Rauhboys & Indieaner (3). Mit Nada Surf, Vampire Weekend, Superpunk und Eight Legs

Die Musikkolumne von Max, für alles rund um Gitarren, London, Frisuren und Retroscheiß
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Illustration: Julia Schubert

Nur damit hinterher niemand sagt, er hätte es nicht gewusst. Diese Jungs hier sollen 2008 mit Vollkaracho retten:

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Illustration: Julia Schubert

Vampire Weekend, der Hype deines Vertrauens, mal wieder aus New York. Dann schauen wir uns doch erstmal ihr ausgesprochen hübsches Preppy-Chic-Video zu "Mansard Roof" an:

Und dann, mehr aus der Hauruck-Ecke, "APunk":

Zusammengefasst: Hawaii-Gitarre mit Ska-Gschmäckle und Doherty-Schwurbel plus Ralph-Lauren-Schnöseligkeit. Und natürlich Beatles. Keine schlechte Mischung, ich mag’s leiden. Reicht aber sicher nicht mal bis Pfingsten. Das Album kommt hier erst Ende Februar raus. Hier ist ihr myspace-Auftritt mit weiteren Songs. Rein stilistisch erinnern mich Vampire Weekend übrigens etwas an die seligen Hefner. Wobei die gar nicht preppy waren, aber schon chic, siehe "Christian Girl":

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Illustration: Julia Schubert

Ebenfalls aus New York, aber eines Hypes ganz unverdächtig sind die Nada Surf. Die halten das Indie-Fähnchen ja wirklich schon seit fünfzehn Jahren so verdammt hoch, dass viele jüngere Bands drum herum hüpfen und oft nicht mal kurz rankommen. Wenn man seit fünfzehn Jahren gemeinsam mit der Gitarre rummacht, versteigt man sich als Band gerne in irgendeine Nische oder löst sich in Belanglosigkeit auf. Nada Surf pfeifen drauf und baden in Relevanz, schon das erste Lied der Platte „See These Bones“, würde ein ganzes Album rechtfertigen. Und von da geht „Lucky“ unheimlich erstklassig weiter: Matthew Caws Stimme schwimmt auf den Gitarren, die immer neu und nie langweilig um ihn herumtollen. Vielleicht ist es Ben Gibbards Mitarbeit, die der Platte an den richtigen Stellen (etwa „The Fox“) auch sehnsuchtsvollen Horizont gibt, wie ihn Death Cab For Cutie für gewöhnlich exerzieren. Und dann wieder: Powerpop-Stücke, dass der Steigbügel bounct. Hier gibt es nichts auszusetzen, wer US-Gitarrenmusik will, kauft entweder Bruce Springsteen oder Nada Surf. "Whose Authority":

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Illustration: Julia Schubert

Typische Mitglieder der britischen Knallfront sind die Eight Legs – vier Paradeexemplare der Gattung angry young men, mit schlanker Silhouette und Kinderheroin-Gesichtern. Deshalb wohl machten sie zunächst als Modepüppchen von Oberslim-Type Hedi Slimane Furore – der Ex-Dior-Designer fotografierte die Jungs in seinen Klamotten bei ihren Auftritten und brachte die Band damit relativ mühelos in die Schlagzeilen.

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Illustration: Julia Schubert

Diese Aufmerksamkeit erregen die Eight Legs aber einigermaßen zu Recht. Ihr angetouchter Cityrock auf “Searching For The Simple Life” ist zwar alles andere als neu, aber doch wieder so entzückend schmallippig und eingängig, dass man ihn, einmal gehört, ungern missen möchte. Dass sie aus dem Shakespeare-Kaff Stratford-upon-Avon kommen, hört man den Texten zwar nicht unbedingt an, verleiht der Band aber eine gewissen ländliche Charme, den sich eine Band aus London gar nicht mehr trauen würde. Sehr nett eigentlich, man höre unten die Hitsingle – aber in Granitstein würde ich den Namen der Band nun auch nicht gerade hämmern. Hier, schön und nichtssagend: „Blood Sweat Tears“:

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Illustration: Julia Schubert

Wem die feschen Jüngelchen längst zu viel sind, der findet vielleicht in Gallon Drunk seinen Alternative. Alter, düsterer Herrenrock aus London, letztlich sehr cool und trocken, aber nicht unbedingt was für Genußhörer. Mit Kenntnissen zu Gallon Drunk im Ärmel macht man im Pub-Pop-Gespräch aber auf jeden Fall eine gute Figur. ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

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Illustration: Julia Schubert

Etwas ruhig war es zuletzt im Käfig des Hamburger Hauruck-Labels Grand Hotel van Cleef – jetzt piepst wieder was: Home of The Lame. Unter diesem Name trat Felix Gebhard bisher als Singer/Songwriter an, für das zweite Album hat er sich jetzt aber eine Band gesucht, was dem Ganzen eindeutig gut tut. Geduldiger und zarter Folkpop, mit dezenter E-Gitarre hinten und gezupfter vorne. Einiges gerät da ziemlich schön, das flotte „The Radio“ etwa, das an den slicken Gitarrenpop von „Maritime“ rankommt. Eine perfekte Platte fürs Nachhausefahren von mittelguten Festen. +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

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Illustration: Julia Schubert

Nicht richtig hundertpro will mir dafür die neue Superpunk-Scheibe gefallen, wobei ich damit durchaus lang gehegte Sympathien aufs Spiel setze. Das jetzt erstmals beim Tapete-Label erschienene „Why not?“ ist halt wieder ein "okayes" Album geworden, aber davon hat man eigentlich genug. Es wäre an der Zeit gewesen, dass die arrivierten Herren noch mal richtig die Pauke in die Bowle rammen – das kommt aber nicht. Stattdessen hört man viel gut abgehangenes Slingerland-Herumgemucke plus Hafenkneipen-Klavier und schlappe Texte, die sich um Pisse auf den Schuhen und andere Alters-Tristessen drehen. Es fehlen die bisher zuverlässig abgelieferten Knallbonbons mit Tanzaufforderung – die scheinen nur an manchen Stellen durch, etwa bei dem eleganten „New York, USA“ und dem saloppen „Carsten ist mein Name“. Insgesamt macht „Why not?“ aber weniger Fußwippen, als es ein im Sitzen arbeitender Mensch benötigt. Das kleine Making-Of hier bringt die Sympathien aber wieder zurück an die Stellen, an die sie hingehören. Sind halt doch smarte Jungs:

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Sollen wir hier auch über Jack Johnson sprechen? Nur so viel: Wer bis jetzt Jack Johnson mochte, wird dieser Fähigkeit auch mit dem neuen Werk „Sleep Through The Static“ nicht verlustig gehen. ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

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Illustration: Julia Schubert

Dringende Hörempfehlungen gelten nach wie vor für die Veröffentlichungen von Slut und Get Well Soon die nichts miteinander gemein haben, außer, dass beide vergessen machen, dass man es hier mit Künstlern aus Ingolstadt bzw. Mannheim/Berlin zu tun hat. Und beides: Exzellente Popmusik, klug und unterhaltend.

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