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Rauhboys und Indieaner. Heute mit Kills, Adam Green, Correcto und anderen

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Operator Please – Yes Yes Vindictive Zum Einstieg wie gewohnt unfassbar Trendiges: Auf der australischen Elanora State High School haben sich anlässlich eines Bandwettbewerbs ein paar, ja sagen wir es ruhig, Kids, zusammengetan und dann untypisch verhalten. Im Gegensatz zu anderen Schülerbands knallten Operator Please nämlich postwendend Hitsingles über den Pazifik. Diese hier wurde zum Beispiel auf youtube schon über eine Million mal angesehen:

Sieht aus wie ein Werbespot für AGFA, ist aber doch auch unglaublich, was für einen Instant-Terz diese kleinen Menschen auf die Beine stellen. Ihr Debütalbum arbeitet sich genau nach dieser Machart sehr manierlich durch den Pop. Und gerade die Stimme von Amandah Wilkinson und die vielen hübschen Geigenparts befördern das Ganze auch gleich in eine erwachsene Schublade - warum war man selber als Schüler eigentlich nicht so dufte? Ach, liegt sicher an Australien. +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Correcto – Correcto Vergleichsweise unexotisch sind dagegen Correcto. Eine Band randvoll mit Schotten, darunter Menschen, die sonst eigentlich in Indie-Großkonzernen wie Franz Ferdinand oder Royal We arbeiten. Diese Jungs haben, so klingt es, an einem gutgelaunten Tag im Bandraum die Rekorder angeschmissen. Bockige kleine Miniaturen mit sehr hübschen Gitarrenläufen, dem sarkastischen Gesang von Danny Saunders und vielen zwanglos guten Momenten. Das ist ganz klassischer Indiesound, bisweilen etwas skizzenhaft, aber gerade das goutiert der Geneigte ja besonders. Vor allem wenn zwischendurch lupenreine Vollbretter durchs Gebälk kommen, wie das erstklassige Genrestück „Joni“:

Da springen doch fast die 95er-Trainingsjacken wieder aus dem Schrank! Eine unaufgeregt feine Platte, gesünder und durchdachter als vieles, was sich andere aufgespritzte Jüngelchen heute so für eine gute halbe Stunde einfallen lassen. +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert
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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Madsen - Frieden im Krieg Lichter - Lichter Zwei deutsche Jungsbands sitzen jetzt im Wartezimmer. Die Brüder Madsen haben ja mit ihrem bisweilen recht brachialen Rock schon eine ansehnliche Fangemeinschaft aus Festivalbesuchern rekrutiert und liebäugeln mit Charttauglichkeit und ProSieben-Hörempfehlungen. Dagegen ist nichts zu sagen, gleichwohl möchte man schon gerne wissen, warum ihr neues Album über weite Strecken wie ein unbelegtes Brot schmeckt. Die Single „Nachtbaden“ ist hübsch, die klingt nach den jungen Tomte. Vieles auf „Krieg im Frieden“ ist aber allzu krawall-einfältig gestrickt, man wird Lied um Lied schneller mit den gebrüllten, gleichwohl nichtigen Refrains („Veränder dich nicht!“) erschlagen. Klar, irgendwie funktioniert das schon – ist eben der richtige Soundtrack, um im Fiesta zum Jägermeisterabend nach Herne zu fahren. Wenig Zwischentöne, wenig Feinheiten, viel Energie. Die neue Madsen-Single: „Nachtbaden“

Mehr den jungen Kante ähneln die neuen Lichter, auch wenn ihnen dafür noch Spielwitz und Wagemut fehlt. Sie schöpfen ihre Musik mit der feineren Kelle aus dem Pop-Töpfchen. Ein Mädchen ist auch dabei und die Texte sind genau um den Tick weiter ums Eck gedacht, dass sie der Musik nicht im Weg stehen. Sehr smart musiziert ist das, mit treibendem Schlagzeug, Klavier und all das, sogar poetisch mitunter, aber immer auch leicht an der Grenze zu Langweile. Kuscheln für Art-Directors: "Leerer Raum" von Lichter

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

The Kills - Midnight Boom Über die Titelblätter durchgereicht werden derzeit The Kills das geheimnisvolle Pärchen aus HalbUSA/UK. Das ist eigentlich seltsam, weil ihre Musik gar nicht einfach zu fassen ist. Die Größe, die die Kritiker in den knappen Songentwürfen bejubeln, erschließt sich nicht gleich. Tatsächlich verstecken die beiden darin aber eine radikale Neuversion von Rock’n’Roll - nicht so offensichtlich und verzerrt wie seinerzeit die White Stripes, stattdessen urban und vertrackt und mit sehr vagen Obsessionen. Da mal ein anschwellendes Unheil bei „Black Baloon“, dort mal eine punkig zerstückelte Miniatur bei „Alphabet Pony“. „Midnight Boom“ ist ein Album, das sehr erwachsen und cool geworden ist – und das gerade im Dunkeln und auf der Tanzfläche erst seine ganze Hypnose ausspielt. Anregend und sexy. Gefährlich scharf: „U R A Fever“ von The Kills:

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Illustration: Julia Schubert

Adam Green - Sixes&Sevens Zu Adam Greens neuer Platte fällt mir erstaunlich wenig ein, obwohl ich sie seit Wochen auf dem Player mit mir rumtrage. So nett und vielfältig der kniedelige Anti-Folkclown darauf herumstreicht, croont und gospelt, sogar Tom Waits die Nase zeigt und wieder alles sehr wohltemperiert zusammenmischt, fehlt irgendwas. Nette Songs gibt’s natürlich „When A Pretty Face“ zum Beispiel, sauber runtergezupftes Liedchen mit Green als onkeligem Geschichtenerzähler. Das reicht aber diesmal irgendwie nicht mehr. Die Konzentration früherer Alben, vor allem natürlich von „Friends Of Mine“ ist irgendwie dahin – vielleicht auch nur beim Hörer. Irgendwie wie die ehemalige Lieblingskneipe in die man heute nicht mehr geht, ohne genau sagen zu können, warum. Müde, oder? "Morning After Midnight":

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Stephen Malkmus & The Jicks - Real Emotional Trash Stephen Malkmus muss man wahrscheinlich erklären. Für ein T-Shirt von ihm hätten in den frühen 90er-Jahren sehr viele junge Menschen ihr Elternhaus angezündet. Nicht nur, weil er so gut aussah, sondern weil er Frontmann einer der wichtigsten Bands damals war: Pavement hieß die. Mit dieser Band hat der ganze Indie-Krawall eigentlich so richtig Fahrt aufgenommen. Pavement waren quasi Tocotronic für die ganze Welt. Das ist lange her, aber Malkmus hält immer noch eine Gitarre und spielt. Und zwar auf manchen dieser neuen Stücke extrem ausdauernd. Er wäre aber nicht Stephen Malkmus, wenn er nicht in jedes Solo, in jede verzerrte Kakaophonie noch eine ganz unfassbare Portion Weisheit und Schönklang weben würde. Deswegen ist diese Platte, die er gemeinsam mit seiner Band Jicks eingespielt hat, ganz hervorragend gut geworden, was man gar nicht zu hoffen gewagt hätte. Abzüglich aller Nostalgie ist das jetzt natürlich vor allem einfach Rock, handgemacht und amtlich, darunter zuckersüße Lieder, bei denen alle Sehnsuchtsfahnen wehen (Etwa: „We Can’t Help You“). Damit kann man sehr glücklich werden. Mit aktuellem Popdiskurs hat das natürlich nicht mehr viel zu tun, aber dafür hatte Malkmus seinen Beitrag ja schon vor 15 Jahren abgeliefert.

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