Gute Idee: Lernen gegen Hunger, schlechte Idee: Rote Nasen

Wohltätigkeitsaktionen schießen weltweit wie Pilze aus dem Boden. Unterstützt man die Ärmsten der Armen freiwillig mit Geld oder anderen Hilfsmitteln, tut man Gutes, gleicht solziale Ungerechtigkeit aus. Wer diesen Benefizwald durchforstet, stößt sowohl auf sehr sinnvolle, kluge Ideen als auch auf nervige, dämliche Kampagnen, deren oftmals prominente Schirmherren mehr im Vordergrund stehen als die sozial Bedürftigen.
sascha-chaimowicz

Schlechte Idee: Wenn Pro7 am 22. Dezember kamerageile C-Promis wie Hugo Egon Balder, den wahnsinnigen Uri Geller oder Sandy von den No Angels auf einer Bühne versammelt, mit roten Plastiknasen ausstattet und mit dieser Showsuppe deutsche Wohnzimmer zumüllt, ist RED NOSE DAY. Dieses Jahr hat der Privatsender Thomas Hermanns und Sonya Kraus gebucht, um durch den Abend zu führen.

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Illustration: Julia Schubert

Foto:pro7 Wohltätig wird die Sendung durch die sich wiederholende Aufforderung, „red noses“ für zwei Euro pro Stück im Internet zu ordern. Einen Euro überweist Pro7 dann als Spende an eine Wohltätigkeitsorganisation. Die Nasen sollen auf der Straße Zusammengehörigkeitsgefühl und ein „gemeinsam-gegen-Armut“–Moment erzeugen. Das funktioniert bei kleinen, unauffälligen Armreifen oder dezenten Aids-Schleifen am Revers, knallig-rote Clownsnasen hingegen sind dämlich und im Alltag nur schwer zu vermitteln. Gute Idee: Spielend lernen und dabei den Welthunger bekämpfen - das verspricht die seit Oktober bestehende Website FreeRice.com. Das Konzept ist einfach: In einem Quiz werden zu einer englischen Vokabel vier mögliche Definitionen angeboten. Wählt man die richtige Antwort, spendet die Website und ihre Sponsoren Geld im Wert von zehn Reiskörnern an das United Nations World Food Programm. Je besser man abschneidet, desto kniffliger werden die Vokabeln. So feilt man an seinen Sprachkenntnissen und hilft der UN dabei, den Welthunger zu stillen. Namhafte Firmen wie American Express, Apple oder Toshiba schalten auf der Seite Werbung und bezahlen die Spenden.

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Illustration: Julia Schubert
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