In den Schuhen von: Stefan Petzner, der mal Haiders Nachfolger werden wollte

Er schrieb seine Diplomarbeit über Udo Jürgens und machte unter Jörg Haider eine beispielhafte Karriere in der Politik. Am Dienstag aber ist Stefan Petzner von seinem Amt zurückgetreten. Was nun?
philipp-mattheis

Was sind das für Schuhe? Schwarze Lederschuhe passend zum Anzug oder Lodenjanker. Problematisch: Auf einmal mussten diese Schuhe in Fußstapfen passen, die dem jungen Petzner viel zu groß waren. Wo kommen diese Schuhe her? Aus Österreich, aus der Steiermark, aus einem Bauernhof. Ihr Träger gehörte zur so genannten „Buberlpartie“ des am 18. Oktober verstorbenen Jörg Haider. Schon vor dessen Tod kursierten Gerüchte, wonach der rechtskonservative Politiker homosexuelle Neigungen habe und sich deswegen immer mit einer Schar junger Männer umgebe. Der 27-jährige Petzner jedenfalls macht unter seinem „Lebensmensch“ (so nennt er Haider nach dessen Tod) eine beispielhafte Karriere: 2004 wird er als 23-Jähriger Pressesprecher der Landesregierung von Kärnten. Zwei Jahre später wählt ihn seine Partei zum stellvertretenden Bundesobmann der BZÖ (Bündnis Zukunft Österreich). Petzner ist damit quasi Nachfolger seines Mentors Jörg Haider. Nach Haiders Unfalltod am 11. Oktober 2008 wird Stefan Petzner von seiner Partei zunächst auch zunächst einstimmig zum neuen Parteichef gewählt. Seine Diplomarbeit „Die Macht der Musik am Beispiel Udo Jürgens“ bleibt unvollendet. Dann erleidet seine Karriere allerdings einen Knick: Petzners Fernsehauftritte sind verstörend. Immer am Rande des Nervenzusammenbruchs vergießt er vor laufenden Kameras Tränen, und sagt Sätze, die auf ein innigeres Verhältnis zwischen ihm und seinen politischen Mentor hinweisen: "Er war ein jugendlicher 58-Jähriger und ich eine 27-jährige alte Seele, das war unser Geheimnis.“ Und "Er war mein Lebensmensch. Er und ich wissen, was das heißt". Tatsächlich muss es in der Todesnacht zu einem Streit zwischen den beiden gekommen sein. Haider fuhr danach alleine in eine Klagenfurter Schwulenbar und trank dort eine Flasche Wodka. Er schickt eine letzte SMS an Petzner und rast wenig später mit 140 Km/h und 1,8 Promille gegen einen Betonpfeiler. Am Mittwoch, den 19. November, ist Stefan Petzner von seinem Amt als Parteichef der BZÖ zurückgetreten. Wo gehen diese Schuhe hin? In der momentanen Situation gibt es für Petzners Schuhe drei Möglichkeiten: 1. Sie werden ausgetauscht und durch neonfarbene Sneakers ersetzt. Stefan Petzner hängt seine politische Karriere an den Nagel und schließt sich der Jugendbewegung Krocha an. 2. Stefan Petzner eröffnet in Klagenfurt einen Schwulenclub namens „Ein Haiderspaß“, in dem überall Konterfeis des großen Kärntners hängen und ausschließlich Udo Jürgens gespielt wird. In der Mitte der Tanzfläche steht ein Glaskasten, in dem Petzner seine Schuhe aufbewahrt. Eine Aufschrift besagt: „Diese Schuhe trug Stefan Petzner am Abend, als Jörg verunglückte.“ 3. Sie begleiten ihren Träger auf einer beispielhaften Karriere: Petzner verlässt die BZÖ und gründet seine eigene Partei: die Braun-Rosa-Liste. Die Partei will allen rechtsradikalen Homosexuellen Österreichs, die gegen die Globalisierung sind, eine Stimme geben. 2014 löst Oskar Lafontaine in Deutschland einen Sturm der Entrüstung aus, als er sagt: „So eine Partei brauchen wir in Deutschland auch!“