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model1 Was sind das für Schuhe? Wenn sie jobbt: Fußfolterinstrumente von Vivienne Westwood, Burberry, Versace oder Dolce & Gabanna. Privat latscht sie lieber in orangefarbenen Doc Martens oder in Herrenschuhen herum, die sie sich wohl von Filmgangster Gamaschen-Joe ausgeliehen hat. Wo kommen diese Schuhe her? Auf welchen ominösen Kellerflohmärkten Londons sie ihre verrückte Schuhsammlung zusammengetragen hat, weiß keiner so genau. Ebenso wenig ist die Herkunft ihres Künstlernamens Agyness Deyn (ausgesprochen „Ähgnäss Diehn“) bekannt. Eigentlich heißt die 25-Jährige nämlich Laura Hollins und ist das, was alle Janinas, Giseles und Wandas dieser Fernsehwelt niemals sein werden: internationales Topmodel. Während die letztgenannten nach der TV-Show einen Laufsteg so gut wie nicht mehr betreten werden, wird man Agyness noch einige Jahre auf den Pariser Modedefilées sehen können. „Aggy“, wie sie in der Szene liebevoll genannt wird, wuchs in Littleborough auf, einer Kleinstadt bei Manchester. Neben der Schule jobbte sie in einem Fish’n’Chips- Schnellrestaurant, nach ihrem 18. Geburtstag zog sie nach London mit dem Ziel eine Schauspielschule zu besuchen. Es kam alles anders, stattdessen wurde sie von einem Modelscout entdeckt. Mittlerweile ist sie die Hausmuse von Burberry und Newcomer-Designer Giles Deacon. Aggys Ruhm ist derart explodiert, dass die britische Stilbibel „i-D“ ihr die komplette Mai-Ausgabe gewidmet hat, einzigartig in der 28-jährigen Geschichte des Modemagazins. Von vielen wird sie als die neue Kate Moss gehandelt. Wenn das denn überhaupt noch nötig ist, hat Agyness Kate Moss doch gerade erst auf den zweiten Platz der jährlichen „Best Dressed“-Liste des britischen Magazins Tatler verdrängt. Während Kate immer noch in ihrer seit 2005 unveränderten und millionenfach kopierten Weste-Röhrenjeans-Ballerina-Kombo aus der Tür geht, ist jedes Deyn-Outfit auf den ersten Blick ein ästhetisches Ding der Unmöglichkeit: Es paaren sich Kurzhaartomboy und 50er Promqueen, Mod und Comicfigur, Punkmädchen und 80er-Filmstar. Als „lady punk“ beschreibt sie ihren Stil selbst, „erfrischend kompromisslos“ lobt US Vogue-Chefin Anna Wintour. In der Tat sticht sie mit ihrem platinblonden Pixie-Haarschnitt und dem rotzigen Gesichtsausdruck heraus aus dem Meer der klapperdürren Kindmädchen, die derzeit auf Fotostrecken und Modeschauen allgegenwärtig sind. Sie ist eine Art Postergirl der eklektischen Stilexperimente, die man auf Londons Straßen beobachten kann. Die New York Post verlieh Agyness in einem Artikel gar den verantwortungsvollen Posten des „Botschafters der britischen Jugendkultur im Jahre 2008“. Five O'Clock Heroes - Who
Wo gehen diese Schuhe hin? Höchstwahrscheinlich in Richtung Model-Rockstar-Gesamtpaket, eine der naheliegenden Karriereoptionen eines Mannequins neben den Alternativen „Model turned Actor“ und „Model turned Designer“. Demnächst erscheint ihre erste Single, die sie zusammen ihrer Band „Five O’Clock Heroes“ aufgenommen hat. Sie wird dann in noch intergalaktischerem Ausmaße omnipräsent sein und wir werden miterleben, wie ihr Freund, ein-bisschen-Rockstar Josh Hubbard von „The Paddingtons“, einem Doherty-artigen Medienhype zum Opfer fällt. Außerdem müssen wir uns mental darauf gefasst machen, dass wir auf der Straße immer mehr Mädchen in überdimensionierten Pokémon-Shirts, Leopardenleggins und quietschpinken Lackschnürstiefeln sichten werden.