Baum mit den Stinknüssen. 2. Station: Der abenteuerliche Abenteuer-Spielplatz rund um den bösen Bunker. 3. Station: Der Baldachin aus Ahornbäumen. Um in Ahornlaub zu baden 4. Station: Der verwunschene Weg zwischen den Fichten im Burggraben. Die Weinbrüder mit ihren Tetrapacks tragen eher noch zur Romantik bei, als sie zu zerstören. 5. Station: Die verlassenen Schrebergärten. Kastanien sammeln. 6. Station: Parkbank, Italienisch-Vokabeln abhören und Pickel ausdrücken. Quatsch, Knutschen, natürlich.

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