In den Schuhen von Roger Federer und Nicolas Kiefer

Was sind das für Schuhe? Nicolas Kiefer trägt eindeutig das Modell „Speedzone Pro“ der Marke Diadora, die mit ordentlich Tennis-Schuh-Technologie ausgestattet sind: mit einer Anti-Bakterien-Barriere, Axeler, Power Flow, Engage, C.
caroline-vonlowtzow

Was sind das für Schuhe? Nicolas Kiefer trägt eindeutig das Modell „Speedzone Pro“ der Marke Diadora, die mit ordentlich Tennis-Schuh-Technologie ausgestattet sind: mit einer Anti-Bakterien-Barriere, Axeler, Power Flow, Engage, C.C.B. und mit Double Action2 – was auch immer das alles ist. Jedenfalls scheint es ziemlich gutes Material zu sein, denn am Mittwoch rang der 28-jährige Kiefer bei den Australian Open in ihnen und in fünf Sätzen, vier Stunden und 48 Minuten bei 30 Grad im Schatten seinen Gegner Sebastien Grosjean nieder. Dennoch sollen danach die Füße gebrannt haben. Die Schuhe von Roger Federer tragen den wunderbaren Namen „Nike Air Zoom Vapor Speed Men's Shoes White“ und sie werden als ultimativ leichter und stabiler Schuh für den Tennis Profi angepriesen. Dank „Nike Zoom Air Sole“ kann man ohne Pause stundenlang über den Platz flitzen. Das musste die Nummer eins der Tennis-Weltrangliste bei seinem Viertelfinale gegen Nikolai Dawidenko auch. Denn der als unantastbar geltende Schweizer brauchte vier Sätze bis zum Sieg und machte ungewohnt viele Fehler. Wo gehen diese Schuhe hin? Beide stehen im Halbfinale der Australien Open und treten dort am Freitag gegeneinander an. Dann heißt es „Everybody's Darling“ Federer gegen „Bad Boy“ Kiefer. Für Nicolas Kiefer ist das der bisher größte Erfolg seiner mittlerweile schon zwölfjährigen Profikarriere. Es ist sein 35. Grand-Slam-Turnier, viermal hätte er es in der frühen Phase seiner Karriere fast geschafft, in die Runde der letzten vier vorzustoßen, doch erst jetzt ist es ihm gelungen. Damit ist er endlich dort angekommen, wo er immer hinwollte. „Ich bin sooo glücklich“, sagte Kiefer nach dem Sieg. „Endlich habe ich die Hürde überwunden.“ Die Sympathien des Publikums verscherzte er sich allerdings durch wiederholtes Schlägerschmeißen. Der Deutsche fiel bis jetzt in jedem Spiel durch einen Fauxpas auf und musste bereits 6 000 Euro Strafe zahlen. Ganz anders dagegen die Bilanz von Roger Federer: Er zog mit seinem Sieg über den Russen Dawidenko zum siebten Mal in Folge in ein Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers ein, gewann im letzten Jahr 81 von 85 Matches und begann auch das Jahr 2006 mit einem Turniersieg in Doha, ohne einen Satz zu verlieren. Außerdem wurde er letztes Jahr Sportler des Jahres. Federer gefällt die Favoritenrolle: „Die Herausforderer müssen ständig etwas tun. Der Favorit kann sehen, was die anderen machen. Ich muss nur hungrig bleiben, um zu gewinnen, und das ist nicht schwer.“ Aber auch Kiefer ist hungrig: „Ich will mit aller Kraft diesen Favoritensturz“, gab er bekannt. Die Chancen stehen gar nicht so schlecht. Erstens können gerade die Außenseiter wesentlich befreiter aufspielen als die großen Stars, was schon zu mancher Überraschung und zu zahlreichem Favoritensterben geführt hat. Gerade hat der 20-jährige Zypriote Marcos Baghdatis den an Nummer vier gesetzten David Nalbandian niedergerungen und steht damit in seinem ersten Grand-Slam-Finale. Und zweitens hat Federer schon einmal zugegeben, dass er mit Kiefers Art zu spielen so seine Probleme habe. Mehr als einen Satz hat Kiefer Federer bisher aber nicht abringen können. Federer-Trainer Tony Roche, der auch schon Ivan Lendl trainierte, traut Kiefer allerdings einiges zu. Dennoch gibt er zu bedenken: Federers Zähigkeit und sein Ehrgeiz würden oft unterschätzt. Dabei gebe er sich nie mit halben Sachen zufrieden. „Wenn du viel gewonnen hast, willst du immer mehr gewinnen.“ Fotos: AP/Reuters

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