Was sind das für Schuhe? Fein polierte Anzugschuhe aus schwarzem Leder – meistens zumindest. Dann nämlich, wenn Iman Crosson, hauptberuflich Schauspieler und Witzbold, in seine Paraderolle schlüpft. Die ist kein geringerer als der 44. Präsident der Vereinigten Staaten, und der trägt neben Schlips und Anzug für gewöhnlich nur das beste Schuhwerk. Crossons Pendants zu den schicken Präsidententretern stehen daheim in Santa Barbara nur noch selten im Schrank. Wenn sie mal wieder tänzelnd zum Einsatz kommen, dann steht daneben ein Stativ mit Kamera und im Hintergrund läuft der neuste Ami-Rapsong. Iman Crosson oder Alphacat, wie er sein Alter Ego auf Plattformen im Internet gerne nennt, dreht als Barack Obama Sketche, die er anschließend bei YouTube veröffentlicht. Inzwischen haben die ihn zu einem waschechten Cyberspace-Star gemacht.

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In seinen Parodien verbindet der 27-Jährige Musik, Tanz und Witz mit einer Prise Gesellschaftskritik und politischem Tagesgeschehen. Unterlegt mit den Beats bekannter HipHop-Songs, die er neu betextet, gewährt er einen Einblick in die Gefühlswelt eines Staatsoberhauptes in Zeiten der Wirtschaftskrise. Zeigt, wie es aussehen könnte, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten an einem ruhigen Tag hinter den verschlossenen Türen des Oval Office auf seinem Chefsessel rumkugelt und zu lässigen Beats in typischer HipHop-Manier von seiner neuen Selbstbestimmung erzählt, auf dem Sofa mit Popcorn in der Hand Superbowl schaut oder eine Rede über Wirtschaftspolitik in Paarreimen rappt. Bei der Imitation des seriösen Staatsmannes stimmt nicht nur der penibel korrekt gebundene Schlips, jede Handbewegung, jeder Blick, jedes Kopfnicken ist eins zu eins übernommen. Von der Stimmlage bis zu rhetorischen Angewohnheiten hat Crosson den beliebten Obama komplett verinnerlicht. Wo kommen diese Schuhe her? Aus Louisville, Kentucky, wo Crosson als jüngstes von fünf Kindern geboren wurde. Schon die kleinen Latschen des damals Fünfjährigen suchten unter wackligen kurzen Beinchen ihren weiten Weg in die Unterhaltungsbranche. Seine Eltern schickten Crosson deshalb auf eine Schule für darstellende Kunst in Cincinnati, wo er das schauspielerische Handwerk lernte. Nach einem Tanz- und Schauspielstudium in Dayton zog es ihn als HipHop-Tänzer nach New York. Mit 23 eröffnete er dann seinen YouTube-Account unter dem Pseudonym Alphacat – Anführertyp – und damit auch einen schmalen Spalt der Tür zu mehr Popularität. Er fing an, kleine Onlinesketche ins Netz zu stellen. Weil er von seinen Engagements als Tänzer nicht leben konnte, arbeitete er nebenbei als Kellner. Es waren schließlich auch seine Gastro-Kollegen, die Crosson im Sommer 2008 auf die Ähnlichkeit mit dem damaligen Präsidentschaftskandidaten aufmerksam machten. Prompt gewann er im August den landesweiten Obama-Imitatorenwettbewerb einer amerikanischen Restaurantkette. Seitdem hat er es sich zur Aufgabe gemacht, als verhinderter MC Obama jedes wichtige Ereignis in der Laufbahn des Staatsoberhauptes mit einem witzig-spritzigen Video zu kommentieren. Noch in der Wahlnacht stellte er ein Video zu T.I.s Song „Whatever you like“ online, das er in „I can do whatever I like“ umdichtete; pünktlich zur Amtseinführung am 20. Januar schwang er zu einer Neuauflage von Beyoncés „Single Ladies“ die Hüften. In seinem neuesten Video, einem Remake von „Blame it“ von Jamie Foxx, lässt er sich auf der Tanzfläche eines Nachtclubs zu kreisenden Hüften über die Wirtschaftslage aus. Iman Crosson als Barack Obama mit "I can do whatever I like" Wo gehen diese Schuhe hin? Steil bergauf. Seit Obamas Wahlsieg reißt sich die Werbeindustrie um seinen Verschnitt, sogar eine Fernsehshow mit dem Sender NBC soll in Planung sein. Crossons Parodien auf YouTube werden millionenfach geklickt, auch auf anderen sozialen Netzwerken (Facebook, MySpace, Twitter) ist er fleißig vertreten. Sein virtueller Ruhm verschaffte ihm sogar einen Auftritt bei Aretha Franklins Geburtstagsparty. Solange Obama im Amt ist, wird auch Crosson Gehör und immer neue Themen für Parodien finden. Damit der Erfolg danach nicht einfach abflaut, will er sich in dieser Zeit als Schauspieler etablieren. Crossons Ziel ist aber nicht, sich über den Präsidenten lustig zu machen. Im Gegenteil, der Look-a-like ist ein großer Fan. „Ich will Obama mit meinem Humor unterstützen“, sagte er dem „New York Magazine“ in einem Interview. „Ich hoffe, dass er eines Tages einen meiner Sketche sieht und lachen muss.“

Text: petra-ebenschwanger - Foto: Iman Crosson