Auf dem Weg zur 10-Punkte-Platte

Wenigen Bands ist es vergönnt, auf dem "Iceland Airwaves"-Festival spielen zu können. Die jungen Sizarr aus Landau sind so eine Band - obwohl sie gerade erst der Schule entwachsen. Ein Interview
jurek-skrobala

jetzt.de: Fabian und Philipp, ihr macht gerade Abi. Marc, du gehst noch zur Schule. Was ist das für ein Gefühl, als Schüler auf dem Melt!-Festival spielen zu können?

Fabian: Für mich und den Philipp ist es schon eine Erlösung, nicht mehr in der Schule zu sein. Letztes Jahr war das ein krasser Kontrast, auf dem Melt! zu spielen und am nächsten Tag wieder in die Schule gehen zu müssen – ziemlich deprimierend. Jetzt, nach dem Abi, ist das total entspannt. Wir können uns endlich nur noch auf die Musik konzentrieren.

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Illustration: Julia Schubert

Marc (17), Fabian (19) und Philipp (19) haben ein Ziel: den Pitchfork-Hype. Online findest du sie auf MySpace.

Ihr nehmt gerade euer Debütalbum auf, das ihr im Herbst veröffentlichen wollt. Wie klappt so etwas zeitlich, neben der Schule? Fabian: Wir stecken seit etwa zwei Monaten intensiv in dem Prozess, das Album voranzutreiben. Über die Abizeit war das natürlich schwer, weil wir mehr für die Schule machen mussten. Wir haben das aber gut in den Griff bekommen und trotzdem viel geprobt. Wir sind alle okaye Schüler und hatten dadurch auch genug Zeit, uns auf die Musik zu konzentrieren.

Wie habt ihr euch gefunden? Über das schwarze Brett in der Schule? Fabian: Nee, wir kennen uns schon seit Kindergartenzeiten. Wir sind alle im selben Dorf groß geworden. Dann musste das irgendwann ja so kommen, dass wir angefangen haben, zusammen Musik zu machen. Anfangs waren das nur Philipp und Marc. Ich hab dann den Philipp kennengelernt und mit der Zeit wurde er zu meinem besten Freund. Was die beiden gemacht haben, fand ich dann irgendwie cool und wir haben Sizarr gegründet.

Diese Woche haben zwei von euch ihren Abiball gefeiert. Jetzt, wo die Schule vorüber ist: Wollt ihr die Musik zum Beruf machen? Fabian: Auf jeden Fall. Das haben wir alle vor.

Glaubt ihr, man kann in Deutschland von Popmusik leben? Fabian: Ja, bestimmt. Es ist natürlich die Frage, ob man den Anspruch hat, Millionär damit werden zu wollen. Das geht uns nicht so. Wir wollen uns verwirklichen, das ist uns wichtig. Wenn wir schön davon leben können, ist das auch prima.

Die deutsche Musikszene tummelt sich vor allem in Städten wie Köln, Hamburg und Berlin. Ihr kommt aus Landau. Ist der Umzug schon geplant?

Fabian: Nee, nicht so. Philipp und ich werden umziehen und zwar in die Stadt zwischen Landau und Heidelberg: nach Mannheim. Ich glaube auch nicht, dass so eine Musikhochburg etwas ändern würde für uns. Wir haben hier ja schon einen festen Kreis um uns, der uns gut unterstützt.

 

Ihr spielt bald beim Iceland Airwaves, einem renommierten Festival in Reykjavík. Wollt ihr mit eurer Musik über deutsche Grenzen hinaus berühmt werden?

Fabian: Ja, das wollen wir. Das ist der Anspruch, den wir mit Sizarr haben. Wir wollen so etwas schaffen wie The Notwist: Wir wollen international anerkannte Musik machen.

 

In England werden junge Bands häufiger von Blättern wie dem NME als „next big thing“ gehandelt, was den Bands hilft, bekannt zu werden und Platten zu verkaufen. Glaubt ihr, in Deutschland fehlt eine Hype-Kultur?

Philipp: In England herrscht da ein krasser Unterschied zu Deutschland. Ich denke schon, dass in Deutschland so etwas wie eine gewisse Hype-Kultur da ist, weil es eine starke Szene gibt.

 

Euch gibt es seit 2009 und ihr habt erst einige Songs. Trotzdem spielt ihr bei großen Festivals und gebt Interviews. Werdet ihr gehypt?

Fabian: Doch, klar. Ich würde es schon als Hype bezeichnen. Es ist schon außergewöhnlich, was gerade mit uns passiert. Wir können uns darüber sehr glücklich schätzen.

 

Ihr habt keinen Plattenvertrag und trotzdem 1.775 Likes bei Facebook. Glaubt ihr an die Macht des Internets, wenn es für Newcomer darum geht, berühmt zu werden?  Fabian: Auf jeden Fall. Ein gutes Beispiel wäre dieser Odd Future Wolf Gang Kill Them All-Kram. Daran sieht man wieder, dass das Internet extrem viel Power hat. Es macht möglich, dass man an Orten, die kein Musik-Hot Spot sind, auch gute Musik kennenlernen kann.

Phillip: Ich würde sagen, das Internet ist heute ein sehr gutes Promotion-Werkzeug.

 

Was muss man als junge Band machen, um über den Status der Proberaumrohrkrepierer hinauszukommen?

Fabian: Das ist natürlich schwierig zu beantworten. Es gibt kein Universalrezept. Einzigartigkeit ist wichtig. Man muss sich von der Masse abheben, damit sich die Leute dafür interessieren.

 

Wie schafft ihr das denn?

Phillip: Man kann uns nicht in eine Kategorie packen. Unseren Sound in ein paar Worten zu beschreiben, ist halt schwierig. Bei uns kommen so viele Einflüsse rein – dadurch entsteht vielleicht etwas Einzigartiges.

 

Was werden wir in Zukunft von euch hören?

Fabian: Unsere EP wird natürlich die nächste 10 Punkte-Platte bei Pitchfork (lacht).

 

Ist der Pitchfork-Hype ein erklärtes Ziel?

Fabian: Wir arbeiten dran

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