Schöner wär`s, wenns schöner wär

Das Leben hält so viele unliebsame Wahrheiten für uns parat, wäre es da nicht schön, wenn man seine Identität und seine Vergangenheit ein bisschen „aufhübschen“ könnte?
michele-loetzner
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Illustration: Julia Schubert

Meisterhochstapler Matt Damon in "Der talentierte Mr. Ripley". Bild: dpa Amerikanische Abgeordnete haben es uns diese Woche vorgemacht. Ein Praktikant wurde von seinem Vorgesetzten angestiftet, den Lebenslauf des Abgeordneten Matty Meehan, der in der Online-Enzyklopädie Wikipedia publiziert wurde, ein bisschen zu pimpen. Der fleißige Praktikant setzte sich sofort an seinen Computer und strich sämtliche nicht eingehaltenen Wahlversprechen aus dem Artikel. Dummerweise kam die Tageszeitung Lowell Sun dem emsigen Bienchen auf die Spur und deckte auch noch allerlei andere „Verbesserungen“ auf. Um sein Leben ein bisschen aufzupeppen, muss man aber kein Abgeordneter sein, der seine Laufburschen losschickt. Wer mit seinem Dasein nicht zufrieden ist, kann auch folgendes versuchen: 1. Jedes Jahr ein Jährchen mehr Mit dem Alter ist das so eine Sache. Mit 16 ist man noch zu jung für die angesagten Clubs, bei seinem 30. Geburtstag hadert man allerdings schon mit der Anzahl der Kerzen und fühlt sich genötigt Antifaltencremes zu kaufen. Aber wer braucht schon das wahre Alter? Ein Alter für jede Lebenslage muss her. Wer einen gefälschten Personalausweis haben möchte, muss sich an dunkle Gestalten im Untergrund wenden, die Light-Version ist da schon eher der Videotheken- oder Monatskartenausweis. Wenn da mal schnell beim Formular eine Zahl verrutscht, schaut doch keiner so genau hin. Schwuppdiwupp, schon bekommt man im Kino wieder eine Studentenermäßigung. 2. apl. Prof. Dr. rer. pol. Meier Wer so einen Titel hat, spielt beim nächsten Bewerbungsgespräch gleich in der ersten Liga. Wer keine offiziellen Anreden sein Eigen nennt, kann seinem Lebenslauf trotzdem ein bisschen nachhelfen. Der neue Arbeitgeber verlangt beispielsweise Fremdsprachen? Mann, da war doch was! Immerhin hast du es nach dem Abi doch auch mal mit einem Sprachkurs in Spanien versucht. Dass du nach vier Wochen mangels Konzentrationsfähigkeit verursacht durch exzessiven Alkoholgenuss abgebrochen hast, braucht ja keiner wissen. Du bist schließlich dennoch die vollen drei Monate dort geblieben und hast einfach „das Leben studiert“. In deinem CV wird das als dreimonatiges Sprachstudium deklariert. Bei dieser Verschönerung kannst du dann auch gleich aus dem Nebenjob als Supermarktkassierer in der zwölften Klasse ein Praktikum im Bereich „Sales und Management“ machen. 3. Instant-Identität Irgendwie kommst du gar nicht mit deiner Persönlichkeit klar? Macht nichts. Das große weite Internet hält auch für dich eine neue Identität bereit. Wähle einfach einen der zahlreichen Instant-Messenger und such dir im Zufallsverfahren einen anderen User, der nichts gegen ein kleines Pläuschchen hat. Was du mit dem quatschen sollst? Na, hier liegt deine Chance. Bei Icq und co. darfst du sein, wer immer du auch sein möchtest. Juan, der Latin Lover aus Argentinien, oder Cindy, die heiße Braut mit Doppel-D. Nachprüfen kann das schließlich keiner. 4. Diamonds are a girls best friend! Modeschmuck ist mittlerweile so gut, dass der Unterschied zu echten Stücken den meisten gar nicht mehr auffällt. Was spricht also dagegen, einfach eine Fälschung der neusten Bulgari-Ohrringe zu erwerben? Eine noch größere Freude machst dir in deinem tristen Leben bestimmt, wenn du sie dir von der Verkäuferin nett einpacken lässt und zu dem nächsten Fleurop-Vertragspartner bringst. Für 30 Euro schickt dir der Florist die Ohrringe mit einem dicken Blumenstrauß an den Ort deiner Wahl. Wie wär`s mit deinem Arbeitsplatz? Die Kollegen werden Augen machen. 5. Ticket to ride Sowas Dummes aber auch. Das diesjährige Klassentreffen findet auf einem Landgasthof irgendwo inmitten der Pampa statt, wo garantiert kein Anschluss an die öffentlichen Verkehrsmittel ist. Keine Bange, auch dafür gibt es eine exklusive Lösung. Du mietest dir einfach eine Luxuskarosse übers Wochenende und schindest so bei deinen alten Klassenkameraden mächtig Eindruck. Jetzt kannst du, wenn du dich an die Punkte 1 bis 4 gehalten hast, ganz viele Fliegen mit einer Klappe schlagen. Mit deinem gefälschten Studentenausweis bekommst du bei den meisten Leihwagenunternehmen Rabatt. Deine perfekt in Szene gesetzten falschen Bulgari-Ohrringe lösen bei Susi und Steffi unbändigen Neid aus und der gepimpte Lebenslauf verschafft dir bei Jens, dem Abteilungsleiter dieses extrem prosperierenden Sart-Up-Unternehmens, einen super bezahlten Job. Blöd nur, wenn Jürgen, den du über Icq kennengelernt hast, doch nicht aussieht wie Antonio Banderas und du dich mit ihm an der Eingangstür der Wirtschaft verabredet hast.

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