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Was sind das für Schuhe? Es ist fast eine Enttäuschung, aber auch Zadie Smith trägt im Sommer kein schöneres Schuhwerk als wir. Um der brütenden Londoner Hitze zu trotzen, schlurft die Star-Autorin am liebsten in orthopädischen Latschen durch ihr Viertel Kilburn. Braune Sandalen, gutes Fußbett, mit einem breiten geflochtenen Riemen über dem Fußrücken – ein zeitloses Modell. Schade, von Smith hätten wir mehr erwartet. Kniehohe Wildlederstiefel. Pinkfarbene Manolo Blahniks. Oder zumindest ein Paar gepflegte Ballerinas. Schließlich hat die Frau einen Ruf zu verteidigen: Jüngst wurde die 31jährige Literatin von einer englischen Modezeitschrift unter die zehn schicksten Frauen Englands gewählt, gleich hinter Gwyneth Paltrow und Yasmin Le Bon. Aber vielleicht sollten wir weniger auf Smiths Füße als auf ihren Kopf schauen: Die Tochter einer Jamaikanerin und eines weißen Engländers hat schließlich keinen Schuhtick, sondern einen Kopftuchtick. Stets krönt ein bunter Turban ihr zartbraunes Haupt. Gut möglich, dass sich die Londonerin nur darunter versteckt: Seit Erscheinen ihres mehrfach preisgekrönten Debutromans „Zähne zeigen“ vor sieben Jahren wird Smith auf Schritt und Tritt von der englischen Presse beobachtet – die sie übrigens leidenschaftlich hasst, genau wie ihren Status als „Celebrity“. Vielleicht sind diese Schuhe ja ein Signal: „Ihr könnt mich mal“. Wo kommen diese Schuhe her? Aus dem „Help the Children“-Laden an der Kilburn High Street? Oder doch aus einer Edel-Boutique an der Kensington High Street? Keine Ahnung. Geld hat Zadie genug: Allein für „Zähne zeigen“ erhielt die damals 22jährige einen Vorschuss von 250.000 Pfund. Mit ihrem Debut landete sie gleich einen internationaler Beststeller. Ihr zweiter Roman „Der Autogrammhändler“ war zwar nicht ganz so erfolgreich, verkaufte sich aber dennoch gut. Und auch ihr dritter Roman „Von der Schönheit“, der in diesen Tagen auf deutsch erscheint, hat in Smiths Heimat bereits drei große Preise abgeräumt. Kein Wunder: Ganz bezaubernd ist Smiths Geschichte über die britisch-amerikanische Familie Belsey aus dem kleinen Unistädtchen Wellington in New England. Vater Howard, ein ultraliberaler Kunstgeschichte-Professor, befindet sich gerade in einer klassischen Midlife-Crisis. Nach einer Affäre mit einer Kollegin versucht er, die Beziehung zu seiner Ehefrau Kiki wieder zu kitten, scheitert aber, als er sich spontan auf einen One-Night-Stand mit einer Studentin einlässt. Natürlich kommt alles raus. Witzige Dialoge und liebenswerte Charaktere machen die Lektüre zu einem großen Spaß. Vor allem Smiths Beobachtungen des Campus-Lebens sind Gold wert: Pseudointellektuelles Gebalze in den Seminaren und das diskrete Gerangel um den Platz neben dem Professor beim College-Ausflug ... die Cambridge- und Harvard-Absolventin Smith hat das alles hautnah miterlebt und beschreibt es wie keine Zweite. Wo gehen diese Schuhe hin? Stramm geradeaus in Richtung Booker-Prize, dem legendären britischen Buchpreis. Irgendwann ist er für Zadie Smith fällig: Schon drei mal war sie nominiert, aber immer schnappten ihn Genossen wie Margaret Atwood, Ian McEwan oder Yann Martel vor ihrer Nase weg. Gemeinheit. Smith selbst würde allerdings nie auf den Gedanken kommen, dass ihr dieser Preis irgendwann zustünde. Ihren Erstling mag sie nicht mehr lesen, weil sie ihn zu schlecht findet. Das zweite Buch ebenfalls. Mit „Von der Schönheit“ kann sie gerade eben leben. „Ich glaube, es macht im Großen und Ganzen Spaß, das Buch zu lesen“, erzählt sie, „Es gibt darin ein paar Passagen, von denen ich sagen würde: 'Besser kann ich nicht schreiben'. Aber viele Teile des Buches kann ich einfach nicht ertragen. Viel zu schlecht geschrieben“. Eine Meinung, die ihre deutschen Leser mit Sicherheit nicht teilen werden. Bild: Roderick Field Vom 29. September bis 3. Oktober ist Zadie Smith auf Lesereise in Deutschland. Von der Schönheit von Zadie Smith, 512 Seiten, Euro 22,90. Erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch.