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Atarisounds auf dem Blip Festival

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Was reizt dich an Chipmusik? Das ist ein ganz besonderer Sound, der sehr nach dem ursprünglichen Computer klingt. Die Computer von heute kreieren sehr reelle, echte Sounds, klingen aber nicht mehr nach Computer. Da fehlt Etwas. Bei Computerspielmusik ist der Charakter schon fast verloren gegangen. Und der Witz ist eben, dass die Soundchips von früher eben einen ganz tollen Sound hatten. Sie konnten relativ wenig, es gab nur ein paar Synthesizer, eben das, was damals auf so einen Chip gepasst hat. Es ist sehr interessant, mit diesen Einschränkungen und besonderen Tönen zu arbeiten.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Bodenständig 2000: Dragan und Bern Verwendet ihr die neueren Konsolen überhaupt nicht? Du musst dir vorstellen, so eine Playstation 3 ist eine Art Supercomputer, den man eigentlich gar nicht mehr richtig verstehen kann. Damit etwas Eigenständiges zu machen ist schwer. Die neuen Geräte haben alle digitale Audiowiedergabe, Dolby Sourround oder THX. Das ist witzlos, da könnte man sich auch irgendein Notebook kaufen und damit Musik produzieren. . Die alten Konsolen sind toll weil man sie mit ein bisschen Aufwand verstehen kann. Man kann die Programme der alten Spiele aus den Chips auslesen und selber darin werkeln. Dieses do-it-yourself Element ist ganz wichtig für uns. Ist Chipmusik eher eine Spielerei für Technikfreaks? Es ist klar, dass Computerfreaks diese Musik besser finden. Aber gerade wir von Bodenständig 2000 haben auch crossover Elemente in unserer Musik. Wir sind keine reine chiptune Kapelle, wir singen auch ganz viel. Ich kann schon einmal verraten, dass wir am Samstag Abend live singen werden, meistens zweistimmig. Die chiptune Szene existiert seit den 80er Jahren- damals als stille Untergrundszene. Seit ein paar Jahren gibt es Touren und Festivals. Was denkst du darüber? Der größte Unterschied zu früher ist, dass die Leute jetzt wirklich live auftreten. Früher hat man sich ein paar Disketten kopiert, um sich die neuesten Sounddateien auf dem eigenen Computer anzuhören. Heute sind Leute aktiv in der Szene dabei, die noch nicht einmal geboren waren, als der erste Gameboy auf den Markt kam. Es ist wahrscheinlich der Charakter der klassischen Chipmusik, die vielen Leuten irgendwann gefehlt hat. Der Sound ist eben etwas ganz besonderes. Die Kommunikation in der Chiptune-Szene findet hauptsächlich über das Internet statt. Was sind das für Leute, die hinter den Usernamen stehen? Wir haben alle eine Leidenschaft gemeinsam: Wir basteln gerne am Computer. Ansonsten sind die Hintergründe, aus denen die Leute kommen, sehr verschieden. Es gibt Leute, die haben irgendein klassisches Instrument gelernt und wollen dann auch Meister dieses neuen Instruments werden. Oder es sind Leute, die Videospielmusik toll fanden. Ich kenne Menschen, die eigentlich in der metal- oder raveszene zu Hause. Es geht um die Freude an diesem sehr einfachen Sound. Chipmusik ist das Gegenteil von Professionalismus in der Musikproduktion. Bei uns gibt es keine 24bit oder „Pro Tools“.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

So produziert man Chipmusik Der Computertüftler-Szene haftet immer dieses nerd-Image an. Was denkst du über „nerdiness“? Der Begriff ist lange schon nicht mehr negativ belegt. Nerds können jetzt auch cool sein. Man muss man nicht mehr snowboarden, um cool zu sein. Es kann auch cool sein, ein Super Mario Spiel auseinandernehmen. Es war lange Zeit so, dass die nerds sich immer hinter ihrem Computer versteckt haben. So war das auch auf den ersten Festivals mit Chip Musik. Da sind die auch hinter ihren Geräten gesessen und haben nichts gesagt. Es war in den frühen 90ern in der elektronischen Musik total hip, dass man sich nur hingesetzt und einen Knopf drückt, herumsitzt und anwesend ist. Das hat sich inzwischen sehr geändert. Das finde ich gut. Das war damals schon eine interessante Kultur, die damals hinter den Computern gesessen ist. Die können sich es durchaus leisten, selbstbewusster aufzutreten. Auf was freust du dich am „Blip Festival“ besonders? Man kann ein paar Tage lang ganz klasse Musik hören und interessante Leute treffen. Das Tolle an dem Festival ist, dass genau hier die amerikanische, japanische und europäische Szene zusammenkommt. Da können wir bestimmt auch ein paar neue Leute treffen und neue Musik hören. Hier ein Eindruck vom letztjährigen "Blip Festival"

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