Kolumbien: Ohne Titten kein Paradies?

Schlechte Idee: Versuchen, die durchwachsene Qualität von Telenovelas noch weiter zu untertreffen - und das auch noch in Kolumbien.
roland-schulz

Schlechte Idee: Versuchen, die durchwachsene Qualität von Telenovelas noch weiter zu untertreffen - und das auch noch in Kolumbien. Das Land ist ein Hort der Telenovelas, der letzte in jeder Hinsicht durchschlagende Erfolg war "Betty, la fea" (Betty die Hässliche), eine Telenovela, in der ein hässliches Entlein zum strahlenden Schwan wird - in Deutschland hieß das dann "Verliebt in Berlin".

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Illustration: Julia Schubert

Betty, la fea. Man beachte die kunstvoll aufgeklebte Zahnspange. Foto: Reuters Jetzt ist in Kolumbien was neues angelaufen - eine Telenovela mit dem krachenden Titel "Sin Tetas no hay paraíso", was mit "Ohne Brüste kommst du nicht ins Paradies" nur unzureichend übersetzt ist. Der Plot ist schlicht: Die Hauptfigur Catalina versucht das Herz eines Drogenbarons zu gewinnen und lässt sich deswegen den Busen vergrössern. Da Catalina, arm und mittellos, kein Geld hat, muss sie als Prostituierte arbeiten. Das Fernsehen bewirbt diese Telenovela mit der Werbezeile "Ihr Lächeln war wunderbar - aber die Brüste führten sie in die Hölle." Im Moment erfreut sich die Telenovela in Kolumbien großer Beliebtheit. In dem Land gehört es für viele Mädchen zum guten Ton, sich den Busen vergrößeren zu lassen: Bis zu 100 000 Frauen lassen sich dort jedes Jahr operieren. Gute Idee: Mal schauen, ob die Schönheitskönigin eigentlich echt ist – genau, ausgerechnet in Kolumbien. Hier wurde gerade die neue „Reina“ gekrönt: Es ist Aileen Roca Torralvo, 20 Jahre, Maße 89-62-93 – und nicht operiert, wie sie extra bei ihrer Vorstellung im Wettbewerb betonte. Prompt titelten die kolumbianischen Zeitungen über die Sensation: „Eine Königin ohne Operation“.

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Illustration: Julia Schubert

Aileen Roca, die unoperierte Königin. Foto: Reuters

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