Indie mit Max. Heute ein Britland-Spezial plus die Eels

Die Musikkolumne für alles rund um Gitarren, London, Frisuren und Retroscheiß.
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Illustration: Julia Schubert

La Roux Nur kurz sei angekündigt, was uns im Sommer aus der ganz großen Windrichtung umwehen wird: La Roux - das aktuelle und höchstdotierte Wunderfräulein aus Brighton. Sie ist Hitwolke, Modewunder, Chartstürmerin und Stilkanone in einem. Ich hatte ja beim ersten Hören noch Kopfweh-Assoziationen. Ging dann aber. "Bulletproof"

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Illustration: Julia Schubert

Slow Club - „Yeah So“ Niedliches bzw. Knuffiges hat man aus Sheffield und auch dem restlichen UK schon länger nicht mehr gehört. Jetzt kommt mit dem Slow Club aber gleich ein Krönchen, bzw. ein netter Junge und ein nettes Mädchen. Zusammen trällern sie so bittersüß vereint ins Mikrofon, dass man schon ahnt: Die sind auf myspace sicher mit Conor Oberst befreundet. Ist natürlich trotzdem oberprima, Duettgesang geht sowieso meistens okay, und dazu kommen hier noch eine mal flotte, mal nachdenkliche Gitarre und allerhand Instrumente aus dem klassischen Indiefolk-Repertoire: alte Orgel, Löffel und singende Gläser. Aber alles moderat und rock’n’rollight von den beiden jungen Menschen eingesetzt, so dass die ganze Platte ins Ohr geht, wie Zuckerwatte ins Kind. Karussellmusik, nach der man schwer Gefahr läuft seine Mitmenschen auf Wolken hinzuweisen, die wie Tier aussehen. Schön!

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Illustration: Julia Schubert

Eels - “Hombre Lobo” Etwas düsterer stehen die Sachen bei den Eels. Dieser großartigen Band, bei der man nie genau verstanden hat, woher sie eigentlich kommen, wieso sie so lange auf dem komischen Spielberg-Label DreamWorks veröffentlichten und warum immer alles was Mark Oliver Everett über seine rauen Stimmbänder gehen lässt, so großartig klingt. Nach der BestOf-Compliation vor einem Jahr und der damit verbundenen Befürchtung, die ohnehin wacklig besetzte Band würde sich nun auflösen, bewirkt „Hombre Lobo“ eher gegenteilige Annahmen. Irgendwie klingt es, als könnte alles noch mal von vorne losgehen. Dunkel, rough und kraftvoll ist das Werk. Fast scheint es, als würden sich in den Liedern immer nur Trauer und Wildheit abwechseln, ohne dabei jemals diesen einzigartigen Eels-Charme einzubüssen, der wohl nur in einer derart despotisch geführten Band tatsächlich über 15 Jahre konserviert werden kann. Die Perlen sind alle wieder dabei, sie sind nur etwas versteckt, wie etwa das knochenmarkschmelzende „That Look You Gave That Guy“. Überhaupt geht es hier oft um das Unglück der Liebe und jene bestimmte Alltagsverzweiflung, die tiefer sein kann als alles, aber eben auch nur Alltag. Und immer klingt an der richtigen Stelle ein Glockenspiel, das dann das krachende Männergenörgel vergoldet und aufweicht. Everett knarzt und schreit, feinsingt und rumpelt durch seine Traurigkeit und erzeugt trotz allem auch immer jene drollige Zuversicht, die bärtigen Menschen zueigen ist. Man möchte mit ihm so gerne mal Federball spielen. Kleines, herrliches Eels-Archiv für Spätgeborene: Vielleicht das Beste: „Last Stop This Town“

Vielleicht das Schönste: “Flyswatter”

Vielleicht das Lässigste: “Souljacker Part 1“

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Illustration: Julia Schubert

Fanfarlo Simon Balthazar ist ein Schwede in London und damit so ziemlich das optimale Popwesen. Postwendend lässt er mit seiner Band Fanfarlo etwas aus den myspace-Boxen sounden, das grandios im Sinne von grand ist: Ein bengalisches Wunderorchester a la Beirut, eine zärtlich aufgeschichtete Wuchtbrummenmusik a la Get Well Soon, mithin also genau das, wonach der empfindsame Musiksonderling derzeit dürstet. Trompeten galore, wilder Musikantenumzug und typisch schwedisch: Mitklatsch-Enzym und bezaubernde Damen an den Sekundärinstrumenten. Schön ist das, noch schöner wäre es, wenn Fanfarlo die ersten wären, die solches zusammenfügen. Aber es reicht auch jetzt noch für besinnungsloses Weiterempfehlen und temporäres Durchdrehen. Insbesondere, da die Band ihr kapitales Album „Reservoir“ für einen Pfund Sterling zum Download anbietet. Balkonbesitzer in Berlin – das könnt ihr euch auch noch leisten! „Fire Escape“

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Illustration: Julia Schubert

Bombay Bicycle Club Ebenfalls der kleinen Kolportage wert, scheinen mir diese Knaben - auch aus London, mit hübschem Namen und nahezu nostalgischem Indielook ausgestattet. Besonders dieses geheimnisvoll-schicke Video hat es mir angetan: "Dust On The Ground"

Musikalisch könnte man sagen: Britpop wie er inzwischen wohl auch in der Encyclopaedia Britannica verzeichnet ist. Ein bisschen Embrace, ein bisschen adoleszentes Wundern und der goldige Herr Sänger hat den Adamsapfel von Jarvis Cocker. Für den Majorvertrag hat das offenbar bereits gereicht und die Konzerte, so sagt man sich, sind sehenswert. Anfang Juli wird das erste richtige Album der sehr jungen Menschen veröffentlicht. Noch lieber als dieses würde ich aber eine Mitgliedschaft im wahren Bombay Bicycle Club in den Händen halten. Wäre das nicht unfassbar preppy? Ja! +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

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Illustration: Julia Schubert

Maximo Park - "Quicken The Heart" „Die neue Maximo Park wie findste die?“ Manche Fragen hängen so hartnäckig an einem, wie diese elektrisierten Fitzel von Zellophanpapier. Man muss sie vermutlich endlich, endlich loswerden. Die neue Maximo Park jedenfalls, finde ich langweilig. Und das gar nicht aus komplizierten Gründen, sondern weil sie langweilig ist. Bisher hatte mich das Maximo Park-Konzept schon immer noch gepackt, auch post-hype. Diese effektvollen Rhythmuswechsel und insgesamt stilvolle Dynamik der Gitarrenmänner, das leicht Überschlagende in der Stimme von Paul Smith und eben ihr Händchen für den sophisticated Gassenhauer wie "The Coast is Always Changing", das mitzusummen mir immer noch nicht langweilig wird. Dergleichen ist aber in der neuen Wühlkiste nicht recht auszumachen oder im Gegenteil: alles klingt da doch viel zu sehr so wie ein netter MaximoPark-Song klingen soll. Das ist dann auch nicht klug, weiß man ja, das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Und die Band hetzt irgendwie atemlos von einem belanglos-okayen Track zum nächsten. Als wüsste sie selbst nicht so genau was los ist. So spült die Platte lauwarm ums Knie und will nix. Vielleicht ist Paul Smith ja der Michael Stipe der Generation Famos. Falls ja, kommen sicher noch ein paar bessere Platten.

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