Die Hochzeitskolumne. Heute: Von wegen erwachsen!

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Schon komisch: Heiraten, das klingt so erwachsen und souverän, finde ich. Seltsam, dass sich das aber gar nicht so besonders erwachsen anfühlt in letzter Zeit. Es fühlt sich eher ein bisschen an wie früher, als meine Mutter jeden Tag beim Frühstück sagte, dass ich von diesen kurzen Pullovern garantiert bald eine Nierenbeckenentzündung bekommen würde. Zum Beispiel letztes Wochenende:

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Illustration: Julia Schubert

Setting: Ich hinten im Auto, vorne meine Eltern; wir sind auf dem Weg in die Innenstadt in ein Restaurant, zum Eltern-lernen-sich-kennen-Treffen. Denn obwohl Johannes und ich seit acht Jahren zusammen sind, haben sich unsere Eltern noch nie gesehen. Was mir immer überhaupt nichts ausgemacht hat. Das hier wird leider ein Eltern-lernen-sich-kennen-Treffen ohne Johannes. Der ist nämlich ganz kurzfristig „krank“ geworden. Mama: „Also ich würde gerne, wie heißen die Eltern vom Johannes noch mal, Theresa?“ Ich: „Konrad und Roswitha.“ Mama: „Also, ich würde Konrad und Roswitha heute Abend gerne einladen.“ Papa (leicht genervt): „Wieso das denn, das kommt doch total großkotzig rüber.“ Mama (leicht beleidigt): „Ich find das eine nette Geste, schließlich haben wir das mit dem Treffen forciert, ich finde, dann gehört es sich auch, dass wir einladen.“ Papa: „Also ich fände das an deren Stelle irgendwie seltsam, ich würde mir überrannt vorkommen. Vielleicht wollen die gar nicht eingeladen werden.“ Mama: „Na, muss ja auch nicht deine Sache sein. Ich werde auf jeden Fall bezahlen.“ Papa: „Theresa, was meinst denn du?“ Ich (genervt): „Oh Mann, ist doch total egal, das wird sich dann schon ergeben, muss man sich doch jetzt noch keinen Kopf machen.“ Mama: „Finde ich schon. Was mir auch so ein bisschen Sorge macht, da habe ich zurzeit öfters drüber nachgedacht: Wie machen wir das denn mit den Kosten für die Hochzeit? Nicht, dass wir alles bezahlen müssen.“ Ich (leicht genervt): „Mein Gott, wieso solltet ihr?“ Mama: „Naja, es gibt doch diese Tradition, dass die Eltern der Braut….“ Ich (genervt): „Maaaaaamaaaaaa, das ist doch totaler Blödsinn, in welchem Jahrhundert lebst du denn bitte? Ist doch klar, wir teilen die Kosten!“ Mama (pikiert): „Also Maus, da wär´ ich mir jetzt mal nicht so sicher wie du. Aber ich kann das doch nicht ansprechen. Was mach´ ich denn, wenn sie das nicht von sich aus ansprechen?“ Ich: „Na, dann sprichst du es einfach doch an. Ist doch ganz normal.“ Mama: „Hm, ich weiß nicht. Hat der Johannes denn mal was dazu gesagt, ob der Konrad und die Roswitha was dazu gesagt haben?“ Ich: „Nee, aber der ist sich sicher, dass seine Eltern das so sehen wie ihr.“ Mama: „Hm, ich weiß nicht. Vielleicht mag der Johannes das mal ansprechen?“ Ich (resigniert): „Ja, vielleicht, mal sehen, ist doch alles nicht so das große Ding.“ Mama (an Papa gewandt): „Weißt du zufällig, wie das Bernhard und Ingrid damals bei Melanie gemacht haben? Ich glaube, die Schwiegereltern haben alles bezahlt, die sind wohl recht wohlhabend. Warst du damals eigentlich bei der Hochzeit von deinem Cousin Michael dabei, Maus?“ Ich: „Nein.“ Mama: „Da gab es ja einen richtigen Skandal! Der Reinhard wollte nämlich das Fest bezahlen. Und dann hat die Mutter von Michaels Verlobten das gesamte Dorf auf dem Marktplatz zum Sektempfang eingeladen, und das sollte dann der Reinhard bezahlen, stell dir das mal vor!“ Ich: „Ein Glück, dass wir nicht das ganze Dorf einladen wollen.“ Mama: „Aber ich mein ja nur, daran sieht man, was für ein sensibles Thema das ist.“ Ich: „Naja, ich würde sagen, wir teilen alles durch drei, das ist doch gut.“ Mama: „Ach, ich weiß nicht, es wäre doch schon schön für euch junge Leute, wenn ihr euer Erspartes für etwas anders nutzen könntet. Zum Beispiel, wenn ihr euer Haus bauen wollt.“ Ich: „Ich will aber gar kein Haus bauen. Ich will eine Altbauwohnung mit Stuck, Dielen, Flügeltüren und schmiedeeisernem Balkon.“ Mama: „Die kann man auch kaufen.“ Ich: „Ich will aber keine Wohnung kaufen. Vielleicht ziehen wir nächstes Jahr schon in eine andere Stadt. Da macht es keinen Sinn zu kaufen.“ Mama: „Aber was da an Miete rausgeht, das muss man sich mal vorstellen. Wenn man das Geld in die Raten für eine Eigentumswohnung stecken würde, gerade wo die Zinsen für ein Darlehen gerade so günstig sind….“ Ich: „Maaamaaaaaaaaa!“ Mama: „Ach. Ich finde schon, junge Leute sollten sich früh genug um Wohneigentum kümmern. Mal sehen, was Konrad und Roswitha gleich dazu sagen!“

Text: theresa-selig - Illustration: katharina-bitzl

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