In den Schuhen von: Björn Böhning, dem Ringpulli der SPD

Björn Böhning Bild: dpa In den Schuhen von: Björn Böhning Was sind das für Schuhe: Keine Ahnung, und das ist schon bezeichnend – es gibt keine Fotos von Björn Böhning mit Schuhwerk.
roland-schulz

Björn Böhning Bild: dpa In den Schuhen von: Björn Böhning Was sind das für Schuhe: Keine Ahnung, und das ist schon bezeichnend – es gibt keine Fotos von Björn Böhning mit Schuhwerk. Möglicherweise wehrt sich der junge Politiker damit gegen die oft respektlos klingenden Beschreibungen von Journalisten, die ihn gerne als „Ringpullityp“ (Süddeutsche Zeitung) oder „Typ Sportjackenträger“ (taz) beschreiben. Man kann also nur hoffen, dass es große, sogar sehr große Schuhe sind – denn die Fußstapfen, die Björn Böhning auszufüllen hat, sind gewaltig. Böhning ist Bundesvorsitzender der Jusos, der Jugendorganisation der SPD, und dieses Amt hatten vor ihm schon ein anderer inne: Gerhard Schröder, der ehemalige Bundeskanzler. Dem 28-jährigen Böhning wird nachgesagt, eben so große Ambitionen zu haben wie Schröder. Wo kommen diese Schuhe her? Vielleicht sogar aus einem Schuhladen in Lübeck. Dort ist Björn Böhning aufgewachsen, und dort sah er vor zehn Jahren noch seine Zukunft: Oberbürgermeister habe er damals in seiner Heimatstadt werden wollen, sagte Böhning einmal im Scherz, als ihn Journalisten nach seinem Ziel fragten. Mit 16 Jahren ist Björn Böhning in die Jusos eingetreten und hat seitdem sein Leben stets an der Politik ausgerichtet: Es war Sprecher der Lübecker Jusos, saß im SPD-Kreisvorstand, war dann erst stellvertretender Juso-Vorsitzender in Schleswig-Holstein, dann auch stellvertretender Bundesvorsitzender der Jusos. Er studierte Politikwissenschaft am berühmten Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin, und als er 2004 damit fertig war, wartete schon das nächste Amt auf ihn: Juso-Bundesvorsitzender. Kaum war er gewählt, machte Böhning klar, wo er steht – links. Die SPD bezeichnete er als „inhaltlich und politisch ausgezehrt“, auch kritisierte er, seiner Partei fehle es „an einer modernen Kapitalismuskritik“. Als Vertreter des linken Flügels wurde Böhning im November 2005 in den Parteivorstand der SPD gewählt. Wo gehen diese Schuhe hin? Hoch hinauf. Jedenfalls glauben das viele in Berlin, die Björn Böhning zutrauen, einmal eine wichtige Rolle in der SPD zu spielen. Ein bedeutender Schritt ist jetzt getan: Mit dem neuen Jahr fängt Böhning in seiner neuen Arbeit an – der Berliner Oberbürgermeister Klaus Wowereit hat den jungen Politiker zum persönlichen Berater ernannt. Böhning wird Leiter des extra für ihn geschaffenen „Referates für Grundsatz- und Planungsangelegenheiten beim Regierenden Bürgermeister von Berlin.“ Seine Aufgabe sei es, „Konzepte über den Tag hinaus“ zu entwickeln, wie ein Sprecher des Berliner Senats sagte. Böhning selbst sagte, er werde „strategische Analysen erstellen und Politikprojekte vorantreiben.“ Was auch immer sich genau hinter diesen eher luftigen Äußerungen verbirgt, eines ist klar: Mit der Berufung des jungen Björn Böhning aus dem SPD-Parteivorstand will Klaus Wowereit auch seinen Willen unterstreichen, früher oder später eine größere Rolle in der Bundespolitik zu spielen. Die beiden Politiker, der junge und der alte, verbindet außerdem der Wunsch, die SPD in Zukunft auch für eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei zu öffnen. Ihre Zusammenarbeit ist eine strategische – und davon erhofft sich nicht nur Klaus Wowereit einen Gewinn. Gut möglich, dass man nicht mehr allzu lange vom Sportjackenträger oder Ringpullityp Björn Böhning lesen wird. Weil er nämlich nur noch Krawatte und Halbschuhe trägt, wie die meisten in der Welt der großen Politik.