Die Hochzeitskolumne. Erste Folge: Eine Art Antrag

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Meinem Magen geht es ziemlich schlecht. Ich war gerade in einem Fischrestaurant. Ein Fischrestaurant, das seinen Namen sehr, sehr ernst nimmt, denn es gibt in diesem Lokal ausschließlich Fisch zu essen. Fischsuppe, Fischfrikadellen, Fischcarpaccio, Fischplatte für zwei mit Fisch als Beilage. Einziges Nicht-Fisch-Element war ein Viertel Zitrone. Auf jeden Fall ist das mit meinem Magen ungünstig, denn ich sitze am Ufer eines sehr hübschen italienischen Sees auf einer kleinen Mauer. Neben mir sitzt Johannes, mein Freund. Er sagt romantische Dinge, schon eine ganze Zeit lang. Ich bin nicht so gut im Multitasking, im Moment verdaue ich in erster Linie zwei Kilo Fisch. Deshalb höre ich nicht so genau hin. Ich denke vielmehr darüber nach, ob es auch so etwas wie ein Fleischrestaurant geben könnte, mir zumindest ist bisher noch keines untergekommen. Johannes redet weiter, scheint ihm tatsächlich wichtig zu sein. Nette Sachen sagt er, „schon so lange zusammen“ und „wunderschöne gemeinsame Zeit“. Jaja, ganz reizend, find ich auch, alles sehr schön. Können wir vielleicht gerade mal nicht reden und einfach nur hier sitzen? Dann sagt er: „Und deswegen wollte ich dich was fragen.“

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Illustration: Julia Schubert

Oh! Oh,oh,oh,ohje. Langsam, ganz langsam setzt sich in meinem Gehirn etwas zusammen. Johannes nestelt ein bisschen umständlich an seiner Hosentasche herum und zieht ein ziemlich hässliches Ding hervor, eine winzige rote Pappschachtel in Herzform. „Und da wollt ich halt fragen, ob, naja, also, ob wir vielleicht heiraten wollen?“ In meinem Kopf passieren jetzt viele Dinge gleichzeitig: Ha! Ein Antrag, und noch dazu an einem hübschen italienischen See, wie romantisch! Oh Gott, wie krass, was sag ich denn jetzt? Wir haben noch nicht mal zusammen gewohnt, und jetzt heiraten? Johannes ist, Entschuldigung, ein Freak, was Ordnungsdinge betrifft - kann ich mit jemandem leben, der die feuchte Duschmatte auf dem Badezimmerboden liegen lässt? Heiraten bedeutet ja auch Zusammenziehen, oder? Mist, hätte ich mir damals doch das Brautkleid von Viktor & Rolf bei H&M kaufen sollen. Ha! Ich werde mir das Kleid von Grace Kelly nachschneidern lassen! Krass. Ich kann dann also nie wieder mit einem anderen Mann Sex haben? Während ich all das denke, muss ich ja irgendwas sagen, damit keine zu große Pause entsteht. Weil ich aber noch nicht genau weiß, was, kommen Viertel- und Achtelsätze aus mir raus. „Ja, ach, hm, ist ja toll, ooooooh….“ - „Ja, das ist ja n´Ding, äh…“ Johannes ist ein bisschen irritiert jetzt. „Och, ähm, ja, also, warum nicht, hihi…oooh“, sage ich. „Also ja, dann, oder wie?“ fragt Johannes, ein bisschen verstört und ein bisschen verärgert und ein bisschen erleichtert. Ich stottere weiter. „Och ja klar, warum nicht, also…." „Willst du mal den Ring probieren? Ist ein Erbstück, der Verlobungsring von meiner Mutter“, sagt Johannes, um etwas Schwung in diese Konversation zu bringen. Seine Mutter hat offenbar schmälere Finger als ich, denn wir kriegen den dicken Klunker mit den vielen roten Steinen nicht über die dicke Mitte von meinem Ringfinger. Pah. Den hätte ich eh' nicht getragen, denke ich. „Den lassen wir zu Hause weiter machen“, sagt Johannes. Etwas beleidigt stecke ich den Ring wieder in die herzförmige Pappschachtel, aus der er ihn rausgeholt hat. „Die war nur für den Transport“, sagt er genervt, als er meinen Blick auf die Schachtel sieht. Wir gehen zum Auto und kichern die ganze Zeit leicht blöde. Besser gesagt, ich. Auf der Fahrt zum Hotel sagen wir abwechselnd Sachen wie „Krass!“ und “Wow!“ Auf der Terrasse unseres winzigen Hotels bestellen wir so lange Prosecco Aperol, bis der Kellner die Bar zumacht. Als ich im Bett liege und das Licht aus ist, fahren meine Gedanken Schneeexpress. Was bedeutet das jetzt? Mit Johannes bin ich seit über sechs Jahren zusammen. Inklusive Trennung und Wieder-Zusammenkommen. Klar hab ich manchmal daran gedacht, dass wir theoretisch vielleicht mal heiraten könnten. Theoretisch. Zumindest ist er ohne die leiseste Konkurrenz der erste Junge, bei dem ich mir das zumindest immer vorstellen konnte. Das ist jetzt die Praxis. Hurra, Hochzeit! Ich nehme stark an, dass ich vor dem Altar mindestens so grandios aussehen werde wie Sissi. Und meine Schleppe wird von mindestens acht in rosafarbenes Bonbonpapier gehüllten Mädchen getragen. Mit diesem Gedankenwirrwarr schlafe ich irgendwann erschöpft ein. Wahnsinnig anstrengend, so ein Heiratsantrag.

Text: theresa-selig - Illustration: Katharina Bitzl

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