In den Schuhen von Bode Miller

Zum Start der olympischen Winterspiele - das Porträt eines besonderen Skifahrers
florian-kaindl

Foto: AFP Was sind das für Schuhe? Weiße Atomic-Skischuhe mit roten Schnallen, Typ M 11 Men. Laut Hersteller der ultimative Allrounder mit Bestausstattung: „ vier anodisierte Mikroschnallen, Conformable-Fußbett, Power Control-Straps, Recco-Reflektor, Honeycomb-Isolierung, Thermic- Vorbereitung, Performance Fit-Innenschuh mit thermoformbarem Schaum und Polarfleece-Vorfuß“. Das Wichtigste sind aber wohl „gummierte Sohlenpads zum sicheren Gehen“, damit auch die normale Fortbewegung nach einer rasanten Abfahrt gelingt. Bode Miller schwört jedoch auf Hausmittel: In seiner Autobiografie „Bode, Be Fast, Be Good, Have Fun“ hat er verraten, dass er sich früher Powerriegel in die Schuhe gesteckt habe, die im warmen Inneren schmolzen und sich schützend hinter seine Waden legten - für einen besseren Halt. Bode Miller, 29, hängt sehr an seinen Skischuhen. So sehr, dass er sich letzten Dezember beim Slalom in Kranskja Gora einer Routineüberprüfung für seine Treter verweigerte. Das hat 762 Dollar Strafe gekostet. Wo kommen diese Schuhe her? In der Regel von oben am Berg. Bode Miller aus Franconia (New Hampshire/USA) besitzt eine unnachahmliche Art, Ski zu fahren: es geht das Gerücht, während der Fahrt habe er den Oberkörper von allen Fahrern am weitesten zurückgelehnt. „Geschwindigkeit ist das einzige, worauf es ankommt“, sagt er. „Technik ist nur ein Thema, worüber die Beobachter zusätzlich noch reden können.“ Von den 136 Rennen, die Miller seit 2002 am Stück absolvierte, war allerdings auch eines darunter, das er ab der Hälfte - technisch anspruchsvoll - mit nur noch einem Ski zu Ende fuhr. Wo gehen diese Schuhe hin? Diese Schuhe gehen ihren eigenen Weg. Beim Abfahrtsrennen in Garmisch-Partenkirchen, einem ernstzunehmenden Test für Olympia in Turin, war Bode Miller beim Golfen. Nicht in seinen Skischuhen zwar, aber es zeigt, dass er sich als extrovertierten Einzelgänger empfindet und inszeniert. Miller leitet einige kontrovers diskutierte Ansprüche aus dem Dasein als globaler Ski-Star ab: Zwischenzeitlich wollte er einen eigenen Skizirkus in Konkurrenz zum Internationalen Ski-Verband (FIS) ins Leben rufen. Miller hat öffentlich die Legalisierung von Doping unter medizinischer Anleitung gefordert, und in einer amerikanischen Talkshow erzählt, wie es ist, betrunken bei einem Weltcuprennen zu starten. Dafür musste er sich allerdings, auf Druck des Verbandes, in einer kurzen Ansprache im Fernsehen entschuldigen. Neben solchen Eskapaden sind seine Fähigkeiten als Skifahrer unumstritten. Die französische Tageszeitung Le Monde bezeichnet ihn sogar als „derzeit besten Skifahrer der Welt“, obwohl er im Gesamtweltcup momentan nur Dritter ist, mit knapp 300 Punkten Abstand auf den Führenden Benjamin Raich. Letztes Jahr hatte Bode Miller den Gesamtweltcup gewonnen, außerdem zieren bisher zwei olympische Silbermedaillen und vier Weltmeistertitel seine Bilanz. In Turin hat er jetzt die Chance auf fünfmal olympisches Gold, er startet in allen relevanten Disziplinen: in der Abfahrt am Sonntag, in Super-G, Riesenslalom, Slalom und Kombination.

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