„Manchmal glaube ich, es sind tote Bananen“

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Der Beschwerdechor ist ein Projekt des deutsch-finnischen Allround-Artists Oliver Kochta-Kalleinen und seiner Partnerin Tellervo Kalleinen. Kochta-Kalleinen und Kalleinen leben auf einer Insel am Stadtrand von Helsinki, wo sie nur per Ruderboot und Telefon zu erreichen sind. Dort machen sie mitunter existenzielle Beobachtungen: „Egal wo du hinschaust, auf der ganzen Welt wird in einer Tour lamentiert. Aber wenn du immer nur alleine für dich rumjammerst, dann macht dich das kaputt“, sagen Kochta-Kalleinen und Kalleinen. Die beiden wollen die globale Maulerei „in etwas Positives“ verwandeln. Ihr Rezept: Laienchöre für lokales Beschwerdesingen. Kochta-Kalleinen: „Zum Beschweren gehören immer mindestens zwei: einer, der sich beschwert, und einer, der sagt: Oh Mann, du hast so Recht, das sehe ich genauso. Nachher sind alle total befreit. Nirgends funktioniert das besser als im Chor.“ Potentielle Protestsänger werden mit Plakaten und Flyern gelockt, musikalisches Talent ist unwichtig. In zweiwöchigen Workshops werden dann die geäußerten Klagen zu griffen Protestlyrics verschnürt: Klagen über garstige Bürgermeister, Uringestank in der U-Bahn und über den allgemeinen Wahnsinn des Daseins. Den Sound zur Klage basteln Musiker vor Ort. Das erste Sangesprojekt von Kochta-Kalleinen und Kalleinen lief in Birmingham (UK), das erste Folgeprojekt in Helsinki. Fiese Rhymes in Birmingham: „Einige Bananen werden nicht reif, sondern immer heller und schließlich weiß. Manchmal glaube ich, es sind tote Bananen.“

Representing Suomi: „90 Leute waren am Start, Rentner, aber auch Teenager.“

Auch in Hamburg wurde bereits beschwerdegesungen. Dazu Kochta-Kalleinen: „In Hamburg-Wilhelmsburg war das leider eine sehr homogene Truppe, alle so um die 35. Außerdem gibt es dort ja einen sehr hohen Migrantenanteil, was sich bei der Beschaffenheit des Chors leider nicht bemerkbar gemacht hat. Zuerst hatte sich in Hamburg überhaupt nur eine Frau gemeldet, aber auch die konnte zum ersten Treffen nicht kommen, weil sie plötzlich schwanger wurde. Es waren schließlich nur zwei Pressevertreter da. Eingesprungen ist ein Hamburger Bürgerverein, also Leute, die ohnehin schon Stadtteilarbeit machen. Die haben das Projekt dann sozusagen gehijacked für die Anliegen, die sie dem Bürgermeister vortragen wollten. Das hohe Medieninteresse an unserem Projekt hat denen natürlich in die Hände gespielt.“ Des Hansestädters Lamento: „Der Zaun muss weg!“

Hier könnt ihr euer eigenes Beschwerdechor-File loswerden!

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