[b]„Secrets – das sinnliche Frauenmagazin“[/b]

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[b]Wie sieht es aus?[/b] Ach, wie hübsch, ein neues Magazin für Strickmode! Eine sanft dreinblickende Blondine mit eisblauen Augen lächelt vom Cover der „Secrets“, das Gesicht verträumt in blaubehandschuhte Hände gestützt. So, als wolle sie den Leser einladen in ihr Reich der selbstgestrickten Wollpullis, fettfreien Weihnachtsleckereien und wertvollen Tipps zur Erhaltung der Gesundheit. Irritierend wirkt dann der verführerische Name des Magazins: „Secrets – das sinnliche Frauenmagazin“. Geht es etwa doch nicht um Strickpullis, sondern vielleicht um Erotik? Falls ja, macht das Bild wirklich neugierig. Denn: stille Wasser sind ja bekanntlich tief. Und diese Wolle-Tina hat sicher ein paar juicy Geheimnisse zu offenbaren. [b]Was will es sein?[/b] „Secrets, das sinnliche Frauenmagazin“ möchte die Frau zwischen dreißig und vierzig als sexuell aktives Wesen ansprechen. Es möchte sich von anderen Frauenmagazinen abgrenzen, indem es nicht Familie oder jugendliche Frauennamen im Titel trägt, sondern die Erotik und das Bedürfnis danach zur größten gemeinsamen Nenner unter Frauen erhebt, schon kapiert. Die moderne Frau schmeißt den Haushalt, renoviert nebenbei die Wohnung und hat natürlich eine Vibratorenkollektion in der heimischen Glasvitrine. Natürlich. Und vor Allem das. Man staune: Es ist völlig okay als Frau auch ein sexuelles Bedürfnis zu empfinden. Seien Sie raffiniert! Verführen Sie ihn! Und stehen Sie zu Ihren Schwächen! [b]Was ist es wirklich?[/b] Eine Mischung aus Apothekenumschau, Rosamunde Pilcher Roman und Haushaltsheftchen. Die Vorfreude auf erotische Geheimnisse, die der Titel „Secrets“ wecken soll, findet im Heft keine Erfüllung. Leicht unbeholfen kommen die Bildchen halbnackter Frauen daher, neben einen Text gesetzt, der von sexueller Befreiung spricht, sich im Subtext aber hinter die geschlossenen Schlafzimmertüren von „früher“ zurückwünscht. Bilder von Frauen in sexy Unterwäsche, die so eigentlich besser in ein Männermagazin passen würden. Reportagen über eine Sex Telefonistin und ein Escortgirl, die prickelnde Kurzgeschichte „Nimm mich wie eine Hure“, platziert neben dem Special „Kochen für die Sinne“ (Tomaten-Samtsuppe, oder Heiße Schokoladentarte). Das Layout variiert zwischen dem eines Gesundheitsmagazins und gewollter Verruchtheit: sinnliche Kringelschrift und samtrotem Hintergrund, der wohl zum drauf niederlassen einladen soll. Leider scheitert das Magazin beim Versuch sexy zu sein. „Secrets“ erinnert an die unbeholfenen dicken Mädchen, die sich mit fünfzehn von ihren Freundinnen überreden ließen, auch mal einen kurzen Rock zu tragen, was dann natürlich alles noch viel schlimmer machte. Vielleicht sollte dieses Heft statt „Secrets“ eher „Sigrid“ heißen. Dann wüsste man sofort, was zu erwarten ist. [b]Persönliches Highlight[/b] Der Internetauftritt der Secrets , der wohl erotischste Moment am Heft. [b]Tiefpunkt[/b] Auf der gegenüberliegenden Seite der Lesetipps befinden sich Anzeigen für astrologische Beratung und die Nummer von „Zigeunerin Donatella“, die in Fragen zum Liebesleben und zur Finanzkrise berät. Schande. [b]Unterhaltungsfaktor:[/b] 9 von 10 Punkten. Wenn man statt „erotisch“ das Kriterium „lustig“ als Maßstab setzt. [b]Wer soll das lesen?[/b] Frauen, die glauben, dass sie für „Brigitte“ zu wild sind.


[b]Active Woman Mobil - Das Magazin für engagierte Fahrerinnen[/b]

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[b]Wie sieht es aus?[/b] Wie ein im beim Tengelmann ausliegendes Werbeheftchen für Skimode in minzgrün und pink. Solides Layout mit vielen Wörtern in kursiver Schrift, die wohl die Dynamik und die schmissige Kurvenlage der diskutierten Karossen andeuten soll. [b]Was will es sein?[/b] Active Woman Mobil möchte „engagiertenFahrerinnen“ aller Art und Gefährt ein Forum geben. Das Magazin versucht, die Ansprüche und Bedürfnisse einer emotionsgeleiteten Frau, vielleicht einer Mutter, mit denen einer motorbegeisterten Fahrerin zu vereinen und wagt den Spagat zwischen Reifen- und Windelwechsel. Im Prinzip eine gute Idee. [b]Was ist es wirklich?[/b] Ein Zwitterheft zwischen Stiftung Warentest und Wochenblättchen. Das Problem ist wohl, dass die Zielgruppe, sofern überhaupt existent, sehr klein sein dürfte. Denn: Der Hausfrau ist das Magazin zu autolastig, der richtigen Autonärrin viel zu harmlos. Diese nämlich will genauso wie die männlichen Motorafinen ihren süßen Cityflitzer wohl eher tunen und tieferlegen als mit leckeren Einkäufen beladen. Welcher Frau es nur um die durchaus nützlichen Tipps zu Winterreifen, Kunststoffreiniger und Sicherheit geht, braucht kein „Active Woman Mobil“, sondern nur die Zeitschrift der Stiftung Warentest, oder einen sachkundigen Partner. [b]Persönliches Highlight[/b] Das Foto auf im Editorial auf der ersten Seite. Dies zeigt ein kutschenähnliches Gefährt, das Auto der ersten Stunde: „Modell 3“. Die dazugehörige Anekdote besagt, dass Bertha Benz (Ehefrau des Autoerfinders Carl Benz) damit einst kühn von Mannheim nach Pforzheim gurkte, da ihr Mann zuviel Angst vor seiner eigenen Erfindung hatte. [b]Tiefpunkt[/b] Der lustige Comic „Das Winterkeck“, in dem eine Kleinfamilie leichtsinnigerweise in ihr Auto setzt, ohne den Wintercheck gemacht zu haben. Oh Schreck! Und dann? Natürlich wird gleich einen Unfall verursacht, reumütige Einsicht inklusive. [b]Unterhaltungsfaktor[/b] Informationsfaktor ist hier wohl das richtige Wort, denn das Heft ist nicht einmal richtig lustig. [b]Wer soll das lesen?[/b] Vermutlich wird Jeder zufällig drüber stolpern, der die „Active Woman – das Fitness- und Sportmagazin für die Frau“ kauft, denn der liegt die „Active Woman Mobil“ als Beilage im Bauch. Ansonsten, tja.