Angehört und Angetörnt. Vorweihnachtliche Indie-Kleinigkeiten

Ganz viele Tipps für den Wunschzettel: Die Shout Out Louds sind wieder da, William Fitzsimmons ist immer noch traurig und Eskobar covern Lady Gaga.
max-scharnigg

Frisch aus der gigantischen Videopresse kommt heute der erste Vorgeschmack auf das neue Shout Out Louds-Album. Und der schmeckt nicht schlecht sondern sogar ein bisschen grandios:

Das Album “Work” wird erst Ende Februar zu haben sein. Vorher spielen die Schweden aber noch einen Aufwärm-Gig in Berlin und zwar am 14.Dezember. Hingehen könnte keinesfalls schaden. ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

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Illustration: Julia Schubert

Kräftig auseinander gehen immer noch die Meinungen über Julian Casablancas Soloalbum „Phrazes For The Young“, von dem in diesen Wochen allerlei durchs Netz wandert. Die einen sehen in dem stark elektrifizierten und synthetisch orgelnden Werk den letzten Rest des Strokes-Erbes verpufft, die anderen mögen darin quasi eine taugliche Neuorientierung und sogar Hitpotenzial erkennen. Hm. Griffig ist das Zeug schon, aber eben auch nichts, was nicht Interpol und Co. seit fünf Jahren besser schnitzen. Insofern haben beide Lager Rech oder Unrecht und Julian Casablancas geht probably unter. Auch gut.

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Illustration: Julia Schubert

Es war hier schon einmal von dem Herren die Rede, deswegen sei es nur kurz noch mal aufgefrischt: Wer traurig ist, in diesen Tagen, vielleicht weil er keinen Teilchenbeschleuniger im Herz hat sondern das Gegenteil, der muss zwingend die William-Fitzsimmons-Platte hören. Ist nur zartes Gejammer, aber das doch immerhin sehr konsequent und bisweilen absurd schön. "If you would come back home"

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Illustration: Julia Schubert

Wer sich nach einem idyllischen schottischen See benennt, möchte hundertpro Assoziationen mit Strickpullovern, Tweed und weißem Schaf auf grünem Grund wecken. All das gelingt Loch Lomond mit ihrem fragilen Geigengezupfe und den stoisch-nostalgischen Gitarrenläufen ganz vorzüglich, klingt alles nach traurigen Helden aus Glasgow. Da macht es fast gar nichts, dass sie aus Portland, Oregon herstammen. Da kann es ja bestimmt auch sehr melancholisch sein. Kammerfolk nennen die fünf Menschen die Musik, die da ziemlich hypnotisch aus ihren Händen kommt. Ihre EP „Night Bats“ ist jedenfalls in Sachen Sophistication und Besinnlichkeit so alteuropäisch wie die Eiche vorm Haus. Wer dieses Jahr noch irgendeine ätherische Reserven hat, sollte sich dieses kleine Stück Wohlmusik bitte besorgen. "Blue Lead Fences"

"Tic"

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Ganz erstaunlich ist die Band Oh, Napoleon. Die kommt zwar pfeilgerade aus Deutschland, noch dazu aus Krefeld, legt aber mit ihrem ersten Lebenszeichen - einer Vier-Song-EP - jetzt ein ganz kolossal internationales Popverständnis an den Tag. Maßgeblich ist dabei die glasklare Stimme von Katrin Biniasch, die evtl. dazu führen wird, dass Frau Heather Nova in Zukunft auf der Ersatzbank bleibt. Weit weg vom Instant-Emoheulen der Silbermonde und Julis. Kein Wunder, dass Marc Liebscher, Manager der Sportfreunde Stiller und Tobias Kuhn (früher: Miles) die kleine Band in die Arme genommen haben und sanft zur ersten Veröffentlichung bei Universal wiegten. Die dürfte, wenn nicht alles schiefgeht, der Auftakt zu einem flächendeckenden Entzücken sein.

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Illustration: Julia Schubert

Huch, nochmal gehört und Hilfe, jetzt akuter Schwärmanfall: Netteste Newcomerband seit fünf Jahren! Kauft die EP für schlappe 2,18 Euro Runterladgebühr! Das ist weniger als ein Cappuccino und Milchschaum hat Oh, Napoleon auch! +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

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Illustration: Julia Schubert

Falls jemand ein Geschenk für den irgendwie netten Schluffi von nebenan braucht, böte sich immer noch das fast neue Ja, Panik-Album „The Angst and the Money an“. Es ist ein Werk von dem man lange etwas hat, denn die genialische Manie der Ex-Burgenländer und Teil-Berliner ihre Songs fortlaufend umzuschichten, Haken zu schlagen und Andreas Spechtl bis in die kleinsten Kammern seiner verschlagenen Textkunst zu folgen, ist für den Zuhörer anhaltender Atemraub und Genuss. Und unbedingt die richtige Art, die letzten Tage bis zum neuen Tocotronic-Album (22. Januar 2010) zu überbrücken.

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Was ist, wenn am Ende des Jahrzehnts eine der wichtigsten Newcomer-Bands einen Remix von der Band macht, die zu Beginn des Jahrzehnts die Allergrößte war? Dann ist das ein Grizzly-Bear-Remix von Notwists „Boneless“ - nicht unbedingt superaufregend, aber aufregend schon.

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Das Prinzip der Weihnachts-Benefiz-Single möchte man nicht irgendwann Außeriridschen erklären müssen, falls sie mal zu Besuch kommen. Jedenfalls ist es recht beliebt, die Einnahmen aus einem Spezialsong für einen guten Zweck zu spenden. Die Killers betreiben dieses fromme Werk schon seit einigen Jahren, dieses Jahr ist der Song „Happy Birthday Guadalupe“ dran. Klingt sehr feierlich und macht warm um die Buletten, auch wenn man die ganze Zeit daran denken muss, dass die Killers damit U2 nicht gerade unähnlicher werden. Egal, ist ja Weihnachten. Und hey, bitte diese Benefizsingle kaufen oder den Gegenwert spenden.

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Und das ist ja noch: Eskobar covern Lady Gaga. Whatever.

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