11. Klasse vs. Firma - Sieben Mädchen bei einem europweiten Jungunternehmerwettbewerb.

Sieben Schülerinnen der elften Klasse vom Mädchen-Gymnasium Borbeck in Essen haben Deutschland auf dem JUNIOR-Europawettbewerb vertreten, der dieses Jahr in Berlin stattfand. JUNIOR steht für "Junge Unternehmer, Initiieren, Organisieren, Realisieren". Mit ihrer Firma KulTourIng und der Geschäftsidee, einen Stadtführer für Essen, die Europäische Kulturhauptstadt des Jahres 2010, zu produzieren und zu verlegen, der sich speziell an über 60-Jährige richtet, gewannen sie bereits den bundesweiten JUNIOR-Wettbewerb. Am Wochenende mussten sie sich mit 29 weiteren Schülerfirmen aus ganz Europa messen, schafften es jedoch nicht unter die ersten Drei. Mandy Herche, Vorstandsvorsitzende von KulTourIng und Frederike Küster, die Marketingleiterin, erzählen, wie es ist, als Schülerin eine eigene Aktiengesellschaft zu leiten.
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Illustration: Julia Schubert

Der Stand von KulTourIng Ihr hattet euch eigentlich große Hoffnung auf den Sieg gemacht, aber den Wettbewerb hat jetzt das irische Team gewonnen - seid ihr schwer enttäuscht? Einige von uns waren schon sehr traurig. Nach der ersten Runde hat alles sehr gut ausgesehen. Wir hatten ein sehr positives Feedback bekommen und lagen gefühlsmäßig weit vorne. Aber uns war auch klar, dass die Konkurrenz genauso stark war wie wir - letztlich hat sich die Jury eben für jemand anderen entschieden. Wo wir genau standen, konnte man ohnehin nicht genau sagen, weil der Geschäftsbericht und die formale Richtigkeit der Buchhaltungsunterlagen auch eine Rolle gespielt haben. Es tut jedenfalls gut, dass die Anspannung jetzt weg ist. Und das Team aus Irland hat den Sieg auf jeden Fall verdient. Natürlich hätten auch wir gerne gewonnen, aber wir hatten beim Landes- und beim Bundeswettbewerb schon sehr viel Erfolg. Die Teilnahme am Europawettbewerb war jetzt also eine schöne Zugabe. Aus was für Prüfungen bestand der Wettbewerb? Aus drei verschiedenen: Zunächst gab es ein Standinterview durch eine dreiköpfige Jury. Die hat uns an unserem Stand auf Englisch Fragen zur Firma und zum Produkt gestellt. Danch folgte die Präsentation, bei der wir vier Minuten hatten, um unsere Firma und unser Produkt bei einer Bühnenshow vorzustellen. Das war ganz schön wenig Zeit und die Präsentation musste auch wieder auf Englisch sein, aber wir hatten ja immerhin noch an den zwei Tagen vor dem Wettbewerb ein Coaching mit Native-Speakers. Außerdem haben wir unser Programm ja schon auf Landes- und Bundesebene einstudiert. Zuletzt mussten wir noch ein 15-minütiges Interview mit der Jury führen. Ihr nennt euch alle ‚Vorstand’ oder ‚Marketingchefin’, dabei seid ihr doch eigentlich nur sieben Mädchen aus dem elften Jahrgang, oder? Nein, wir haben ja tatsächlich ein Unternehmen gegründet, das ein reales Produkt verkauft. Unser Stadtführer wurde bereits an verschiedene Firmen verkauft und ist auch in den Essener Buchläden zu kaufen. Leider haben wir für das Buch noch keine ISBN-Nummer, denn die konnten wir uns bislang nicht leisten. Wir waren ja mit unserem Startkapital von 900 Euro, die wir aus Aktienerlösen hatten, ziemlich knapp bemessen. Aber ihr seid doch alle auch Freundinnen, oder? Ist es da nicht schwierig immer zwischen den Hierarchien in der Firma und dem Alltag in der Schule zu unterscheiden? Als wir KulTourIng gemeinsam gegründet haben, kamen wir aus drei verschiedenen Klassen und kannten uns alle gar nicht so gut. Wir wollten damals natürlich schon, dass wir alle Freunde werden, aber es hat sich ziemlich schnell gezeigt, dass das nicht funktioniert, wenn wir erfolgreich sein wollten – und es war von Anfang an unser gemeinsames Ziel, bis zum Europawettbewerb zu kommen. Seid ihr eigentlich Streber? Nein, überhaupt nicht! Eigentlich sind wir alle im letzten Jahr um eine Notenstufe schlechter geworden. Wir haben schon immer noch gute Noten, aber eben nicht mehr ganz so gute. Wir haben wahnsinnig viel Zeit in unser Projekt gesteckt, und manchmal ist dann auch die ein oder andere Stunde ausgefallen, weil wir Firmentermine wahrnehmen mussten… Ihr habt einfach geschwänzt?! Nein, nein! Zum Glück hat unser Direktor viel Verständnis für das Projekt gezeigt und es war ja auch nicht so, dass wir dauernd gefehlt hätten. Nur manchmal hat man eben keinen Nachmittagstermin vereinbaren können... Was sagen eure Mitschülerinnen zu euch? Die haben uns wahnsinnig viel geholfen. Alle waren total nett und auch stolz auf uns. Deshalb sind wir auch stolz, dass wir unsere Schule hier in Berlin repräsentieren konnten. Wie sieht jetzt die Zukunft eurer Firma aus? Macht ihr weiter, oder löst ihr alles auf? So genau steht das noch nicht fest. Wir haben uns jetzt so lange damit beschäftigt, da kann man das nicht einfach abstellen. Für uns ist KulTourIng mehr als ein Projekt. In den nächsten Tagen werden wir uns deshalb mit einem Unternehmensberater treffen, dann werden wir sehen, ob es Sinn macht weitere Auflagen zu drucken und das Unternehmen weiterzuführen. Als JUNIOR-Firma ist KulTourIng jedenfalls offiziell aufgelöst, das heißt wir stehen ganz alleine da - und das Abi steht ja auch noch vor uns... Ihr verdient also nicht so gut, dass ihr die Schule einfach links liegen lassen könnt? Nein, leider nicht. Vielleicht wird das ja noch, aber momentan sind wir hauptberuflich Schüler, und das Abitur schadet ja auch nicht.

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