AIDS – virusfrei bis 2015. Geht das?

Diese Frage stellt sich die Welthungerhilfe am 30. und 31. Mai auf einer Konferenz in Berlin. Anna Bergman von der deutschen Welthungerhilfe hat die Konferenz organisiert.
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Illustration: Julia Schubert

Virusfrei bis 2015 – das ist ein provokanter Titel für eine Konferenz zum Thema AIDS. Geht das denn überhaupt? Den Titel haben wir so gewählt, weil sich die Staats- und Regierungschefs auf dem UNO-Millenniums-Gipfel auf konkrete Ziel- und Zeitvorgaben geeinigt haben, um die Armut in der Welt bis zum Jahr 2015 zu halbieren – die Millenniumsziele. Dazu zählt auch das Thema AIDS. Mit dem provokativen Titel wollen wir die Politiker an diese Ziele erinnern. Wir glauben nicht, dass man eine virusfreie Generation bis zum 2015 erreichen wird. Aber man muss es versuchen und fördern. Was müsste denn geschehen, damit man das Ziel bis 2015 erreicht? Wir wollen junge Leute ansprechen und einen Austausch zwischen ihnen und Jugendlichen in Afrika herstellen. Denn das wichtigste ist wirklich, junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren zu erreichen. Uns geht es aber nicht nur um Information und Aufklärung, sondern vor allem um Verhaltensänderung: Da geht es um das Sexualverhalten, aber auch um Geschlechterrollen oder darum, junge Frauen zu stärken. Wir hoffen natürlich, dass sie sich dann, wenn sie einmal Eltern sind in der nächsten Generation, anders erziehen und ihr Wissen an ihre Kinder weitergeben. Wie wollen sie Verhaltensweisen und Rollenbilder ändern? Wie können Männer und Frauen besser miteinander über Sex und Tabus reden? Das ist ein Bereich, um den es uns geht. Hierzulande ist das vielleicht kein so großes Problem, aber in anderen Ländern ist das zum Teil noch ein Tabu, dass Männer und Frauen gemeinsam über Sex reden, geschweige denn das man mit den Eltern darüber spricht. Eine größere Offenheit ist da sehr wichtig. Letztendlich trauen sich gerade Frauen dann nichts zu sagen, wenn es darauf ankommt, weil sie nicht wissen, wie es bei dem Mann ankommt, wenn man ein Kondom benutzen will. Auch bei Ihrer Konferenz liegt der Fokus stark auf Afrika. Es gibt zum Beispiel eine Videokonferenz mit afrikanischen Jugendlichen. Aber die Infektionsraten steigen doch auch bei uns seit einigen Jahren wieder. Das stimmt. Unser Ziel ist es ja, mit dieser Konferenz europäische Jugendliche aufzuklären. Unsere Kampagne „Virusfree Generation“ läuft in Italien, Tschechien, den Niederlanden und in Deutschland. Wir Europäer gelten normalerweise als aufgeklärt, aber die europäischen Jugendlichen heute bekommen nicht mehr die Informationen, die ich noch vor 15 Jahren bekommen habe, als AIDS gerade bekannt geworden war und überall in den Medien Aufklärungskampagnen liefen. Das hat sich mit den neuen Medikamenten und der guten Pflege, die wir im Westen haben, geändert. Zum anderen wollen wir ein Bewusstsein dafür schaffen, was mit Gleichaltrigen in anderen Ländern geschieht. Das südliche Afrika haben wir uns deshalb ausgesucht, weil dort, gemessen an der Einwohnerzahl, die meisten HIV-Infizierten leben.

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Illustration: Julia Schubert

Reicht es denn, Jugendliche miteinander ins Gespräch zu bringen? Wir wollen, dass die jungen Menschen selber mitbestimmen können, wie die Strategien aussehen sollen, um AIDS zu bekämpfen. Bisher werden zwar Frauen und Kinder oft mit einbezogen, aber die jungen Menschen bleiben außen vor bei den Debatten. Unsere Partnerorganisation in den betroffenen Ländern berichten immer wieder, dass das Krankenpersonal gar nicht dafür geschult ist, mit jungen Menschen zu sprechen, wenn die mit ihren Ängsten zu ihnen kommen. In der Schule ist HIV zwar ein Thema, aber auch die Lehrer sind oft zu schlecht ausgebildet. Wir wollen dagegen geschulte Ansprechpartner für die Jugendlichen. Was passiert konkret auf der Konferenz nächste Woche? Wir zeigen einige Beispiele, wie eine Kommunikation mit den Jugendlichen aussehen könnte, um sie über die Gefahren von AIDS aufzuklären und sie zu erreichen. Über Videos, Performances, Poetry und Musik zum Beispiel, die junge Leute bei uns in einem Wettbewerb eingereicht haben. Es wird Workshops geben, in denen die Jugendlichen selbst diskutieren und Vorschläge erarbeiten, wie eine wirksame AIDS-Prävention aussehen kann, die dann in einen Resolutionstext einfließen. Diese Resolution überreichen wir im Vorfeld des G-8-Gipfels an die Politiker, denn bei diesem Gipfel geht es sehr viel um Afrika und um die Bekämpfung von AIDS. Was kann man denn als junger Deutscher tun, damit es bis 2015 eine virusfreie Generation gibt? Sich selber schützen, natürlich. Aber dann kann man sich auch für Entwicklungsprogramme engagieren, die einen Austausch mit Jugendlich in anderen Ländern fördern oder überhaupt erst aufbauen. Viele Schulen haben Partnerschaften mit Vereinen in Afrika oder Lateinamerika. Die Kommunikation ist durch das Internet so einfach geworden, das sollte man genau für solche Projekte nutzen. Auf unserer Website kann man auch die Petition unterschreiben, die wir auf der Konferenz ausgearbeitet haben. Wer an der Konferenz teilnehmen will, muss nur eine Mail an virusfreegeneration@dwhh.de mailen. Es gibt noch Plätze.

Text: caroline-vonlowtzow - Fotos: Welthungerhilfe

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