Auslandserfahrung für Daheimgebliebene

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Der Deutsche Akademische Auslandsdienst (DAAD) bringt ausländische Studenten nach Deutschland und deutsche ins Ausland. Damit beides künftig noch besser klappt, trafen sich diese Woche DAAD-Mitarbeiter auf einer Konferenz in Bonn mit Abgesandten der deutschen Hochschulen. Es ging um Hochschulpartnerschaften und um Austauschprogramme, es ging im Grunde um die Frage, wo deutsche Studenten gebührenfrei im Ausland studieren können und was deutsche Hochschulen machen müssen, um die guten Studenten aus dem Ausland anzuziehen. Katharina Linke ist an der Uni Kassel Referentin für Internationales im Akademischen Auslandsamt und zuständig für Internationale Kooperationen und Auslandsmarketing. Sie war auch auf der Konferenz, traf DAAD-Vertreter aus Moskau, Tokio und Syrien und erzählte nebenbei ihren Kollegen von ihrer Arbeit in Kassel. Katharina Linke sagt nämlich, dass selbst Studenten, die keine Zeit für ein Auslandssemester haben, internationale Erfahrung sammeln können. Stichwort: "Internationalisation at home". jetzt.de: Sie bieten an der Universität Kassel „Internationalisation at home“ an. Was muss ich mir darunter vorstellen? Katharina Linke: Wir bereiten deutsche Studenten auf die Berufs- und Wissenschaftswelt vor. Dazu brauchen sie internationale Schlüsselkompetenzen. Die man ja im Ausland lernt, oder? Ja. Aber was, wenn das nicht geht? Wir wollten ein Projekt schaffen, in dem wir Auslandskompetenz zu Hause vermitteln können – auch wenn die Studenten leider nicht die direkte Auslandsbegegnung haben. Was vermitteln Sie? Englisch vertragssicher verhandeln; sich auf internationalem Parkett bewegen können; interkulturelle Kompetenz besitzen, also etwas von dem Land wissen, mit dem ich künftig vielleicht kooperiere ...

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Illustration: Julia Schubert

Das klingt ziemlich künstlich. Ich gebe Ihnen ja recht. Es ist nicht eins zu eins mit der Erfahrung zu vergleichen, die Sie machen, wenn Sie selbst im Ausland sind. Aber für jene, die keine Zeit für ein Auslandssemester haben ist es immerhin eine Möglichkeit - es ist der Versuch, sich der direkten Erfahrung von zu Hause aus zu nähern. Wie machen Sie das? Erstens versuchen wir aus Partnerhochschulen Gastdozenten an die Uni Kassel zu holen, die dann Vorlesungen in ihrer Muttersprache halten. Danach soll ein direkter Austausch im Gespräch stattfinden. Zweitens versuchen wir das englischsprachige Angebot unserer Uni nicht nur für internationale Studenten sondern auch für deutsche Studenten attraktiv zu machen. Dann das gesamte Fremdsprachenangebot im Sprachenzentrum … Sie bündeln also die Angebote, die es an einer Hochschule schon gibt und schreiben „Internationalisation at Home“ drüber? Wir bauen die Angebote aus und nutzen sie so, dass wir möglichst nah an echte Auslandserfahrungen rankommen. Deshalb haben wir auch ein Tandemprogramm. Wissen Sie, was das ist? Da lernt man mit einem Studenten aus dem Ausland dessen Sprache. Genau. Das haben wir auch. Dann haben wir zum Beispiel ein China-Qualifikationsprogramm. Dort lernt man die Grundlagen des Chinesischen, Landeskunde, Kultur etc. und ein Unternehmen stellt uns zwei Stipendien für Studenten zur Verfügung, die im Anschluss an das Programm nach China reisen ... Wen genau sprechen Sie mit dem Programm an? Deutsche Studenten, die sagen: Ich werde den Auslandsaufenthalt im Rahmen des Bachelors nicht schaffen. Die können dann sagen: Ich werde als Minimum dieses Programm belegen. Kann man denn Schlüsselqualifikationen wirklich beibringen? Auf jeden Fall. Kommunikationskompetenz, Fachwissen, Methodenkompetenz, interkulturelle Kompetenz – das sind Werkzeuge, die kann man beibringen, indem man Fallbeispiele nimmt, Rollenspiele macht und sie durch theoretische Grundlagen ergänzt. Dazu holen wir auch die internationalen Gastwissenschaftler her. Gibt es dafür ein Zeugnis? Ja, die Schlüsselqualifikationen werden anerkannt und gehen in die Prüfungsleistungen mit ein. Kommt denn der Begriff „Internationalisation at home“ aus ihrem Mund? Der DAAD hat den Begriff schon früher verwendet. Wir haben ihn nur in unserem Internationalisierungsstrategiepapier aufgenommen. Es gab schon früher Konferenzen zur Mobilität der Studenten, bei denen Hochschulen zu dem Thema diskutierten. Weil zum Beispiel Hochschulvertreter aus den USA fragten: Was machen wir mit unseren Studenten, die nicht ins Ausland können?

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Illustration: Julia Schubert

Katharina Linke Soll ich als Student dann gar nicht mehr ins Ausland gehen? Es passieren jetzt zwei Sachen: Man schaut, dass man in den neuen Studiengängen Zeitfenster öffnet, in die die Studenten doch einen Auslandsaufenthalt schieben können. Und dann geht es darum, das Angebot für die Zuhausegebliebenen zu verbessern. Können die Teilnehmer denn mit dem Konzept etwas anfangen? Ich hoffe doch sehr. Wir machen jedes Jahr eine Evaluierung, ob die Internationalisierung gelingt oder nicht. Da gibt es auch die Kennzahl, die uns sagt, wie viele Studenten im letzten Jahr diese Schlüsselkurse wahrgenommen haben. Und? Es werden mehr.

Text: peter-wagner - Foto: ap, privat

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