"Auch Frauen interessieren sich für Sound"

Bisher galten Kopfhörer eigentlich als zuverlässiges Unisex-Accessoire. Eine Firma stellt jetzt auf der IFA Modelle nur für Frauen vor - kleiner, filigraner und ein bisschen glitzernd. Nor Toma von Molami erklärt, was es damit auf sich hat.
pia-volk

Kopfhörer für Frauen – warum braucht die Welt so etwas?
Na, weil es noch keine gibt. Schau Dir an was auf dem Markt ist. Viele Kopfhörer sind dick, breit und sehr wuchtig. Jedes Mal wenn man in einem Geschäft steht, fragt man sich auch: Muss das sein? Müssen Kopfhörer so aussehen, um gut zu klingen?  

Wohl nicht, denn es gibt ja noch diese kleinen Stecker.
Stimmt, aber sie sind nicht immer sehr edel anzusehen. Ihre die Soundqualität ist auch ganz anders. Es macht schon einen Unterschied, ob man Kopfhörer auf den Ohren oder in den Ohren trägt.  

Aber macht es auch ein Unterschied, wer sie trägt? Ich dachte bis jetzt, dass Kopfhörer unisex sind.
Schon, aber auf eine gewisse Art auch wieder nicht. Das sieht man daran, dass es sie in rosa und augenkrebserregenden Mustern gibt. Die Modelle sind meist für Frauen. Da hat sich jemand gedacht: „Mmmhhh, wie machen wir unsere Produkte für die Damenwelt ansprechender? Bringen wir Farbe rein!“  

Es gibt aber auch bunte Kopfhörer, die durchaus Jungs anziehen.
Und es gibt schwarze Kopfhörer, die Mädchen tragen. Was es aber nicht gibt, sind andere Formen von Kopfhörern. Feminin sein hat ja nichts mit einem Farbschema zu tun.  

Die neuen Kopfhörer-Modelle nur für Frauen
Sondern?
Mit Eleganz. Kopfhörer müssen eben nicht diese „straight in your face“ Haltung haben. Früher, in den 80ern mussten sie vielleicht so riesig sein, aber die Technik hat sich geändert und man kann besseren Klang auf kleinerem Raum bauen. Wir wollten etwas mehr designaffines machen, was es so noch nicht gibt. Deshalb sind unsere Kopfhörer ein unauffälliges Statement.  

So ganz unauffällig sind sie auch nicht, sie haben goldene Knöpfe und die Stecker haben Lederapplikationen. Da sind die von meinen Telefon unauffälliger.
Aber sie sind unaufdringlich und filigran. Die Stecker könnten beim ersten Hinschauen auch Ohrringe sein. Und wir haben ein Modell, das sieht aus wie ein Haarreif. Du könntest beides zu einem Abendkleid anziehen und es würde nicht weiter auffallen. Das Kabel haben wir in Stoff eingeschlagen und gezwirbelt, es könnte eine Kette sein. Wir sehen unsere Kopfhörer als ein Fashion-Accessoire, das ganz nebenbei nutzbar ist.  

Seit wann sind Kopfhörer eigentlich Fashion?
In den 1980ern begann das, denn 1979 kam der erste Walkmann raus. Und ich würde sagen, seitdem jeder mit seinem Smartphone über Kopfhörer telefoniert, gehören sie einfach zu den alltäglichen Gebrauchsgegenständen. 2010 wurden fast 300 Millionen Smartphones verkauft! So eine Zahl kann man sich gar nicht vorstellen. Und es gibt mittlerweile ziemlich viele Leute, die auf der Straße stehen, mit Kopfhörern und mit der Luft reden. Wenn man schon so absurd herumsteht, dann jedenfalls mit Stil. An unseren Entwürfen haben deshalb nicht nur Produktdesigner, sondern auch Fashiondesigner und Make-up Artists mitgearbeitet.

Wieso Make Up Artists?
 Von ihnen kann man jede Menge über das menschliche Gesicht lernen. Für sie sind Gesichter eine Art Skulptur, die sie formen. Sie haben uns gezeigt, welche Partien wie betont werden und wie man die Aufmerksamkeit von anderen ablenken kann. Wir haben ein Modell bei dem folgen die Bügel der Linie der Wangenknochen. Und wenn man sie sich umhängt, dann betonen sie die Schlüsselbeine. Ganz wie ein Schmuckstück es tun würde.  

Nor Toma hat die Kopfhörer entwickelt.

Gut, aber eigentlich kaufe ich Kopfhörer ja nicht, um gut auszusehen, sondern um Musik zu hören...
Oder um zu telefonieren. Wir haben gleich ein Mikro mit eingebaut, damit man auch das tun kann. Aber du wolltest bestimmt auf die Klangqualität hinaus. Die ist fantastisch, bei uns arbeiten nämlich auch jede Mengen Soundingenieure. Wir haben festgestellt, dass entgegen aller Klischees sich auch Frauen für Sound interessieren: wie gut der Bass ist, wie die Höhen. Das nehmen wir ernst.  

Und andere tun das nicht?
Einige schon, andere aber nicht, sonst gäbe es ja nicht so viele Frauenprodukte in rosa. Wir haben es getestet, sind auf die Straße gegegangen und haben mit den Menschen gesprochen. Im Grunde genommen gibt es drei Faktoren, auf die Leute achten: Design, Sound und Haltbarkeit. Danach berechnen sie, wieviel ihnen die Kopfhörer wert sind. Und es sind eben nicht nur die Männer, die sagen, der Klang wäre ihnen das wichtigste, auch die Frauen. Und es gibt ebenso viele Männer wie Frauen, die sich beim Kauf nach dem Design richten.  

Dürfen diese Männer eure Kopfhörer auch tragen?
Na klar! Aber wir werden sie nicht in blau auf dem Markt bringen.

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