Die jetzt.de-Redaktion gesteht: So schmeckte unsere Kindheit

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Wenn ihr nicht esst wie die Kinder, werdet ihr nicht schmecken, was die Kinder geschmeckt haben: Essen ist eine schöne Erinnerung. Manchmal. Foto: luxuz::/Photocase ** Essen, das ich in meiner Kindheit geliebt habe: Kasperle Schokolade Es begann mit der Spielgruppe noch vor dem Kindergarten im zarten Alter von drei Jahren. Dort gab es meine später heißgeliebte „Kasperle Schokolade“ immer an Geburtstagen oder besonderen Festen. Dabei hat der Kasperle, diese lustige Handpuppe aus dem Puppentheater, uns Kindern immer die nach ihm benannte „Kasperle Schokolade“ überreicht. Das sind kleine, runde, an der Oberseite leicht nach oben gewellte Schokoplättchen, verziert mit winzigen Perlen. Auch als die Spielgruppenzeit schon lange vorbei war, habe ich meine Mutter immer wieder gezwungen, diese tolle Schokolade zu kaufen. Die konnte man schließlich immer essen: Zum Frühstück, zum Mittagessen oder einfach zwischendurch. Natürlich verschwand die „Kasperle Schokolade“ genauso schnell wieder – auf Törtchen, als Kuchenverzierung und pur in meinem Mund. Essen, das ich in meiner Kindheit gehasst habe: Rosenkohl Eines der Leibgerichte meiner Mutter, das zu meinem Leid oftmals den Weg auf unseren Tisch gefunden hat. Diese kleinen grünen Knäuel, die irgendwie einfach nur bäh geschmeckt haben. Dazu gab es meist eine helle Mehlsoße oder ähnliches. Allerdings muss ich gestehen, dass ich mich schon gar nicht mehr hundertprozentig an den Kohlgeschmack erinnern kann, so lange ist der letzte „Genuss“ schon her. sabrina-gundert Auf der nächsten Seite: Max Scharnigg und die Fleischpflanzerl. Das ist bayerisch für Klops und wie es schmeckt kannst du auf der nächsten Seite lesen.


Essen, das ich in meiner Kindheit geliebt habe: Fleischpflanzerl Bei uns gab es, ohne Angabe von Gründen, am Heiligabend immer Fleischpflanzerl. Das ist ja an und für sich schon ein Topgericht - wenn es heute irgendwo Fleischpflanzerl gibt, muss ich eines essen, selbst wenn ich danach einen Termin beim Zahnarzt habe, ich kann nicht anders. Und dabei gibt es wirklich sehr viele, sehr schlechte Pflanzerl, Bouletten, Frikadellen auf diesem Planeten. Die Daheim waren natürlich die besten, aber der Clou war eigentlich ein anderer. Am ersten Weihnachtsfeiertag, wenn die ganze Wohnung noch nach Baum und Geschenkpapier und Kerzen roch, war ich natürlich als Erster wach. Aufwachen in lauter neuen Spielsachen war schon gut, aber dann in die Küche schleichen und mit nackten Füßen auf dem kalten Küchenboden eines von den restlichen Fleischpflanzerln zu essen, das war das Größte! Essen, das ich in meiner Kindheit gehasst habe: Fruchtschnitten Einmal habe ich aus Versehen in eine Seife gebissen, aber das zählt nicht. Wirklich dauerhaft schlimm, waren die Fruchtschnitten, denen meine Mutter das Versprechen abnahm, „gute“ Nascherei zu sein. Auf langen Autofahrten hatte sie das grässliche Zeug immer zur Hand, wenn wir Kinder nach Süßem krähten: Dörrfrucht-Riegel, die aus einer dünnen Oblatenschicht bestanden, die erst kurz nach Papier schmeckte und dann vom schlimm aprikosigen Fruchtbatz abgelöst wurde. Jedes Mal biss ich aus Hunger hinein und schaffte nicht mehr als ein paar Brocken. Wie das schon nach Schneekoppe roch! Bah! max-scharnigg Auf der nächsten Seite: Dirk von Gehlen und das Kotzquadrat.
Essen, das ich in meiner Kindheit geliebt habe: Haribo Colorado Ein Hauch von Kokos ummantelt ein Stück Lakritz. Der Hauch ist aber genauso dick wie das Lakritz und schmeckt eher nach Gewerbegebiet als nach Karibik-Palme. Und trotzdem: Als Kind mochte ich diese Süßspeise von Hans Riegel aus Bonn sehr. Man findet sie in einer Art Compilation, die Haribo in einem roten Beutel herausgibt. Sie heißt Colorado und das ist vom gleichnamigen US-Bundesstaat genauso weit entfernt wie das Kokos vom geschmacklichen Gewerbegebiet. Und trotzdem: die Kokos-Lakritz-Mischung aus dem Bonbon-Beutel funktioniert für mich noch heute wie ein Zeitreise-Ticket. Abbeißen und losfahren – bevor die schwarz-weiße Mischung in meinem Magen angekommen ist, bin ich geschmacklich in die Kindheit zurückgekehrt. Essen, das ich in meiner Kindheit gehasst habe: Das Kotz-Quadrat Kinder sagen nicht kotzen. Kinder sagen brechen. Und wenn Kinder brechen sagen, dann fühlen sie sich dabei unwohl. Als ich Kind war, war das jedenfalls so. Und wenn ich brechen sagte, musste ich dabei immer an Ritter Sport Joghurt denken: eine quadratische Tafel, weiß mit blauer Aufschrift. So sah die bislang einzige Schokolade aus, die mich zum Kotzen brachte. Das war unschön und führte dazu, dass ich mich unwohl fühlte. So unwohl, dass ich dem Kotz-Quadrat nie mehr eine zweite Chance gab. dirk-vongehlen Peter Wagner bereitet auf der nächsten Seite ein Cordon Bleu zu.
Essen, das ich in meiner Kindheit geliebt habe: Cordon Bleu Das Cordon Bleu vereinte die beiden mir damals liebsten Weisen, Essen zuzubereiten. Zum einen futterte ich alles, was gut paniert und in Fett herausgebacken war. Ein Tag legte mir seine Güte zu Füßen, wenn mein Hauptmahl Herzoginkartoffeln an Calamari Fritti bereit hielt und als Beilage paniertes Gemüsepotpourri (ob Zucchinischeiben, Auberginenspalten oder Selleriebrocken, die Panade macht auch sie gefällig). Wenn ich zur Nachspeise noch in Fett gebackene fränkische Kirchweihküchle haben konnte, war ich sehr zufrieden und prall. Zum anderen besticht ein Cordon Bleu aber durch seine Sandwichigkeit: gekochter Schinken und Schweizer Käse, von beiden Seiten durch Kalb- oder Schweinefleisch behütet. Mich erfreuten Sandwiches von dem Moment an, von dem an ich toasten durfte, der Teleshop-Sandwichmaker war das Gerät meiner Kindheit. Ich produzierte ganze Klassensätze mit getoasteten Weißbrot-Dreiecken. Die Crossheit außen, die Saftigkeit innen, im Wesentlichen stelle ich mir gutes Essen noch heute so vor. Es sei allein darauf hingewiesen, dass rohes Schweinesteak in der kurzen Toastphase des Teleshop-Sandwichmakers nicht durch wird. Außerdem trägt es im Toaster auf. Essen, das ich in meiner Kindheit gehasst habe: Chinakohl Es gibt wenig Gemüse, für das ich weniger Verständnis aufbrachte als für Chinakohl (CK). Im ganzen Habitus stand der CK zur Zeit meines Kleinseins gleich neben dem Spargel: Schal, fahl, nah am Styropor. Der arme, offenbar viel zu schnell wachsende Kohl brachte kein Merkmal mit, das dringlich gewirkt hätte. Tomaten, Paprika: Die leuchteten und knackten und waren in der Lage, Kinderaugen mindestens aufmerksam zu machen. Noch heute ist mir der CK so einer, der würde, wenn er könnte am Rosenmontag in Köln schön seine Steuererklärung für’s Vorjahr machen. Das klingt ganz schön arm? Ist es auch. peter-wagner Dass auch rosarote Pampe durchaus zum Lieblingsessen taugt, liest du auf der nächsten Seite.
Essen, das ich in meiner Kindheit geliebt habe: Pampe Mein Lieblingsessen habe ich aus dem Mallorca-Urlaub mitgebracht: rosarote Pampe. Unsere ausgewanderten Bekannten machten ihren Kindern andauernd einen Brei aus Dosenthunfisch, Ketchup und Quark. Verrührt wurde er dann hübsch rosa, dazu gab’s Kartoffeln. Perfekt. So schön weich und auf dem Teller konnte man eine Riesen-Matsche machen. Wieder daheim habe ich das Rezept ständig nachgekocht. Ist heute noch meine Spezialität. Essen, das ich in meiner Kindheit gehasst habe: Milch Meine Mutter hat früher oft Milch direkt vom Bauern geholt. Diese Milch habe ich gehasst. „Iiiiiiih Kuhmilch“ hab ich da geschrien, „die stinkt und schmeckt nach Kuh!“ Ich fand wirklich, dass man bei derartiger Milch Kuhhaut und Kuhmist gleich mit trinkt. Außerdem bildet sie rasend schnell eine Haut. Fettarm, homogenisiert und pasteurisiert, also geschmacks- und geruchsfrei, so mochte ich meine Kaba-Milch. Ansonsten hatte ich eine brave Mutter, die nur das gekocht hat, was ich Fratz auch wirklich mochte. theresa-steinel

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