Die Hochzeitskolumne. Heute: Ab ins Bootcamp, Bridezilla!

Theresa heiratet. Jede Woche ein bisschen mehr. Diesmal treibt sie die Frage um, ob die Amis das mit den Ausbildungscamps für Bräute wirklich ernst meinen?
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Letzte Woche hatte ich ja noch vor, mit einem innovativen Brautladenkonzept das große Geld zu machen. Mittlerweile habe ich aber eine viel bessere Idee: Zufällig stieß ich letzte Woche auf einen interessanten und gleichsam schockierenden Artikel aus dem Guardian. Schenkt man dem Artikel Glauben, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich in den nächsten Wochen ziemlich durchdrehen werde. Es könnte passieren, dass ich mir entweder Brustimplantate einsetzen lassen, Botox spritzen oder ins Bootcamp gehen werde. Nicht in irgendein Bootcamp, das aus marodierenden Jugendlichen geläuterte Jugendliche macht, sondern ins Bridal Bootcamp. Bridal Bootcamps machen aus dicken, trägen Bräuten dünne, durchtrainierte Bräute. Bridal Bootcamps gibt es in Großbritannien und den USA, beides Länder, die mit vielen guten, aber auch mit vielen schlechten Ideen immer etwas schneller sind. Auf der Seite von Bridal Bootcamp USA ist eine Frau mit Military-T-Shirt, straff nach hinten frisiertem Haar und herausforderndem Blick zu sehen, das ist Cynthia. Cynthias Bootcamp zum Selbermachen funktioniert so: Im Fitnessstudio muss man drei Monate vor der Hochzeit Körperfettanteil, Gewicht und Körperumfang messen lassen, die Daten schickt man Cynthia, und Cytnhia schickt jede Woche eine Mail mit Fitness- und Ernährungsbefehlen. Von Cynthia kriegt man zwölf Wochen lang Befehle, macht währenddessen entwürdigende Vorher-Nachher-Fotos von sich selbst in Unterwäsche und am Ende gewinnt jemand eine Woche Honeymoon in der Dominikanischen Republik.

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Illustration: Julia Schubert

Aber nochmal zurück zum Guardian-Artikel: Laut einer britischen Studie wollen 91 Prozent der britischen Bräute vor ihrer Hochzeit Gewicht verlieren, sieben Prozent planen eine Nasenoperation und acht Prozent eine Brustvergrößerung. Eine durchschnittliche britische Hochzeit kostet 60 Pfund, also 75 Euro, pro Minute. 60 Prozent der Befragten wünschen sich, dass ihre Gäste nach dem Fest der Meinung sind, sie seien auf der tollsten Hochzeit ihres Lebens gewesen. Dieser Wunsch ist nur ein Symptom des so genannten "Competitive Wedding Syndrome“, eine Krankheit, die ebenfalls in Großbritannien und Amerika zuerst entdeckt wurde. Vor allem Bräute leiden unter diesem Syndrom, das zu Stress, Streit und übermäßigem Geldausgeben in den Wochen vor der Hochzeit führt. „Make sure that you don't become Bridezilla while you are planning your wedding” ist deshalb ein wichtiger Tipp aus britischen Hochzeitsforen. Dass eine Braut zu Bridezilla wird ist dann der Fall, wenn eine normalerweise liebreizende Person sich während der Hochzeitsvorbereitungen in ein Monster verwandelt, las ich weiter. Auch das US-Magazin Newsweek berichtete kürzlich ähnliches: Neben Zahnkorrekturen sei für Bräute Gewichtsabnahme das wichtigste Ziel: Laut einer Studie wollten 70 Prozent der amerikanischen Bräute mindestens zehn Kilo vor der Hochzeit abnehmen, davon 20 Prozent mit Hilfe zweifelhafter Strategien wie Abführmittel, Erbrechen und Rauchen. All diese Informationen bieten ein schier unerschöpfliches Potential für meine neue Castingshow, das „Bridezilla Bootcamp“: Bestimmt gibt es auch in Deutschland genug Bräute mit Competitive Wedding Syndrome. Das Bootcamp wird ähnliche Inhalte haben wie das von Cynthia (gesundes Hungern zur Brautkleidfigur, Botox ja oder nein, qualvolles Workout), aber eben nicht virtuell, sondern in einer Art Big Brother-Container stattfinden. Sicherlich werde ich mein Konzept demnächst den Unterhaltungschefs von ProSieben und RTL (bisheriges Bootcamp: „Teenager außer Kontrolle“) präsentieren und werde begeisterte Reaktionen ernten. Den Part des „Good Cop“ im Moderatorenduo besetze ich mit Bruce Darnell, dem ich damit ein TV-Comeback ermögliche, nachdem seine Show in der ARD nach der ersten Staffel abgesetzt wurde. Wer den Part von Cynthia übernehmen darf, weiß ich noch nicht genau. Vorschläge gerne zu mir.

Text: theresa-selig - Illustration: katharina-bitzl

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